Rinder sind virtuelle Umweltschweine (Teil 1: Wasserverbrauch)
Auf Steh-Partys kommt beim Smalltalk irgendwann unweigerlich auch die Rede aufs Essen und/oder Kochen, spätestens wenn die Kanapees gereicht werden. Wenn ich dann wagemutig erzähle, dass ich seit einem Jahr aus verschiedenen Gründen (1 | 2) darauf verzichte, Rindfleisch in jeglicher Form in meinen Einkaufskorb zu legen, ernte ich zumeist Blicke aus dem Empathiebereich zwischen mitleidsvoll über verständnislos bis zum unverhohlenen „der hat se nicht mehr alle“.
Schade eigentlich, denn es handelt sich bei meinen Gegenübern ja in der Regel um intelligente Menschen, die sicherlich durchaus so etwas wie ein ökologisches Bewusstsein haben. Sie trennen säuberlich ihren Müll, fahren im Sommer ab und zu mal Fahrrad – und sei es auch nur in den Biergarten –, finden das mit dem Klima sehr bedenklich und das mit BP im Golf von Mexiko eine Schweinerei. Aber dabei bleibt es dann meistens auch.
Ich will ganz sicher niemandem den Verzehr von Rindfleisch verbieten (wenn ich irgendwo eingeladen bin, esse ich es auch), aber ich finde, es ist höchste Zeit, seine eigene, ganz persönliche Rolle im Klimawandel zu begreifen.
Natürlich ist es bedauerlich, dass auf politischer Ebene, Stichwort Klima-Gipfel, nichts passiert. Aber können wir heutzutage noch ernsthaft glauben, die Politik wird’s schon irgendwie, irgendwo und irgendwann richten und wir selber könnten uns da ruhigen Gewissens völlig raushalten?
Nein.
Ich denke, wir alle sind aufgefordert, etwas zum Klimaschutz und zur global gerechten Ressourcenverteilung beizutragen. Und einer meiner Beiträge ist eben, dass ich kein Rindfleisch mehr kaufe.
Ich sage Ihnen auch, warum:
Insgesamt verbraucht ein Bundesbürger bei einem Fleischkonsum von 85,8 kg pro Jahr 537.470 Liter virtuelles Wasser.
Und wie man in der Grafik sieht, hat Rindfleisch die mit Abstand schlechteste Wasserbilanz: Für die Erzeugung eines einzigen Kilogramms Rindfleisch werden 16.000 Liter Wasser verbraucht! Oder, wie bereits an anderer Stelle erwähnt: Ein Rind ergibt nach dem Schlachten 200kg Fleisch, das in die Metzgertheke gelangt. Für die Aufzucht eines einzigen Rinds wurde also sage und schreibe die 1,13-fache Menge an Wasser verbraucht, die in ein 50m-Schwimmbecken passt.
Süßwasser ist ein knappes Gut auf diesem Planeten, und schon seit den 1990er Jahren sind viele Wissenschaftler davon überzeugt, dass zukünftige Kriege nicht mehr um Öl, sondern um Wasser geführt werden.
Dabei muss man noch nicht mal weniger Fleisch essen, um weniger Wasser zu verbrauchen:
Halbiert man den Rindfleischverzehr bei gleichbleibendem Fleischkonsum – mit anderen Worten: Isst man nur jedes zweite Mal statt Rindfleisch abwechselnd Schweinefleisch oder Geflügel, spart man schon die unglaubliche Menge von 19% virtuellem Wasser. Verzichtet man komplett auf Rindfleisch, spart man 27%.
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Kommentare:
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Bei mir schleicht sich das Gefühl ein, die Rinder kommen unverdient schlecht weg. Erst das CO2 und das Klima und nun das virtuelle Wasser. Wikipedia sagt übrigens, mit reingerechnet ist auch der Regen, der auf die Weidefläche fällt.
Zum anderen halte ich es auch für wichtiger, ob man maßvoll (Rind-)Fleisch isst – z.B. einmal pro Woche; oder täglich. Ich halte es so, dass ich selten Fleisch esse und dann nach Möglichkeit Bio-Fleisch, denn die industrielle Tierproduktion finde ich wirklich widerlich. Und Biofleisch kann ich mir nicht jeden Tag leisten.
Gruß – Matthias
Wie werden bei dieser Statistik eigentlich die Milchkühe bewertet? Soweit ich weiß, landen in Deutschland in erster Linie die männlichen Rinder in der Fleischtheke, wärend die weiblichen Rinder Milchkühe werden. Die letzteren leben natürich länger – viel länger. Und brauchen dabei ordentlich Wasser. Ergo wäre es sehr viel besser, auf Käse zu verzichten als aufs Fleisch. Ich glaube nämlich:
– dass der enorm viel höhere Wasserverbrauch von Rindfleisch auf den Milchkühen beruht, die nicht aus der Statistik rausgerechnet werden, und
– dass bei der Produktion von Käse noch erheblich mehr Wasser verbraucht wird.
