Photoshop Tutorial: Schärfentiefe, Tiefenschärfe
Wenn Ihnen mal richtig langweilig ist, berichtigen Sie einfach einen von Schärfentiefe sprechenden Menschen dahingehend, dass es korrekt Tiefenschärfe heißen müsse; spricht er von Tiefenschärfe, behaupten Sie das Gegenteil – eine anregende Diskussion ist Ihnen gewiss. Obgleich beide Ausdrücke exakt das gleiche beschreiben, nämlich den Entfernungsbereich, in dem Objekte durch ein Objektiv noch scharf erscheinen, gibt es seit Jahrzehnten gleichsam erbitterte wie abendfüllende Auseinandersetzungen über den einzig richtigen Terminus – bisher allerdings ohne eindeutiges Ergebnis. Ich tendiere zu Schärfentiefe, obwohl Google Schärfentiefe 46.000 mal findet, Tiefenschärfe hingegen 77.700 mal.

In diesem brandneuen Tutorial zeige ich, wie man mit Alphakanälen bzw. Masken und dem Photoshop CS Filter Verwackeln die Schärfentiefe in einem Bild beeinflussen kann und warum man dafür nicht den Gaußschen Weichzeichner nehmen sollte.
Verwackeln?
Vorab: Warum Adobe im deutschsprachigen Raum den Filter Verwackeln genannt hat, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben. In Wahrheit handelt es sich nämlich um einen Weichzeichnungsfilter, dessen Ergebnisse im Gegensatz zum Gaußschen Weichzeichner tatsächlich einem unscharf eingestellten Objektiv entsprechen. Folgerichtig heißt der Filter in der englischen Version auch Lens Blur.
Los geht’s
Hier ist unser Ausgangsbild (ein Filmprojektor in einem Vorführraum), dem wir in zwei Versionen durch gezielte und abgestufte Weichzeichnung mehr räumliche Tiefe verleihen wollen:

Als erstes wählen wir mit dem Lasso den Projektor aus. Während die Auswahl noch aktiv ist, legen wir in der Kanäle-Palette einen neuen Alphakanal an, der automatisch den Namen Alpha 1 erhält und der mit Schwarz gefüllt ist. In diesem neuen Kanal wird mit dem Verlaufswerkzeug innerhalb der Auswahl ein Verlauf von ungefähr 50% Schwarz zu 100% Schwarz erstellt, der Kanal sieht danach so aus:

Das ist unsere Maske für die erste Version. Dann erstellen wir, wiederum ohne die immer noch aktive Auswahl des Projektors zu deselektieren, einen weiteren Alphakanal, Alpha 2 genannt, kehren die Auswahl um (Auswahl > Auswahl umkehren) und füllen sie anschließend mit Weiß. Unsere Kanälepalette zeigt jetzt diese sechs Kanäle:

Jetzt wählen wir ganz oben in der Palette den RGB-Kanal aus und öffnen den Filter Weichzeichnungsfilter > Verwackeln:

Mit obigen Einstellungen erhalten wir, wenn als Quelle der Kanal Alpha 1 ausgewählt ist, die erste Version mit mehr räumlicher Tiefe – der Projektor ist vorne unscharf und wird nach hinten immer schärfer:
(Mit der Maus in die Bilder gehen, um Vorher/Nachher zu vergleichen, klicken, um die Maske (den Alphakanal) anzuzeigen)

Version 1, Filter: Verwackeln, Maske: Alpha 1
Wählen wir im Verwackeln-Filter den Kanal Alpha 2 als Quelle aus, erhalten wir die zweite Version – der Projektor sieht aus wie bei Version 1, die hintere Wand ist hier aber, weil nicht maskiert, ebenfalls unscharf:

