Tampopos Nudelsuppe
Lange hatte ich es vor, vergangene Woche habe ich es endlich mal geschafft: Mit Freunden zusammen habe ich Tampopo, einen meiner Lieblingsfilme, angeschaut, während wir dabei eine japanische Nudelsuppe – selbstverständlich nach dem Rezept aus dem Film zubereitet – geschlürft haben. (Update: Ich hatte, um das Rezept so originalgetreu wie möglich zu transkribieren, nicht nur die Vor- und Rückspultasten des Videorekorders, sondern auch die VHS-Kassette ordentlich strapaziert. Mittlerweile gibt’s Tampopo ja gottseidank auch auf DVD).
Lassen Sie sich nicht von der langen Zutatenliste abschrecken, dieses Rezept ist relativ unaufwändig nachzukochen.
Zutaten für 6 Personen

- 1 kg dünne Rippe vom Schwein
- 1 Suppenhuhn
- 3 Stangen Lauch
- 1/2 Sellerieknolle
- 4 Möhren
- 2 EL Salz
- 1 EL Sesamöl
- 3 feingehackte Knoblauchzehen
- 3 zerbröselte getrocknete Chilischoten
- 4 EL Sojasauce
- 6 EL dunkle Misopaste
- 500 g getrocknete chinesische Eier-Nudeln; wenn Sie welche bekommen können, nehmen Sie stattdessen frische Ramen-Nudeln.
- 1 Bund Frühlingszwiebeln
- 1 Dose chinesische Bambussprossen
- ein geröstetes Noriblatt (Algen)
- 18 Scheiben Schweinebraten (drei pro Person)
- dunkles Sesamöl
Zubereitung
„Die Suppe ist das Leben in der Schale.“
Um Huhn und Schwein den starken Eigengeschmack zu nehmen, das Suppenhuhn und die Schweinerippchen für 1 Minute in kochendes Wasser geben, anschließend kalt abspülen.
Das Gemüse putzen, die Lauchstangen in der Länge halbieren, zusammen mit dem Fleisch in einen Topf mit vier Litern kaltem Wasser geben. Langsam zum Sieden bringen. Die Suppe sollte 4-5 Stunden ganz leise vor sich hin köcheln, sie darf auf keinen Fall brodeln. Anfangs mit einem Schaumlöffel den schmutzig-braunen Eiweißschaum abschöpfen. Nach der Kochzeit die Suppe durch ein Sieb geben und gegebenenfalls noch mal mit Salz abschmecken. Das Gemüse und die Schweinerippchen wirft man weg, das Hühnchenfleisch kann man z. B. für einen Salat verwenden.
Tipp: Wenn Sie von der Brühe einen Rest über behalten, reduzieren Sie ihn sehr stark und frieren ihn in einem Eiswürfelbehälter ein. So haben immer konzentrierte Brühe zur Hand.
Den Knoblauch und die Chilischoten im Sesamöl leicht anrösten. Die Sojasauce dazu geben, die Misopaste darin auflösen.
Die Nudeln nach Packungsvorschrift kochen. Die Schweinebratenscheiben zum Anwärmen kurz in die Suppe geben. Die Frühlingszwiebeln in schräge Röllchen schneiden, die Bambussprossen abgießen und abspülen, das Noriblatt in schmale Streifen schneiden.
„Meister, fängt man beim Essen mit der Suppe an, oder fängt man besser mit den Nudeln an?“ „Wir beginnen zunächst einmal damit, dass wir mit den Spitzen der Stäbchen die Oberfläche der Nudelsuppe berühren, als wollten wir sie zärtlich streicheln.“ „Wozu macht man das?“ „Das ist eine Liebeserklärung an die Nudelsuppe.“ (Dialog und Screenshot aus dem Film Tampopo)
Man gibt nun zuerst etwas von der Suppenwürze in eine Schale, gießt mit der Brühe auf, gibt Nudeln dazu und richtet die restlichen Zutaten, wie auf dem Bild zu sehen (von oben im Uhrzeigersinn: Nori, Unbekannt Narutomaki (Danke, Mark), Schweinebraten, Bambussprossen, in der Mitte Frühlingszwiebeln), auf der Suppe an. Darüber kommt noch ein kleiner Spritzer dunkles Sesamöl.
