Kochbücher
Oder: Warum ich so gerne koche
Mit 15 hatte ich mir einen üblen Magen-Darm-Virus eingefangen. Unser Hausarzt verschrieb Kamillentee mit Zwieback und drei Wochen Bettruhe. Mein Appetit kehrte zwar schon nach drei Tagen zurück, Dr. Suermann (Gott hab ihn selig) indes blieb hart: drei Wochen lang keine feste Nahrung außer Zwieback und Banane. Es waren buchstäblich Tantalusqualen, die ich erlitt, wenn sich mittags der Duft von gebratenen Zwiebeln aus der Küche in mein Zimmer schlich, während ich an einem trockenen Zwieback knabbern musste.
Bald drehten sich meine Gedanken nur noch ums Essen. Damit ich mir besser ausmalen konnte, was ich nach meiner Genesung alles verspeisen würde, und um beizeiten schon mal kulinarische Sonderwünsche bei meiner Mutter anzumelden, holte ich mir ihr Dr. Oetker-Kochbuch und las es mehrmals von vorne bis hinten durch. Ich entdeckte wunderbare Dinge – von sautieren war da die Rede, von glasieren, anschwitzen, gratinieren, von Bouillons, Fonds und Liaisons, und des nachts begann ich bereits von der Zubereitung aufwändiger Mehrgängemenüs zu träumen.
Nach meiner gesundheitlichen Wiederherstellung trat ich in die Koch-AG unserer Schule ein. Mit Susanne und Lore bildete ich das Team „Koje Grün“ und lernte zusammen mit drei weiteren Teams bzw. Kojen (außer mir alles Mädchen) kochen. Frau Liebe brachte uns bei, wie man Weinschaumtunke (mit 7 EL Weißwein, wir nahmen heimlich 20), falschen Hasen oder Spaghetti mit Hackfleischsauce zubereitet. Kurze Zeit später wurde ich Vegetarier.
Die Köche des Alfelder Krankenhauses, in dem ich einige Jahre danach meinen Zivildienst ableistete, trieben mir diese Ernährungsweise mit ihrer Fantasielosigkeit ziemlich nachhaltig wieder aus – nach ihrer Vorstellung bestand eine vegetarische Mahlzeit nämlich aus gewürz- und lieblos aufgewärmtem Dosengemüse (es gab drei Sorten: Schwarzwurzeln, Möhren und Tomaten) mit Salzkartoffeln. Diese Mangeldiät hielt ich nur knapp drei Monate durch und so wurde ich, frei nach dem Motto „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“, wieder Omnivor.
Bis heute hege ich allerdings eine tiefe Abneigung gegen Zwieback und Kamillentee, und Bananen esse ich nur in Notfällen. Meine Liebe zu Kochbüchern ist indessen ungebrochen, und nur selten verlasse ich eine Buchhandlung ohne ein neues Kochbuch unter dem Arm.
Italiens Provinzen und ihre Küche
Zu den Ausnahmen, aus denen ich die Rezepte gelegentlich auch nachkoche (die meisten sind für mich lediglich Bilderbücher), gehört Alice Vollenweiders „Italiens Provinzen und ihre Küche“, eins meiner liebsten Kochbücher, in dem die Autorin eine kulinarische Entdeckungsreise durch Italien unternimmt. Dabei geht es nicht um die Darstellung foodgestylter Gerichte in malerischem Ambiente, wie heutzutage in leider viel zu vielen Kochbüchern, sondern um eine genaue Beschreibung der ursprünglichen Rezepte der ländlichen Küche Italiens. Die schon beim Lesen allesamt so lecker sind, dass man am liebsten gleich zum Einkaufen auf einen Markt gehen würde …
Höchstwertung: 
Ähnliche Beiträge:
Pellkartoffel japanisch So, Frühling, ich wär jetzt so weit!
Kommentare:
Bei den Kommentaren handelt es sich um fremde Inhalte, die sich „esse est percipi“ nicht zueigen macht. Verantwortlich für den Inhalt eines Kommentars ist der jeweilige Verfasser.
Sehr schön erzählt!
Wirklich, wirklich schön; diese Geschichte werde ich in meinen Anekdotenschatz übernehmen und genüsslich am Kamin von mir geben. Da Sie, lieber Herr Preidel, nicht wissen, wo jener Kamin steht, können Sie auch keinen Abmahnbrief dahin schicken…
Irgendwann werde ich vielleicht ‘mal einen Anekdoten-Blog eröffnen, natürlich ausschließlich mit autoriserten Geschichten.
Gute Nacht
Kommentar schreiben:
FAQ (Häufig gestellte Fragen)
Kommentare:
- Michael Preidel zu Pasta dell’Orto
- Stefan zu Pasta dell’Orto
- Michael Preidel zu CookieCrumble Testflight jetzt auch für macOS
- Götz zu CookieCrumble Testflight jetzt auch für macOS
- Michael Preidel zu Harbor – Sicherer Hafen [Testflight]
- Henning zu Harbor – Sicherer Hafen [Testflight]
Schlagwörter


