Gäbe es so etwas wie eine Donald-Duck-Medaille für den größten von diversen Telekommunikationsfirmen geplagten Unglücksraben, man könnte sie mir auf Jahre hinaus nicht mehr streitig machen: Nach der neunwöchigen DSL-Störung von Mai bis Juli dieses Jahres und dem knapp dreitägigen Festnetz- und DSL-Totalausfall Mitte August folgte letzte Woche der nächste Totalausfall. Kunden und Auftraggeber, die mich anriefen, mussten sich wieder einmal anhören: „Der gewünschte Gesprächspartner ist vorübergehend nicht erreichbar“. Laut Störungsstelle der Telekom aus exakt dem selben Grund wie vor drei Wochen: Fehler im Hauptverteiler. Gleichzeitig war selbstredend auch die DSL-Leitung wieder gestört. Die Telefonleitung wurde am nächsten Tag entstört, aber DSL funktioniert erst seit heute mittag wieder, neun Tage nach dem Ausfall.
Damit wurde ich dieses Jahr insgesamt nunmehr knapp 11 Wochen lang, oder anders gesagt: ca. 30% des abgelaufenen Jahres von einem DSL-Totalausfall heimgesucht.
(Zum Verständnis: Ich bin DSL-Kunde bei der 1&1 Internet AG, die die 16.000er Leitungen der Telefonica verkauft, die die Leitungen wiederum von der Telekom mietet. Vereinfacht gesagt.)
Montag, 27.08.07
11:37 Uhr: Festnetz und DSL-Leitung sind plötzlich tot.
11:40 Uhr: Anruf bei der Störungsstelle der Telekom. Von dort kommt die Zusage, dass der Anschluss innerhalb von 24 Stunden entstört wird.
Dienstag, 28.08.07
11:50 Uhr: 24 Stunden und 10 Minuten später, die Anschlüsse sind immer noch tot. Anruf bei der Störungsstelle der Telekom:
-Tut mir leid, ich erreiche den Disponenten nicht, aber Ihr Anschluss sollte eigentlich heute noch entstört werden …
13:31 Uhr: Anruf eines Telekomtechnikers:
-Ihr Telefonanschluss ist entstört.
-Sehr gut, und was ist mit meinem DSL?
-Sie haben doch gar kein DSL!
-Doch, bis gestern zur Störung schon!
-Moment, da muss ich Rücksprache halten.
13:51 Uhr: Rückruf des Telekomtechnikers:
-Gestern wurde auf Auftrag der Telefonica ihr DSL-Port auf einen anderen Anschluss geschaltet.
-Wie bitte?! Dann schalten Sie ihn bitte schnell wieder auf meinen Anschluss zurück!
-Dafür habe ich keinen Auftrag, da müssen Sie sich an Ihren Reseller wenden.
-Wie, bitteschön, kann denn sowas passieren?
-Tja, da hat die Telefonica Ihren Port wohl doppelt verkauft.
-Und warum war gleichzeitig die Telefonleitung gestört?
-Das kann ich nicht sagen, möglicherweise hat der Kollege gestern bei der Umschaltung einen kleinen Fehler gemacht.
13:59 Uhr: Anruf bei Frau H., 1&1 Kundendienst: Sie verspricht, sich um die Angelegenheit zu kümmern.
14:05 Uhr: Ich informiere meinen Anwalt.
16:36 Uhr: Rückruf von Frau H.:
-Die Telefonica sagt, es liegt keine Doppelbuchung vor, es handelt sich um eine technische Störung. Sie müssen sich leider 48 Stunden gedulden.
Außerdem teilt sie mir mit, dass die Ticket-Eröffnung bei 1&1 Kosten zwischen 400 und 500 Euro verursache. Ich enthalte mich eines Kommentars.
Mittwoch, 29.08.07
12:04 Uhr: Anruf von Frau H.: Die Telefonica müsse vor Ort meine Leitung messen.
-Aber was wollen die denn messen, wenn auf meinen Anschluss kein DSL geschaltet ist?
-Moment, ich frage noch mal einen Techniker und rufe Sie dann zurück.
12:16 Uhr: Rückruf von Frau H.:
-Ja, wir sind auch der Meinung, dass der Vor-Ort-Termin zu nichts führt, Sie können ihn ablehnen, wenn Sie wollen.
Ich lehne ihn ab.
12:41 Uhr: Anruf bei der Telekom. Ich schildere mein DSL-Problem und frage, ob es irgendjemand gibt, der mir mehr dazu sagen kann.
-Moment, da muss ich kurz nachfragen.
13:24 Uhr: Seit 40 Minuten höre ich Warteschleifenmusik. Da sich der Telekom-Mitarbeiter wohl nicht mehr zurückmelden wird, lege ich auf.
13:26 Uhr: Nächster Versuch, erneuter Anruf bei der Telekom. Ich schildere Herrn H. den Fall. Er ist bemüht, schaut nach, kann mir aber auch nur sagen, dass auf meinen Anschluss kein DSL geschaltet ist. Er verspricht, die Sache weiterzuleiten. Man riefe mich dann zurück.
Donnerstag, 30.08.07
14:50 Uhr: Der versprochene Rückruf von der Telekom:
-Tut uns leid, Herr Preidel, wir können da gar nichts tun, da müssen Sie sich an 1&1 wenden.
-Sie sollen auch gar nichts tun, ich wollte nur jemanden sprechen, der eventuell mehr über diesen Fall weiß und mir vielleicht einen Rat geben kann.
-Ach so, naja, Sie könnten ja uns als Anbieter nehmen.
Freitag, 31.08.07
09:18 Uhr: Anruf eines Telekomtechnikers:
-Ihr DSL-Anschluss ist entstört.