Gegessen wird natürlich mit Stäbchen, zwischendurch trinkt man einen Schluck Suppe direkt aus der Schale. Schlürfen ist, da ohnehin kaum zu vermeiden, ausdrücklich erlaubt. Dazu trinkt man Reiswein, den man sich allerdings nie selbst nachfüllt, sondern immer vom Nachbarn einschenken lässt.
Watashi wa nihongo o hanashimasen.
Update 30.04.2007
Mittlerweile haben Arte und die Zeitschrift toshiya um Erlaubnis gebeten, dieses Nudelsuppenrezept veröffentlichen zu dürfen, und sogar die Botschaft von Japan verweist in dem Artikel „Nudelsuppen – ein Leibgericht der Japaner“ auf das Rezept.
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Kommentare:
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Grad passend läuft bei mir in iTunes Tomoyasu Hotei´s Battle Without Honor of Humanity aus dem Kill Bill Vol. 1 Soundtrack.
Ich habe gerade eine echte Nudelsuppenenttäuschung hinter mir, danke für das Rezept, ich werde es mal selber versuchen.
Gutes neues Jahr
wünscht
Zucker
Ich wollte nur anmerken, dass das Unbekannte in dem Bild narutomaki genannt wird. Bin durch Zufall darauf gestossen. Es ist eine Spezialität aus Fischpastete kamaboko, die so zubereitet wurde, dass so ein Wirbel entsteht.
Hallo,
gibt es die Möglichkeit, den Film Tampopo auf DVD zu bekommen? Hast Du den? Ich suche den schon überall.
Vielleicht kannst Du mir helfen.
Danke und schöne Grüsse,
Lilly.
Ich habe Tampopo irgendwann in den 90ern auf VHS aufgenommen. Eine DVD mit deutschen Untertiteln oder mit einer synchronisierten Fassung scheint es leider nicht zu geben, ich suche selbst seit Jahren danach.
Hier noch ein paar Links zum Thema:
Trailer etc. auf Stage6
Bei dem Unbekannten handelt es sich umeine Scheibe Fischwurst. Diese ist leider recht schwer zu bekommen.
Den Film auf DVD ist seit mitte Juli erhältlich.
Ich hab ihn bei Amazon entdeckt und bestellt.
…kann gar nicht mehr sagen, wie ich hier gelandet bin, aber ich 'stöbere' hier jetzt schon eine ganze Weile mit Vergnügen und dann fällt mein Auge auf einmal auf Tampopo!! Ganz klar einer meiner alltime favorites. Schon merkwürdig, wie einem ein bislang ganz fremder 'Blogbesitzer' auf einmal fast als Buddy erscheint ;-) In meinem Kopf läuft gerade mein persönlicher Film, eine Art Zeitsprung zum Abend, als ich Tampopo völlig zufällig im TV erwischte und nicht mehr loskam von der Glotze. Nicht lachen, aber ich habe den Film mittlerweile gut ein Dutzend mal gesehen – und jedesmal sehe ich Neues. So ist das halt bei guten Filmen ;-)
Netten Gruß,
Gedankensplitter
Wahnsinn! Tampopo ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme und ich schaue mir den Film regelmässig an. Anschliessend habe ich immer Lust auf eine Suppe ;-)
Ich werde das Rezepte auf jeden Fall mal ausprobieren. Die letzte gute Nudelsuppe habe ich in der Autostadt in Wolfsburg genossen. Leider etwas weit weg von Kleve, wo es kein Suppenrestaurant gibt.
Schöne Grüße
Klaus
Jungejungejunge, das Tampopo-Originalrezept statt der ewigen Ramen aus der Tüte, dass ich das noch erleben darf… dafür hinterlasse ich natürlich ein japanophiles Gastgeschenk:
https://twixraider.wordpress.com/2011/04/23/geben-ist-seliger-den-beben/
In meiner Heimatstadt kam die Idee mit der viralen Charity für Japan gar nicht an, aber hier leben ja auch ewige Ikonoklasten, die Matschinsky-Denninghoff UND Markus Lüpertz lynchen wollten…
schön zu sehen, dass es noch andere leute gibt, die tampopo so lieben ^^.
die narutomaki kann man übrigens in düsseldorf bei dae-yang bekommen. auch online, allerdings werden die unterwegs auftauen.
