Liebes Tagebuch (175) – „So ist die Welt“
Wir wollen einen Bus. Am liebsten einen VW T5. Also vorgestern mal die Mobile.de-Suchmaschine bemüht und auf Anhieb ein gutes Angebot gefunden. Einen Scheckheft-gepflegten T5 vom Autohandel Carsten Wendler mit 87.500 Kilometern. Angerufen und gefragt, ob er unseren Wagen in Zahlung nehmen würde. Ja, macht er. Gestern dann eine Stunde durch Berlin gegurkt, ans andere Ende der Stadt, nach Biesdorf. Den T5 angeschaut und eine Probefahrt gemacht. Wir sind begeistert. Der Bus scheint wie gemacht für unsere Bedürfnisse: langer Radstand, ideal zum Ausbauen als Reisemobil, vorne Drehsitze. Parallel dazu hat man sich unseren Wagen, den wir in Zahlung geben wollen, angeschaut. Wir handeln noch kurz und werden uns einig.
Da alles so schnell ging und wir die Finanzierungsfrage noch endgültig absichern müssen, fragen wir, ob es reicht, wenn wir am nächsten Morgen definitiv zusagen würden und ob sie uns den Wagen bis dahin reservieren. Kein Problem! Dann also bis morgen.
Auf der Rückfahrt ausgiebig Pläne geschmiedet, wie wir den Bus ausbauen. Zuhause Youtube-Videos nach „T5“ durchsucht. Bei Amazon zwei Bücher geordert. Nach einem Sonnensegel für die C-Schiene gegoogelt. Einen Film, den wir vom Bus gemacht haben, per E-Mail an Freunde verschickt. Konten gecheckt, ob wir uns den Wagen überhaupt leisten können.
Am nächsten Morgen, als bei uns endgültig alles geklärt ist und wir sogar kurzfristig noch einen Termin bei der Zulassungsstelle bekommen haben, beim Autohandel Carsten Wendler angerufen und freudestrahlend verkündet: „Wir nehmen den Wagen. Wann können wir ihn abholen?"
„Da hat sich was geändert. Ich habe noch einen anderen Interessenten, der sich per E-Mail gemeldet hat."
„Nanu, der Bus steht doch schon seit einem halben Jahr bei Ihnen, und jetzt über Nacht ein zweiter Interessent? Und was heißt das jetzt?"
„Bei dem neuen Interessenten muss ich keinen Wagen in Zahlung nehmen, und Ihr Wagen ist eine Schrottkiste."
(Die „Schrottkiste“ ist nebenbei bemerkt ein lückenlos Scheckheft-gepflegter Passat Variant 3C, die letzte Inspektion und Hauptuntersuchung wurden erst vor ein paar Monaten gemacht – aber egal.)
„Okay, und was ist, wenn wir den Bus kaufen, ohne dass Sie unseren Wagen in Zahlung nehmen?"
„Ja, nee, Sie kriegen den nicht. Ich verkaufe lieber an den anderen Interessenten, der ist nämlich Händler, und da habe ich keine Sachmängelhaftung."
„Wir waren uns doch gestern Abend absolut einig, und Sie wollten uns den Wagen reservieren – finden Sie das jetzt nicht ziemlich unseriös?"
„So ist die Welt. Und ich kann ja wohl selbst entscheiden, an wen ich verkaufe.“
Das stimmt. Schön ist so eine Welt allerdings nicht.
Aber nach dem ersten Ärger kann man ja angesichts der Tatsache, dass Herr Wendler den Bus offensichtlich lieber ohne Sachmängelhaftung verkauft, nur froh sein, dass es nicht geklappt hat. Wer weiß, was da alles auf uns zugekommen wäre.
Wir fahren jetzt jedenfalls erstmal unsere „Schrottkiste“ weiter und werden in Ruhe bei anderen, hoffentlich dann weniger moralbefreiten Händlern nach einem Bus suchen.
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Kommentare:
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Weia. Da kann man wirklich nur sagen: Glück gehabt. Sich mit so einem Menschen herumzustreiten wenn dann mal was ist, ist ärgerlich.
Viel Erfolg bei der Suche!
Ach schade, aber wer weiß wofür es gut ist. Vielleicht gibts was passendes bei uns im Ländle, ich kann ja mal gucken- dann habt ihr gleich einen Grund mich zu besuchen.. :)
Ja, schau doch mal. Ein T5 oder auch das Vorgängermodell T4.
Hallo Michael,
ist zwar ärgerlich, aber vielleicht war es gut so.