Ich kann das nicht nachprüfen, weil ich nicht im Büro bin.
10:20 Uhr: Anruf eines 1&1-Technikers:
-Ihr DSL-Anschluss ist entstört.
Ich bin mittlerweile wieder im Büro und teile ihm mit, dass der DSL-Anschluss trotzdem nicht funktioniert.
-Wie auch, wenn auf meinem Anschluss gar kein DSL geschaltet ist?
Diese Information ist neu für den 1&1-Techniker, ich nenne ihm die Ansprechpartner bei der Telekom, damit er das nachprüfen kann.
13:20 Uhr: Anruf des 1&1-Technikers: Sein Ansprechpartner bei Telefonica sagt, auf meinem Anschluss sei DSL geschaltet, es liege eine Störung vor. Die Telefonica müsse deshalb vor Ort eine Leitungsprüfung vornehmen. Ich erkläre mich, um die Angelegenheit nicht noch mehr zu verzögern, einverstanden und bekomme ein Zeitfenster genannt: am 03.09.07 zwischen 13 und 18 Uhr kommt ein Telefonica-Techniker zu mir.
13:32 Uhr: Anruf bei der Telekom. Möglicherweise hat sich ja am DSL-Status in der Zwischenzeit etwas geändert. Ich schildere meinen Fall, meine Gesprächspartnerin sagt, dass auf meinen Anschluss definitiv kein DSL geschaltet sei.
13:40 Uhr: Anruf bei Frau H., 1&1 Kundendienst. Ich teile ihr die Aussage der Telekom-Mitarbeiterin mit und frage, warum die Telefonica darauf bestünde, dass bei mir vor Ort eine Leitungsprüfung durchgeführt werden müsse.
-Herr Preidel, auch wir sehen hier, dass bei Ihnen kein DSL geschaltet ist, aber ich möchte Sie dennoch bitten, den Termin am 3.9. wahrzunehmen.
Ich sage zu.
Montag, 03.09.07
11:37 Uhr: Die zweite Woche ohne DSL-Anschluss beginnt. Mit den neun DSL-losen Wochen von Mai bis Juli bin ich mittlerweile knapp 30% des abgelaufenen Jahres ohne DSL-Anschluss. Rekordverdächtig!
19:00 Uhr: Der zwischen 13 und 18 Uhr angekündigte Telefonica-Techniker ist, man mag es kaum glauben, nicht aufgetaucht. Abgesagt hat er auch nicht.
Dienstag, 04.09.07
08:20 Uhr: Ich versuche vergeblich, Frau H. vom 1&1 Kundendienst zu erreichen.
09:05 Uhr: Ein weiterer Versuch, Frau H. zu erreichen.
09:23 Uhr: Der dritte Versuch, Frau H. zu erreichen.
09:24 Uhr: Ich rufe bei 1&1 in Zweibrücken an und lasse mich mit Herrn F. vom technischen Kundendienst verbinden. Da er im Urlaub war, hat er von meinem aktuellen Fall noch nichts gehört. Er verspricht, sich kundig zu machen und schnellstmöglich, auf jeden Fall aber heute noch zurückzurufen.
14:19 Uhr: Unter Frau H.s Nummer meldet sich immer noch das automatische Mailboxsystem.
Herr F. hat noch nicht zurückgerufen.
14:20 Uhr: Ich frage meinen Anwalt um Rat. Es gibt zwei Alternativen: Eine Einstweilige Verfügung gegen 1&1 und Telefonica oder eine fristlose Kündigung.
Ich überlege: DSL von Alice bekomme ich laut Hotline frühestens in zwei bis drei Wochen, vorausgesetzt, mein Port wird freigegeben; die Telekom kann nicht sagen, wann sie DSL liefern kann, da mein Port der Telefonica gehört und niemand weiß, ob und wann sie ihn freigibt. Fristlose Kündigung scheidet also eigentlich aus.
Da Herr F. von 1&1 ja heute noch zurückrufen will und dann hoffentlich endlich mal eine verbindliche Aussage machen wird, verschiebe ich die endgültige Entscheidung auf morgen früh, die Einstweilige Verfügung kann dennoch schon vorbereitet werden.
15:25 Uhr: Von einem Telekom-Mitarbeiter habe ich eine Nummer der Telefonica erhalten. Ich rufe dort an und frage, wo der angekündigte Mitarbeiter geblieben ist, der gestern die Leitungsprüfung bei mir vornehmen wollte. Das könne sie mir nicht sagen, außerdem gebe es bei Telefonica keine Ansprechpartner für Endkunden. Ich solle mich an 1&1 wenden.
15:53 Uhr: Frau H. ist immer noch nicht erreichbar.
16:28 Uhr: Herr F. von 1&1 ruft zurück:
-Herr Preidel, in einer Tabelle in einem Computer sind zwei Zeilen verrutscht, deshalb haben Sie kein DSL.
-Aha, und in wessen Computer – in einem der Telekom oder einem der Telefonica?
-Das kann ich Ihnen nicht sagen, aber da der Fehler jetzt lokalisiert ist, haben Sie unter Umständen heute Abend schon wieder DSL, spätestens aber morgen.
Ähem, zwei Zeilen verrutscht? Nun gut. Hauptsache, mein DSL-Anschluss funktioniert bald wieder.
16:46 Uhr: Ich rufe meinen Anwalt an und blase die Einstweilige Verfügung ab.
Mittwoch, 05.09.07
11:56 Uhr: DSL geht wieder! Und die Reparatur hat nur wenig mehr als 9 Tage gedauert! Wunder der Technik! Grandiose Errungenschaften des 21. Jahrhunderts!