Ups. Das Durchstreichen war jetzt keine Absicht ..
Behoben. Ist Teil einer automatischen Formatierung gewesen. ””Michael
Ach ja, in Deutschland sind m. W. Schlachtrinder nicht auf der Weide (habe ich zumindest noch nie gesehen), das sind ausschließlich Milchkühe. Wegen der Agressivität der männlichen Rinder. Also wenn die Weide tatsächlich reingerechnet wird, dann halte ich die Statistik für Unsinn. Es ist kaum anzunehmen, dass eine Tierart einfach so das Dreifache an Wasser verbraucht wie die anderen, während die anderen Tierarten eng nebeneinander liegen. Das deutet eher auf eine unsaubere Statistik hin. Mag sein, dass das bei argentinischen Rindern anders ist, aber das wiederum hat jeder in der Hand. Sollte man eh nicht kaufen, da dort Hormone eingesetzt werden.
So lange das Rind aus deutschen Landen (oder vergleichbaren Bedingungen) kommt sehe ich nicht, wo das Problem sein soll. Wasser ist nämlich eine sehr ungleichmäßig verteilte Ressource, und nur weil es Landstriche auf dieser Erde gibt, die um Wasser Krieg führen (werden) heißt das noch lange nicht, dass das überall so ist. Gerade bei uns ist Wasser eben keine knappes Gut, des Weiteren wird es auch nicht „verbraucht“ sondern lediglich „gebraucht“ – es verschwindet danach ja nicht auf nimmer wiedersehen im Weltall, sondern bleibt im Kreislauf.
Unterm Strich empfinde ich sowohl die Statistik als auch die Reaktion, kein Rind mehr zu kaufen, als Unsinn.
Das Dilemma ist hier doch, wie so oft, dass die Problematik sehr komplex ist ”” so komplex, dass man als einzelner gar nicht die Möglichkeit hat, alles darüber zu wissen, alle Kausalitäten zu durchschauen, die ganze Wahrheit zu kennen, das alles gewissenhaft zu bewerten und schließlich eine umfassende Lösung zu finden, die jedem Aspekt des Problems gerecht wird.
Natürlich gibt es so eine Lösung auch nicht. Eine Möglichkeit damit umzugehen, ist aber, wie Michael zu überlegen: Was kann ich denn ganz persönlich tun, um zumindest nicht mehr Teil des Problems zu sein, wenn ich das Problem selbst nicht lösen kann?
Die Antwort oder Konsequenz kann nur eine sein, die einfach und leicht umzusetzen ist, die umgekehrt natürlich nicht die Komplexität des zugrundeliegenden Problems widerspiegelt. Alles andere wäre ein Kampf gegen Windmühlen.
Würde Michael auf der Stehparty behaupten, er habe das Problem zu hundert Prozent durchschaut und die ultimative Lösung für die Umwelt, das Universum und alles gefunden, und diese Lösung sei nicht 42, sondern der Verzicht auf Rindfleisch, wären die mitleidigen Blicke vielleicht berechtigt. Aber dafür, dass er sich persönlich verantwortlich fühlt, möglichst nicht mehr zu Verschlimmerung des Problems beizutragen und nicht nur darüber redet, wie schlimm es ist, sondern auch handelt, gebührt ihm Respekt und nicht pessimistisches Genörgel.
Sicher, das sind alles sehr komplexe Angelegenheiten. Nur sehe ich nicht, wo das Problem liegen soll, wenn eine Kuh halt Wasser braucht.
Nochmal: Bei uns herrscht kein Wassermangel, ein solcher ist auch nicht abzusehen, es spricht also im Grunde nichts dagegen, die Rinder zweimal täglich zu baden und zur Sehkuh zu machen.
houz, dass Wasserknappheit regional unterschiedlich ist, sehe ich genauso. Wenn es dir möglich ist, ausschließlich Rindfleisch aus Deutschland zu essen, von Rindern die heimisches Futter und nicht Mais aus Übersee gefuttert haben, ist das sicherlich auch eine Möglichkeit, einen Beitrag dazu leisten, dass die Wasserknappheit in anderen Ländern nicht noch verschärft wird. Die Frage für viele dürfte nur sein, ob es ihnen z.B. preislich überhaupt möglich ist, ausschließlich Rindfleisch zu den o.g. Bedingungen zu konsumieren. Wenn ein Kilo Filet aus Argentinien oder Brasilien teils für 20 bis 30 Euro verramscht wird, ein Bio-Filet aus Deutschland jedoch locker 50 Euro pro Kilo kostet, können oder wollen sich das viele sicherlich nicht so oft leisten. Wenn man dann trotzdem nicht Verzicht üben möchte, weil man sich das Bio-Fleisch nur ein mal im Monat leisten kann, ist doch der Vorschlag, auf weniger wasserintensive Fleischsorten auszuweichen, ein guter Kompromiss.
