Joy Denalane im Nikolaisaal
Bands, die ihre Tour in Potsdam beginnen, haben ab und zu die wunderbare Chance, ihr Auftaktkonzert zusammen mit dem Filmorchester Babelsberg zu bestreiten. Bei Soulounge war das so (siehe auch Symphonic Soulounge, übrigens eins der schönsten Konzerte der letzten Jahre. Als Astrid North „Sometimes it Snows in April“ von Prince gesungen hat und dabei weinen musste, haben geschätzte 75% des Publikums mitgeweint, inklusive mir), und bei Joy Denalane war das am heutigen Abend auch so.
Joy Denalane im Nikolaisaal. Wie man sieht, kommen Schlaghosen wieder total aus der Mode. Diese Chance, die Soulounge damals zu einer Meilensteinperformance genutzt hat, hat Joy Denalane allerdings – leider! – gründlich vertan.
Warum denn?
Punkt eins: Der Mann am Mischer. Der machte einen gehörigen Praktikanteneindruck. Der Sound war nämlich ein einziger wabernder Brei. Vom Bass hat man nur viel zu lautes dumpfes Wummern gehört; selbst, wenn man dem Bassisten hilfsweise mal auf die Greifhand geschaut hat, konnte man keine zwei Töne voneinander unterscheiden. Das Schlagzeug war ebenfalls viel zu laut, und ich meine: sehr viel zu laut. Das Resultat war, dass man vom Keyboarder gar nichts, vom Gitarristen nur ab und zu, und vom Orchester lediglich in den seltenen glücklichen Momenten, in denen der Schlagzeuger nur auf den Becken gespielt hat, etwas hören konnte. Selbst der Gesang Denalanes und ihres 2-Frauen-Backgroundchors war meist schlecht zu hören, vom Verstehen gar nicht zu reden.
Übercool
Punkt zwei: Joy Denalanes Übercoolness. Von der wunderbar warmen Persönlichkeit, die ich beim Konzert Denalanes im März 2004 erleben durfte, als sie ihren Gitarristen herzte, weil der beim gemeinsamen Abschlusssong mit Till Brönners Band nicht so gut spielte wie der Gitarrist Brönners, als sie die Hebamme ihres Sohnes in den ersten Reihen entdeckte und begeistert begrüßte, ist nichts, aber auch gar nichts mehr übrig geblieben. Heute möchte sie lieber eine internationalcoole Souldiva sein. Wozu nicht nur ich, sondern auch meine zwei Begleiterinnen meinten: Diva ja, Soul nein.
Souldarsteller
Womit wir zu Punkt drei kommen: die Musik. Meiner Meinung nach war die uninspiriert. Das war kein Soul, wie angekündigt (und erwartet), es hörte sich eher wie ein frappanter Versuch an, nach Soul zu klingen, ohne dass man selbst aber je in Versuchung gekommen wäre, den Takt mit der Hand auf dem Knie oder mit dem Fuß mitzuklopfen. Wobei ich fairerweise erwähnen muss, dass ein großer Teil des Publikums schon irgendwie mitgegangen ist, nachdem es von Joy Denalane aufgefordert wurde, doch mal irgendwie mitzugehen.
Fazit
Tatsächlich bin ich ziemlich leicht zu unterhalten. Ich kann mich nur an einen einzigen Film erinnern, bei dem ich vorzeitig das Kino verlassen habe: Piraten. Bei Ghostbusters II und bei Mary Shelley’s Frankenstein bin ich eingeschlafen. Aber heute habe ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Konzert schon in der Pause verlassen, meine beiden Begleiterinnen übrigens auch. Und zwar aus freien Stücken.
Was ich umso bedauerlicher finde, da ich Joy Denalanes erstes Album „Mamani“ nach wie vor für eine der besten deutschsprachigen Jazz-Soul Produktionen halte. Bleibt zu hoffen, dass Joy Denalane möglichst bald zu ihren Ursprüngen (und am besten auch gleich zu den alten Komponisten/Produzenten) zurückfindet.
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