Dienstag, 15. März 2005
Photoshop | 11:25
Photoshop-Tutorial: Eine realistische Papier-Abrisskante erzeugen
Photoshop ist das Programm, wenn es um Bildbearbeitung geht, egal ob auf dem Mac oder auf dem PC. Umso erstaunlicher ist es, dass es von den meisten Gestaltern nur für einfache Bildkorrekturen wie Kontraststeuerung, Unscharfmaskierung oder Retuschen eingesetzt wird.
Dieses Tutorial zeigt, wie man mit Radiergummi, Pinsel und einer speziellen Werkzeugspitze realistische Papier-Abrisskanten erzeugt.
Vorab: Bedauerlicherweise nennt Adobe die Werkzeugspitzen seit CS „Pinsel“, eine unglückliche Entscheidung, da erstens Verwechslungen mit dem Werkzeug Pinsel entstehen und zweitens dieser Terminus auch schlicht falsch ist, da z.B. das Airbrush-Werkzeug, der Stempel oder das Radiergummi natürlich keine Pinsel haben, sondern Werkzeugspitzen. Ich bleibe deshalb in diesem Tutorial bei „Werkzeugspitze“.
Da das nun geklärt ist, können wir gleich loslegen, indem wir uns bei Adobe Studio Exchange einen Satz dieser Werkzeugspitzen besorgen, die jubs’ Paper FX v1.0. Das Herunterladen erfordert eine kostenlose Registrierung – aber wer noch nicht registriert ist, sollte das ohnehin schnell nachholen, denn damit öffnet sich eine Schatzkästchen voller Tutorials, Plugins, Extensions, Actions usw.
Die jub’s Paper FX stehen in Photoshop zur Verfügung, nachdem man sie im Fenster „Pinsel“ über „Pinsel laden“ hinzugefügt hat. Wenn man die Ansicht im gleichen Fenster auf „Große Liste“ eingestellt hat, sieht man auch die Namen der Werkzeugspitzen, u.a. „jubs – Ripped 3“.

Diese Spitze benötigen wir für dieses Tutorial, müssen sie allerdings vorher noch drehen. Dazu erzeugt man ein neues Dokument mit folgenden Einstellungen:

Anschließend wird in der Werkzeugpalette der Pinsel und in der Pinselpalette die Werkzeugspitze „jubs – Ripped 3“ausgewählt und die Vordergrundfarbe auf schwarz gestellt. (Tipp: drückt man die Taste „D“, werden die Standardfarben für Vorder- und Hintergrund – schwarz bzw. weiß – eingestellt). Die Pinsel-Einstellungen sehen so aus:

Dann klickt man mit dem Pinsel einmal in das leere Dokument, dreht dieses um 90 Grad im Uhrzeigersinn (Bild -> Arbeitsfläche drehen) und erzeugt eine neue Werkzeugspitze (Bearbeiten -> Pinselvorgabe festlegen…) Diese neue Spitze nennen wir sinnigerweise „Risskante unten“:

Jetzt kommt der spaßige Teil: Man öffnet das Bild, das man bearbeiten möchte und doppelklickt in der Ebenenpalette den Ebenen-Namen „Hintergrund“, um aus der Hintergrund- eine schwebende Ebene zu machen. Den folgenden „Neue Ebene“-Dialog bestätigt man mit „OK“:

Dann wählt man das Radiergummi-Werkzeug (Tastaturkürzel: E) und als Werkzeugspitze „Risskante unten“. Ein einzelner Klick am unteren Rand des Bildes reicht:

Schon ganz gut, aber so richtig echt sieht das noch nicht aus, es fehlen die Stellen, wo nur die bedruckte oberste Papierschicht abgerissen ist.
Für den nächsten Schritt fixiert man zunächst in der Ebenen-Palette die transparenten Pixel mit Klick auf das kleine Quadrat mit dem Schachbrettmuster – das bedeutet, dass der transparente Bereich des Bildes vor dem Übermalen geschützt wird.
Danach wählt man das Pinsel-Werkzeug und auch hier wieder die Werkzeugspitze „Risskante unten“. Die Vordergrundfarbe stellt man auf weiß (Tipp: mit der Taste „X“ vertauscht man Vorder- und Hintergrundfarbe). Nun klickt man mit dem Pinsel (Um besser sehen zu können, was man macht, empfiehlt es sich, in der Ebenenpalette den Effekt „Schlagschatten“ einzustellen), etwas versetzt zu der Stelle, die man vorher ausradiert hat, in das Bild, ohne die Maus zu bewegen. Das wiederholt man ein paar Mal, bis man ein befriedigendes Ergebnis erzielt hat – fertig!

Was man mit Werkzeugspitzen noch so alles machen kann, zeigt das fertig bearbeitete Bild – der „Gebraucht-Look“ ist ausschließlich mit den Werkzeugen Pinsel und Radiergummi und diversen Werkzeugspitzen entstanden.

Happy Photoshopping!
Update:
Mit der aktuellen Photoshop-Version kann man die Werkzeugspitze viel einfacher drehen: In der Palette Pinsel erst auf Pinselform klicken, anschließend den gewünschten Winkel eingeben oder einstellen.
KreativitätstestDas wird doch wieder nichts!
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