Übrigens haben wir in Deutschland nur deswegen keine Wasserknappheit, weil wir so effizient mit Wasser umgehen. Das kostet viel Geld und erfordert teure und hoch technisierte Infrastruktur. Dass Rindfleisch aus Südamerika so billig ist, liegt auch daran, dass das Wasser für die Fleischproduzent dort tatsächlich einfach verbraucht wird und dann teilweise den Menschen fehlt, die dort leben. Wenn irgendetwas unheimlich billig ist, zahlt meistens trotzdem irgendjemand einen hohen Preis dafür …
Zur Rindfleisch/Wasser Problematik habe ich mir noch keine fundierte Meinung gebildet (esse aber auch nur Fleisch vom „Bauern/Metzger um die Ecke“ – es hat Vorteile auf dem Land zu wohnen), zum Krieg um Wasser aber kann ich durchaus etwas beitragen. Die These, die nächsten Kriege würden ums Wasser geführt, ist nun schon relativ lang im Umlauf, erfreut sich in der Politik und vor allem den Medien aber deutlich größerer Popularität als in der Politikwissenschaft und Konfliktforschung. Tatsächlich läßt sich gerade in einigen wasserarmen Regionen – siehe Naher Osten – verblüffender Weise eben kein Zusammenhang zwischen Konflikt und Wasser herstellen. Im Fall des von Israel und seinen Nachbarn kontrollierten Wassers wäre eine Eskalation zu erwarten, allein: Sie stellt sich seit Jahrzehnten nicht ein (der Konflikt eskaliert dafür regelmäßig wegen anderer Gründe). Noch verblüffender: Zuweilen arrangieren sich Konfliktparteien trotz vieler anderer Probleme mit einer potentiell konfliktträchtigen Wasserknappheit; hier wirken die Verhandlungen über das knappe Wasser gar als eine Form der Konfliktregelung.
Dessen ungeachtet gibt es sicher weiterhin Forscher, die die These vertreten, sie bleiben aber einen Nachweis schuldig und sehen sich zunehmend in der Minderheit. Welchem „Camp“ man auch angehören mag, festzustellen bleibt doch, dass kommende Kriege keineswegs mit Sicherheit ums Wasser geführt werden.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich bin ein Freund des rücksichtsvollen Umgangs mit dieser wichtigen Resource, möchte nur davor warnen, die zukünftigen Kriege als wichtiges Argument zu nutzen – es ist – leider? glücklicherweise? – bei näherer Betrachtung zu schwach dafür.
Zum Thema Krieg um Wasser kann ich nicht so viel sagen, aber die Tatsache, dass nach UN-Schätzungen 1,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, birgt meines Erachtens schon sehr hohes Konfliktpotential
Dazu ist dieser Artikel vielleicht ganz interessant: „Argentinien bereitet sich auf Krieg ums Wasser vor“.
Bemerkenswert ist, dass das unterirdische Wasserreservoir, von dem dort die Rede ist, auch für die Bewässerung von Soja angezapft wird. Diese Soja (zu 95% übrigens genmanipulierte Soja) aus Argentinien, Brasilien und Paraguay landet als Kraftfutter in den Mägen der hiesigen Rinder.
Aber da hört es noch nicht auf: Der massenhafte Mono-Anbau von Soja funktioniert nicht ohne Pestizide. Die aber drohen das Grundwasser, das eigentlich ausreichend vorhanden ist, auf Dauer zu vergiften. Mehr zum Thema: „Aquifer Guarani – Südamerikas blauer Schatz“
@houz: Natürlich haben wir hierzulande keinen Wassermangel, aber rund die Hälfte des deutschen Wasserbedarfs wird über ausländische Produkte importiert. Und zum Teil eben auch aus Ländern, wo tatsächlich Wassermangel herrscht.
das Soja landet aber nicht nur in den Mägen der Rinder, sondern auch der Milchkühe – und sehr viel mehr davon. Und in denen der Schweine, Truthähne und so weiter. Wie gesagt, ich glaube einfach nicht, dass die Rinder die Bösewichte sind, ich glaube, dass die Milchwirtschaft die Statistik zuungunsten der Rinder verzerrt.
@houz:„Wenn die Kuh halt Wasser braucht“?Millionen Kühe würde es gar nicht geben,wenn wir kein Fleisch essen wollten,oder Milchprodukte!!!
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