T-Online, Adidas und Gumball 3000
Das illegale Millionärs-Autorennen Gumball 3000 hat vor ein paar Tagen in Mazedonien zwei Todesopfer gefordert, einen unbeteiligten Rentner und seine Frau, weil die britischen Gumball-Teilnehmer Nick Morley und Matt McConville nach Augenzeugenberichten zufolge mit 200 km/h auf der falschen Straßenseite unterwegs gewesen sein sollen. Anschließend begingen die beiden Briten Fahrerflucht, ohne sich auch nur eine Sekunde um die Unfallopfer gekümmert zu haben. Sie versuchten mit Hilfe anderer Gumball-Teilnehmer das Land zu verlassen, wurden aber an der Grenze zu Albanien festgenommen.
In einer ersten Pressemitteilung erklärten die Gumball-Veranstalter, der mazedonische Rentner sei an einem Herzanfall verstorben, was angesichts der Unfallszenerie mehr als zynisch anmutet. Erst in einer zweiten Pressemitteilung wurde die Gumball dann für beendet erklärt.
Der Fahrer Nick Morley wurde zunächst gegen Kaution wieder frei gelassen, nachdem er aber bei einem zweiten Fluchtversuch erwischt wurde, bei dem er per Mobiltelefon einen Privatjet aus England geordert hatte, der ihn außer Landes schaffen sollte, wurde er am Flughafen in Skopje ein zweites Mal verhaftet.
Die Reaktion der Sponsoren nach dem tödlichen Unfall
Während Adidas, einer der Sponsoren des Gumball 3000, mittlerweile erklärt hat:
Nachdem wir mit Bestürzung und grossem Bedauern von dem tragischen Todesfall erfahren hatten, haben wir uns sofort dazu entschlossen, uns vollständig, unverzüglich und für alle Zeit von der Rallye zurückzuziehen
und versucht, sämtliche Spuren zum Gumball 3000 zu verwischen (was naturgemäß nicht gänzlich gelingen kann: 1 | 2 | 3 etc.), hat sich T-Online, deren Sponsorenlogo ebenfalls auf dem Unfall-Porsche der beiden Briten prangte, bisher offenbar noch nicht geäußert.
Im Übrigen scheint man ohnehin nicht sonderlich besorgt über schlechte Publicity zu sein: Auf der englischen What’s New-Seite von T-Online wird bis heute, fünf Tage nach dem tragischen Unfall, das „Gumball 3000 – Win A Lotus Sports Car“-Gewinnspiel angeboten, und die Gummball 3000 Wallpapers, Klingeltöne und Videos fürs Handy kann man dort – gegen Bezahlung, versteht sich – auch immer noch herunterladen – unter anderem auch einen Crashed Lamborgini.
Unfassbar.
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Kommentare:
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die typen werden (leider) trotzdem gegen geld davonkommen (egal wie oft sie verhaftet wurden)...
Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommen die davon. Stimmt. Wer Geld hat muss nicht einsitzen. Das geht schon so. Ein Toter? Zwei? Waren doch alte Leute. Egal. Bestimmt nicht Zielgruppe der Firma mit den drei Streifen…
Ansonsten: Ich sage doch immer wieder: Es gibt zwei heilige Kühe, die nie angerührt werden dürfen. Das ist einmal der Urlaub und dann das Auto. (In Amerika noch die Kirche…)
Im Übrigen scheint man ohnehin nicht sonderlich besorgt über schlechte Publicity zu sein: Auf der englischen What’s New-Seite von T-Online wird bis heute, fünf Tage nach dem tragischen Unfall, das „Gumball 3000 – Win A Lotus Sports Car“-Gewinnspiel angeboten, und die Gummball 3000 Wallpapers, Klingeltöne und Videos fürs Handy kann man dort – gegen Bezahlung, versteht sich – auch immer noch herunterladen – unter anderem auch einen Crashed Lamborgini.
Die haben aber auch nich mehr alle Stram sitzen, oder?
Ich habe damit angefangen in meiner Umgebung die Kreuze an den Straßenrändern zu fotografiern. Auch wenn keine Porsches auf der linken Straßenseite fahren, der alltägliche Wahnsinn ist schlimm genug siehe: alltägliche Kollateralschäden in Friedenszeiten
ciao
dirk
Der Telegraph ist in Sachen Todesursache eindeutiger als die Organisatoren: „Mr Chepunjoski died on the way to hospital from severe head injuries, while his wife died on Friday night in Skopje.“
Was ich nicht verstehe ist, wie die Sponsoren diese Raserei überhaupt unterstützen konnten – die Gumball ist schließlich schon seit Jahren dafür bekannt, nur sehr halblegal zu funktionieren.
meinem vorredner rrho ist kaum mehr etwas hinzuzufügen – dass das ganze dermaßen bekloppt und es insgesamt sowieso ein wunder ist, dass bislang kaum mehr passiert, ließ sich schon durch die unzähligen medienberichte aus den vorjahren erkennen. ist mir vollkommen unverständlich, dass da sogar nicht-vollspacken wie jay kay und co mitfahren und unternehmen wie t-online geld reinstecken. da läuft doch irgendwo was verdammt schief.
Ich habe adidas in ihr Kommentarformular geschrieben, dass ich wegen dieser Aktion erstmal kein Zeug von denen kaufen werde. Als Antwort kam erst eine Abwesenheitsnotiz des wohl zuständigen Mitarbeiters und nun eine Mail folgenden Inhalts
> Sehr geehrte Damen und Herren,
>
> vielen Dank für Ihre Anmerkungen.
>
> Bitte entnehmen Sie alles Weitere den beigefügten Stellungnahmen von adidas Originals und Gumball3000.
>
> Wir hoffen, dass Ihre Fragen beantwortet werden.
>
> Mit freundlichen Grüßen
>
adidas Originals
(Die spitzen Klammern waren schon so drin in der Mail)
mit 4 angehängten Word-Dokumenten. Davon waren zwei irgendwelche .docs, die Internet Shortcuts enthalten (kenne ich nicht, muss ein Windows-eigenes Link-Format sein), eins war die knappe Erklärung „adidas hat mit Bestürzung und großem Bedauern von dem tragischen Zwischenfall …“ und eins war eine offizielle Erklärung von Maximillion Cooper, dem „Founder & CEO“ der „The Gumball 3000 Group“.
Es ist schon beschämend, mit wieviel Egosmus die Rallye-Teilnehmer ihr „Hobby“ illegal betreiben und dabei offensichtlich über Leichen gehen. Kollateralschäden halt. Leute, deren geistiger Tiefgang sich in 4cm Gaspedalbewegung erschöpft und die ihre Lebenserfüllung in „Party machen“ sehen. Ich wünsche allen Teilnehmern eine erfolgreiche Harz IV-Karriere, falls die Bußgelder und Schadensersatzforderungen endlich mal hoch genug sein werden, dass es wirklich weh tut.
Und das Schlimmste obendrein: in „DSF“ werden diese Typen, deren soziales Verantwortungsgefühl dem eines Hundehaufens gleicht, auch noch tagtäglich hoffiert als schrille Helden einer „ich bin doch nicht blöd“-Bewegung. Ich überlege ernsthaft, ob man den DSF-Sender nicht massiv mit Strafanzeigen überziehen sollte wegen Förderung einer kriminellen Vereinigung.
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