Apple: 1984 und heute
Mit diesem Werbefilm hat Apple Anfang 1984 die Einführung des Macintosh beworben: „… und du wirst sehen, warum 1984 nicht wie ‚1984‘ sein wird“ – eine Anspielung auf den dystopischen Roman George Orwells. Die darin beschriebenen Überwachungsmaßnahmen klangen damals noch ausgesprochen realitätsfern (mittlerweile sind sie von der Wirklichkeit indes um ein Vielfaches übertroffen worden).
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Damals gerierte sich Apple als Befreierin, die die Unterdrückung der Menschheit durch den alles überwachenden „Big Brother“ mit einem Hammerwurf beendet.
37 Jahre später kündigt Apple u.a. an, nicht mehr nur – wie bisher – die eigenen iCloud-Server, sondern mit iOS 15 auch sämtliche Apple-Geräte in den Händen der Benutzer nach kinderpornographischen Inhalten (CSAM, Child Sexual Abuse Material) zu durchsuchen. Bevor sie in die iCloud geladen werden.
Es ist schon viel dazu geschrieben worden, warum das ein Dammbruch ist, der unweigerlich dazu führen wird, dass die ins iOS eingebaute Hintertür irgendwann auch zum Durchsuchen nach anderen Inhalten eingesetzt wird (1, 2, 3, 4, 5, 6). Dem ist nichts hinzuzufügen. Das iPhone wird, ohne dass aufwändig noch eine Spyware wie z. B. „Pegasus“ installiert werden muss, quasi ab Werk das ideale Überwachungsinstrument – der Traum einer jeden (autokratischen) Regierung und eines jeden Geheimdienstes.
Diejenigen Optimisten, die darauf hoffen, dass Apple dieses On-Device-Scanning nur einsetzt, um iCloud-Verbindungen endlich Ende-zu-Ende zu verschlüsseln, seien gefragt, was eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung überhaupt noch bringen soll, wenn die Geräte schon vor der Verschlüsselung nach (für wen auch immer) unliebsamen Inhalten durchsucht und die Treffer direkt (wohin auch immer) gemeldet werden?
Ich halte den sexuellen Missbrauch von Kindern für ein abscheuliches Verbrechen. Aber das verdachtslose Durchsuchen von Abermillionen iPhones durch ein privatwirtschaftliches Unternehmen ist sicher keine geeignete Maßnahme, den Missbrauch einzudämmen. Zumal es laut Apple ausreicht, iCloud für Fotos einfach nicht zu benutzen, damit die lokale Durchsuchung nach kinderpornographischen Inhalten unterbleibt.
Die rote Linie einer direkt ins Betriebssystem integrierten Hintertür, die sich vortrefflich für lückenlose Überwachung eignet, ist damit allerdings ein für alle mal überschritten. Und das ausgerechnet von einer Firma, die mit dem Spruch „Was auf deinem iPhone passiert, bleibt auf deinem iPhone“ als Schützerin der Privatsphäre auftritt.
Man kann nur hoffen, dass Apple rechtzeitig zur Besinnung kommt. Damit sie nicht zu dem „Big Brother“ werden, den sie 1984 noch bekämpft haben.
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