Ich habe gerade vor einem halben Jahr meinen T5 Multivan, Baujahr 2003, wegen Motorschadens, verkauft. Ich war der zweite Besitzer und die Laufleistung waren 199.000 km. Es war die große Maschine mit 2,5l TDI 175 KW.
Worauf ich hinaus will, ich würde Dir im Vorfeld empfehlen das T5 Forum aufzusuchen. (https://tx-board.de/) Den so schön der T5 auch ist, ab 100.000 km fangen die Sorgen an – und das schlägt sich vor allem finanziell nieder.
Schwungrad, Hydrostösel, gerissener Krümmer (Fehlkonstruktion), und so weiter … (Austauschmotor mit Einbau beispielsweise ca. 7.000€) …
Deshalb wird der Händler den Bus tatsächlich lieber an einen anderen Händler verkauft haben, da er so aus der Haftung raus ist. Die Händler kennen ja die Fahrzeuge. Wahrscheinlich geht der Bus direkt ins Ausland …
Als ich meinen T5 mit Motorschaden inserierte dauerte es keine 5 Sec und das Telefon stand nicht mehr still. Selbst aus Litauen riefen Interessenten an. Mein T5 ging wahrscheinlich nach Serbien. Von daher ist davon auszugehen, das es auf dem Gebrauchtmarkt auch „Reimporte“ gibt.
Ich hatte schon viele Bullis. Angefangen beim T2, T3 (Wassergekühlt) und den T5. Ich würde Dir zu einem älteren Modell raten, der T5 ist zwar komfortabel und auch als Diesel mit der großen Maschine bei moderater Fahrweise sparsam, allerdings sind die älteren Modelle einfach besser zu reparieren. Beim T5 kommt man nicht weit, zudem wenn am Motor was ist, muss komplett die Vorderachse raus. Da frisst schon alleine die reine Arbeitszeit viel Geld.
Und was bei den älteren Modellen besser ist, man kann besser liegen – beim Standard T5 gestaltet sich das im warsten Sinne des Wortes bretthart. Und man benötigt zwingend das Multiflexboard (kann man selbst bauen) u.s.w.
Ich will Dir das nicht madig machen …
Liebe Grüße,
Marc
Hallo Marc, vielen Dank für deine Tipps. Ich habe jetzt schon von zwei anderen Bulli-Experten gehört, man solle sich gebraucht lieber einen T4 kaufen. Ein Schrauber meinte sogar, er persönlich kenne keinen einzigen T4, der nicht mindestens 400.000 km gelaufen ist.
Mittlerweile habe ich auch ein paar interessante gefunden, allerdings sind die Preise (zur Zeit?) ziemlich unrealistisch. Einer wollte für eine nicht ausgebaute Caravelle von 2002 noch sage und schreibe 15.000 Euro haben. Wir warten jetzt mal den Herbst ab, da sollten die Preise etwas fallen. Aber so wie es aussieht, wird es wohl auf jeden Fall ein T4 werden.
Hallo Michael,
keine Ursache, teile gerne Tipps. Der T4 ist auf alle Fälle mehr zu empfehlen, er ist wesentlich leichter und das mit den Laufleistungen habe ich auch schon gehört.
Generell ist festzustellen, dass die Preise bei allen Bullis derzeit sehr unrealistisch sind. Ich wünsche Dir auf alle Fälle gutes Gelingen!
Grüße,
Marc
So viel gilt also ein Wort, ein Handschlag bei einem Händler – krass. Das der Mann noch in den Spiegel schauen kann … Ich wollte mal einen Transporter mieten, für einen Umzug. Rief bei dem Autohaus an, bei dem ich ein halbes Jahr zuvor schon einen gemietet hatte (war zufrieden, günstig, nah, prima). Reservierte den Wagen und sagte, müsse noch klären, ob ich alle Leute zusammentrommel kann. Nach viele Stunden Telefon und e-Post, wusste ich, dass ich den Umzug mit den Leuten wuppen kann. Anruf beim Autohaus … “… tut mir leid, der Wagen ist vergeben“. „Was, warum, der war doch reserviert!“ „Das hat nichts zu sagen“. Habe dann für eine wesentlich höheren Preis einen größeren Wagen gemietet … es hat alles gekappt. Aber das Autohaus Haupt (Opelhändler in Grünberg/Hessen) http://www.autohaus-haupt.com/de/startseite.html Würde ich nie wieder betreten. Wirklich schade, dass ein Wort absolut nichts mehr zählt.
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