Version 2, Filter: Verwackeln, Maske: Alpha 2
Daraus folgt, dass reinweiße Flächen in einer Maske (also in einem Alphakanal) einen Filter ungehindert auf das darunter liegende Bild wirken lassen, während schwarze Flächen ihn komplett blockieren – Grautöne schwächen die Wirkung entsprechend ihrem Grauwert ab.
Und wenn Sie jetzt noch wissen wollen, warum das ganze mit dem Gaußschen Weichzeichner lange nicht so gut aussieht, schauen Sie hier:
(mit der Maus ins Bild gehen, um die Filter Gaußscher Weichzeicher/Verwackeln zu vergleichen, klicken fürs Originalbild)

Version 3, Filter: Gaußscher Weichzeichner, Maske: Alpha 2
Nicht nur, dass der Gaußsche Weichzeichner die Maske nicht richtig interpretiert, es erscheint auch eine dunkle Korona um den Projektor und die Lichter wirken diffus und überstrahlen nicht – insgesamt sieht das Bild eher wie ein David Hamilton Foto aus den 1970ern mit einem Seidenstrumpf vor dem Objektiv aus.
Für eine Weichzeichnung, die wie fotografische Unschärfe aussehen soll, ist der (unsäglicherweise) so genannte Verwackeln-Filter also die eindeutig bessere Wahl.
Happy Photoshopping!
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Kommentare:
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Das ist für mich immer wie das Ei des Columbus. Ganz einfach, wenn man weiß wie es geht.
nunja, im grunde stimmt das alles. nur: der verwackeln-filter braucht einfach so eeeeewig – auch auf meinem G5 dual 2,5 GHz. :) und das mit der dunklen Korona: ich erledige dieses problem (das auch beim verwackeln-filter auftaucht, wenn auch nicht so heftig) immer im nachhinein durch „stempeln“ in den betroffenen teilbereichen. :)
trotzdem: danke für die tipps… mach weiter so!
Hallo Michel,
wie schön, dass Du gerade dieses Bild für Deine Übungen ausgewählt hast!
Für alle anderen: Das ist das wunderbare Embiente eines alten Vorführraums in der Medienstadt Babelsberg mit einem Projektor, der nicht weniger als 70 (in Worten: Siebzig!) Jahre auf dem Buckel hat – und läuft und läuft und läuft…
Alte Ernemann-Technik mit Lichtbogenlampe!
Natürlich hat die Medienstadt auch State-Of-The-Art-Vorführräume…
Ganz klar, es heißt Tiefenschärfe. Sag’ ich schon immer ;)
Bei mir (Photoshop 7.0) gibt es den Eintrag _Filter > Weichzeichnungsfilter > Verwackeln… _ leider nicht. Ist der in dieser Version woanders?
Christian, diesen Filter gibt es leider erst ab Version 8.0 bzw. Photoshop CS.
Also ganz einfach: Es geht darum bis zu welcher „Tiefe“ Objekte scharf abgebildet werden, folgerichtig heißt der Begriff auch Schärfentiefe. Bei Tiefenschärfe würde es ja darum gehen die Schärfe als tief, oder im Gegensatz dazu als hoch zu bezeichnen!
Ganz unsinnig wird es dann mit dem auch öfters gehörten „Tiefenunschärfe“. Sinn, Unsinn, Tiefenunsinn ;-)
Markus
www.vistavision.de
super tutorial!
Die Wikipedia gibt den Schärfentiefe-Anhängern recht. Die Erklärung ist ja auch logisch. Und im Englischen heißt’s ja auch „depth of field“ und nicht etwa „depth of sharpness“ ...
Das Tutorial hat mir echt weitergeholfen, da ich nur eine digitale Kompaktkamera habe, mit welcher man ums Verrecken keine Tiefe bzw „Unschärfe“ als Gestaltungselement erzeugen kann.
In Photoshop CS2 heißt der Filter nun auch endlich „Tiefenschärfe abmildern“. Nur so als Information.
Gruß