Hier die Youtube-Playlist mit dem kompletten „Tampopo“-Film bei Youtube:
http://www.youtube.com/playlist?list=PL79EC2930E6A0C39B
Bei Watchever gibt es den Film in der Arthouse Sparte. Sogar an prominenter Stelle.
Tampopo, das ist einer der Filme die ich mitnehmen werde, sollten eines Tages auf der Erde Ausserirdische landen und mich bitten auf ihren Heimatplaneten mitzukommen ;-)
Ein genialer Film, den ich jedes Mal unterbrechen muss um was zu Essen zu holen. Gerade gestern wieder, was dann auch dazu führt, dass ich in Wien das japanische Lokal Tampopo aufsuchen muss. Dort gibt es genau diese Suppe!
Allein für Tampopo würde sich das Watchever-Abo lohnen!
Einer meiner Lieblingsfilme und jetzt finde ich durch Zufall auch noch das Rezept dieser leckeren Suppe? Genial. Ich danke Dir herzlichst dafür.
Sobald ich am Dienstag zum einkaufen komme, werden die Zutaten besorgt und dann gehts los. Dazu schaue ich (ganz klar) TAMPOPO
Auf Netzkino.de oder mit der passenden App kann man den Film kostenlos anschauen, was ich gestern abend endlich getan habe, da ich schon lange neugierig auf ihn war.
oh, ein …nein… DAS nudelsuppenrezept aus einem meiner lieblingsfilme … wow, sehr gut gemacht! fehlt nur noch eine vegetarische variante! ;-D
inzwischen gibt's tampopo auch auf blu-ray!
der kommentar von carsten hat so richtig was! tja, wie habe ich den film bloss mal entdeckt … ich schätze über die empfehlung aus dem stern tv-magazin, da war's noch ganz in rot! oh, bin nungrad bei einer meiner lieblingsszenen, goro in der wanne mit hut! ja, dazu lecker sushi und ein tsing tao ( ja, passt nicht ganz) … perfekter filmabend!
ciaO
Auf clip fish kann man den Film kostenlos ansehen! !!
Danke für das Rezept und die unterhaltsamen Kommentare…aber noch eine Frage: was hat es mit den getrockneten Fischen in der Suppe auf sich? Die werden hier nirgends erwähnt, also ist das Rezept mit dem aus dem Film nur artverwandt aber nicht identisch. Schade…
HG
TRF
Vielen Dank für das Rezept und die Mühe!
Nach dem Film hatten wir solch einen Hunger drauf^^
LG
Guten Tag und ein frohes neues Jahr 2019!
Als langjähriger Küchenchef mit engen Verbindungen zur japanischen Küche und einigen Japanern im Freundeskreis komme ich um ein paar Bemerkungen zum Rezept nicht umhin:
• Ramen Nudeln, übersetzt ‘chinesische Nudeln’, erhalten ihre gelbe Farbe durch Alkalisalze, als fertige Mischung als ‘Kansui‘ oder ‘Lye Water‘ erhältlich. Der Teig besteht aus Weizenmehl, Kansui und so wenig Wasser wie möglich.
Die gelbe Farbe erinnert den Europäer an hiesige Eiernudeln. Chinesische Eiernudeln sind eher zum Braten da, aber nicht für Ramen.
• das sogenannte ‘Abschäumen‘, sprich überbrühen von Schwein und Huhn entspricht einer ‘urban legend‘, die in der Realität keinen praktischen Nutzen, außer zusätzlichem Arbeitsaufwand bringt.
Der Metzger des Vertrauens wird schief schauen, jedoch bringen Hals
oder Schulterknochen vom Schwein weitaus mehr Geschmack als die ‘Verlegenheitslösung‘ dünne Rippe.