Im Duden steht Tiefenschärfe als umgangssprachliche Form von Schärfentiefe. Ist m.E. auch logisch: sie bezeichnet die Tiefe des scharfen Bildbereichs. Kann man so sehen, muss man aber nicht ;-)
Ja so steht es im Duden. Aber immer noch bezeichnet doch wohl bei zusammengesetzten Hauptwörtern der hintere Teil den ersten, oder? Denn es geht darum, wir tief der scharfe Bereich ist. Als doch SchärfenTIEFE. Andersherum ist halt Umgangssprache!
Irre, oder? Dass diese Diskussion auch nach so langer Zeit immer noch Spass macht. Mal sehen, wie lange der nächste Kommentar auf sich warten lässt….
zum Wortstreit:
Gibt es das Hauptwort „Schärfen“ (außer bei Messern)
Taschenbuch – bezeichnet da das Wort Buch die Tasche näher? Eher andersrum (ein Buch das in die Tasche passt). Weil hier eben die Theorie mit 2tes Wort erläutert 1tes Wort. Sonst wäre das eine Tasche in Buchform… lol
oder wird drehens um: Buchtasche – ah eine Tasche ausschließlich für Bücher.
Will heißen: zusammengesetzte Wörter ergeben häufig völlig neue Bedeutungen.
Warum Apfelsaft und nicht Saftapfel?
Was fällt mir nun zu Tiefenschärfe ein:
Die Schärfe der verschiedenen Tiefen – klingt für mich sinnvoll und anwendbar.
Was fällt mir zu Schärfentiefe ein:
Klingt eher komisch für mich persönlich.
Und nun die Frage an Germanisten: Gibts da paar Regeln für zusammengesetzte Wörter?
Da fällt mir noch Senftube und Tubensenf ein.
„Gib mir die Senftube bitte“ oder „Ich will lieber Tubensenf“, was aber wahrscheinlich korrekt „Ich will lieber Senf aus der Tube“ heißen müsste.
Genug Gedanken und mit Unwissenheit ham wa nun auch ausreichend geglänzt. freu
Grüße, Flo
Wirklich ein prima Tutorial.
Und ganz klar heißt es Schärfentiefe ;-)
Aber mal zur Anregung, wie man Tiefe schon beim Fotografieren unscharf bekommt: Click
Greez
Stefan
das ist ja ne nette sache und sicherlich hilfreich, jedoch voellig ueberfluessig wenn man die grundlagen der fotografie beherrscht. gruesse S.
Genau! Photoshop ist insgesamt gesehen völlig überflüssig voellig ueberfluessig! Genau wie Umlaute! Früher hatten wir Rollfilm und eine eigene SW-Dunkelkammer! Und es ging auch! Dieses digitale Zeug ist doch alles nur amerikanische Knepe! Für Weicheier!
PS: Danke für das Tutorial.
Die Sache ist doch ganz klar:
Bei zusammengestzen Wörtern beschreibt das letztere den eigentlichen Gegenstand, der für den Zweck zusätzlich charakterisiert wird: Blumentopf --> Topf für Blumen. So ergeben sich intuitiv für die Begriffe „Tiefe“ (Sozusagen der Vektor Senkrecht zur Bildebene des Filmes / Sensors) und die Schärfe folgende Möglichkeiten:
Tiefenschärfe – Schärfe, die mit einer gewissen Tiefe ausgestattet ist.
Schärfentiefe – Tiefe, die mit einer Schärfe ausgestattet ist.
Wenn wir sagen wollen, dass der Bildbereich, indem die Schärfe gegeben ist, groß ist (sozusagen die Tiefe groß ist), müssen wir eben mitteilen, dass es sich um eine große Tiefe handelt: Was für eine Tiefe? Na die Schärfentiefe! ;)
Würde man sagen, man hätte einge große „Tiefenschärfe“, so würde man wohl von einer besonders gut ausgeprägten Schärfe sprechen – und zwar die in irgendeiner Tiefe…
Wie dem auch sei, macht letzte Deutung im diesem Kontext keinen Sinn und man würde doch zur ersteren Interpretation gelangen. Was wiederum die Diskussion um die richtige Zusammensetzung von „Tiefe“ und „Schärfe“ sinnlos macht.
Sodenn, Gruß vom Ori.