• in Japan ist es in der klassischen Küche durchaus üblich die Gemüsezutaten einer Brühe unzerkleinert im Ganzen zu benutzen
• der Schweinebraten in ‘Tampopo‘ ist verwirrend, da in verschiedenen Szenen Rückenbraten und in anderen Nackenbraten verwendet wird. Dies kann man halten wie man möchte, der Rücken ist magerer und deshalb der Gefahr ausgesetzt trocken zu werden, wenn man nicht auf den Gar Punkt von maximal 60 Grad achtet. Der Braten wird zu gleichen Teilen mit Zucker und Salz für 24 Stunden gebeizt, dann abgetupft und bei hoher Temperatur in den Ofen geschoben bis er Farbe nimmt, dann auf niedriger Temperatur (
Hallo zusammen
Ich möchte niemand enttäuschen, aber wer schon Mal im fernen Osten war, egal jetzt ob Japan oder China, der sollte sich eines bewusst sein. Im Film und auf Bildern sieht das Essen wirklich super aus, aber der Geschmack ist meist absolut gewöhnungsbedürftig. Das, was hier beim Japaner oder Chinesen angeboten wird, würde für richtige Japaner oder Chinesen sehr fremd schmecken, weil die Speisen hier sozusagen geschmacklich europäisiert gekocht werden. Den meisten Europäern würde das Essen dort nicht schmecken. Ob es an den fremden Gewürzen oder sonstigen Zutaten liegt, kann ich nicht sagen, aber wer schon mal das Vergnügen hatte, einen Seestern auszukratzen, der wird den Nachgeschmack ziemlich lange im Rachen haben und nicht gerade vergnüglich. Wer schon mal Schildkrötensuppe gegessen hat, der hat ungefähr den Geschmack einer japanischen Nudelsuppe am Gaumen.
Wenn man den Unterschied beschreiben sollte, dann wäre es vielleicht am ehesten mit einem Haus- und einem Wildschwein zu vergleichen. Die schmecken ja auch total unterschiedlich und genauso ist es mit der fernöstlichen Küche. Wer glaubt, die Suppe schmeckt wie bei uns, wie eine ganz normale Bouillon, der wird nicht sehr glücklich sein. Erst recht wenn er mal mit „duftetem Tofu“ oder „Tausendjährigen Eiern“ in Berührung kam. Ist natürlich alles Geschmackssache und muss jeder für sich selbst rausfinden. Am Besten dort gebratene Nudeln mit Rind- oder Schweinefleisch bestellen. Das kommt unserem Geschmacksempfinden noch am nächsten.
Micha
Noch ein Nachtrag, den ich vorhin völlig vergaß. Im Sommer 2017 saßen meine Freunde und ich zusammen und unterhielten uns übers Essen. Dann kam das Gespräch auf Mozarella und natülich war die Meinung unisono, dass nur der Büffelmozarella der einzig wahre Mozarella sei. Sie hatten das wohl in einer Kochsendung mit Jamie Oliver so gesehen und wie er sagte, das es der Ferrari unter den Mozarellas sei.
Einige Wochen darauf bereitete ich hinterm Haus ein richtig nettes Barbecue zu und wollte ihnen eine Freude machen und kaufte für nicht wenig Geld beim Italiener Büffelmozarella. Nun kann man beim Tomaten-Mozarellasalat ja nicht allzu viel falsch machen. Schön abwechselnd die Tomaten- und Mozarellascheiben stapeln, dazwischen immer einige Basilikumblätter und darüber etwas Olivenöl. Auf keinen Fall Essig! Der hat bei diesem Salat absolut nichts verloren. Auch kein Balsamico. Als es dann ans Essen ging, aßen die Meisten zu meiner Überraschung nur das Fleisch. Als ich fragte, warum kaum einer den Salat anrührte, hieß es, der hätte ja einen Nachgeschmack. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass es allen klar sei, das Käse aus Büffelmilch eben nach etwas schmeckt, anders als der Geschmacksneutrale Mozarella aus Kuhmilch. Aber zuvor groß getönt, von wegen Ferrari unter den Mozarellas. Ein Büffel ist eben nicht domestiziert und die Milch schmeckt demnach auch nicht wie die einer Kuh, sondern eher wild. Ich weiß es zwar nicht aus persönlicher Erfahrung, aber beim Fleisch wird es sicherlich genauso sein.
Nachdem ich im Dezember 2012 mehrere Liter der vorzüglichen Suppenbasis nach diesem Rezept gekocht und portioniert eingeweckt habe, werde ich heute mein letztes Glas verbrauchen.
Nach so vielen Jahren habe ich wieder Tampopo in Amazon Prime gesehen. Der Film ist noch so lustig wie damals, und in den nächsten Tagen möchte ich Ihr Rezept nachkochen – vielen Dank!
Georg
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