PS: das „digitale Zeug“ ist kein amerikanischer, sondern eher ein japanischer Klimbim. :P
Auch wenn die Kommentare und das Tutorial etwas älter sind gebe ich mal meinen Senf dazu.
Ich finde eben nicht das es überflüssig ist da sich einfach nicht jeder eine Spiegelreflex kaufen kann oder möchte und so trotzdem solche effekte erzielen kann. auch wenn sie dann nicht unbedingt den künstlerischen Wert haben.
MFG Basti
Hallo,
bei so vielen Kommentaren kommt es nun auf einen mehr oder weniger auch nicht an, es gibt keine Langeweile aber die Zeit steht zur Verfügung, also los:
Wenn man es mal philosophisch betrachtet und nicht technisch, die künstlerische Fotografie hat über die Technik hinaus vor allem etwas mit dem Leben zu tun, dann ist der Begriff 'Schärfentiefe' rational gesehen korrekt, es geht um die Tiefe der Schärfe, die Schärfe ist das erste Wort und bekommt die Aufmerksamkeit. Die Schärfe ist in der technischen Fotografie ein entscheidender Fakt.
Bei dem Begriff 'Tiefenschärfe' dagegen steht das Wort Tiefe an erster Stelle und wird beachtet, es ist weniger ein technischer Begriff als viel mehr ein seelischer, in der Tiefe liegen die unbekannten Dinge die es zu erforschen gilt und die es sich bewusst zu machen lohnt, gerade auch mittels Fotografie.
Deshalb nenne ich Bilder die versuchen etwas aus der Tiefe der menschlichen Seele abzubilden was rational mit gestochener Schärfe kaum möglich ist und somit nur wenig Schärfe in der Fläche zeigt, als Bilder aufgenommen mit viel Tiefe (keine Oberflächlichkeit) und wenig Tiefenschärfe.
Es sind Bilder die bewusst nur sehr wenig dieser technischen Schärfe zeigen um das Unklare der Tiefe deutlich zu machen.
Die Aufmerksamkeit liegt auf Tiefe und die ist meist unscharf und somit weniger auf Schärfe, es geht um den Versuch 'unsichtbare Dinge' erahnbar sichtbar zu machen und dazu dient die geringe Tiefenschärfe.
Ich habe mithilfe dieses Tutorials versucht Schärfentiefe zu erzeugen, jedoch kam bei mir über die Masken keine Schärfentiefe, sondern die Bilder wurden nur einer bestimmten Farbe angepasst, rot war von vornherein eingestellt. Woran liegt das?
«Gartenblumen» oder «Blumengarten» ist nicht einerlei. Die Schärfentiefe ist eine TIEFE, die Tiefenschärfe ist eine SCHÄRFE – je mit genauerer Bezeichnung des Hauptgegenstandes. Wollen wir die Ausdehnung der Schärfe definieren (was meistens gemeint ist), so ist einzig der Ausdruck «Schärfentiefe» richtig, sprachlich wie mathematisch, mit der Sorte [mm].
«Scharf» ist ja ohnehin nichts! Die Formel für ZD ist wie folgt:
ZD = f^2/k * |1/g – 1/D|
Also Zerstreuungskreisdurchmesser = Brennweite im Quadrat durch Blendenzahl mal absoluten Betrag der Differenz von Gegenstandsweite und Distanz zur untersuchten, defokussierten Ebene zur vorderen Hauptebene des Optiksystems hin. Dies ist sehr wohl auf D auflösbar. Bleibt ZD kleiner als Zo (max. zulässiger Zerstreuungskreisdurchmesser ca. = Sensordiagonale/1500), so darf man die Bildstelle als «scharf» anerkennen – sofern wir das Bild nicht zuschneiden und es in einer guten Distanz anschauen (ca. im Abstand der Bilddiagonalen) …
«Schärfentiefe» ist die Tiefe (von … bis …), innerhalb welcher Punkte nicht breiter als Zo auf dem Sensor abgebildet werden. Mathematisch und sprachlich macht das ganz viel Sinn :-)) …
Herzlich
Martin
…
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