Typographie: Variable Textbreiten und Lesbarkeit
Wie ich im Eintrag Web-Typographie schon schrieb, halte ich Textbereiche, die sich in der Breite an das Browserfenster anpassen, für einen der schlimmsten typographischen Fehler beim Webdesign überhaupt.
In der Typographie gibt es die altbekannte Faustregel, dass die Zeilenlänge eines Textes 60 Zeichen möglichst nicht überschreiten sollte, um ermüdungsfreies Lesen [1] zu ermöglichen. Da das Auge einen Text aber nicht Buchstabe für Buchstabe liest – das würde viel zu lange dauern , sondern komplette Wörter anhand ihrer Umrisse [2] erfasst, sollte man m.E. die Empfehlung geben, die maximale Zeilenlänge auf ca. 10-12 Wörter zu beschränken.
Nun lesen ja solche Web-Standards Cracks wie Dan Cederholm oder Douglas Bowman sicher nicht mein Weblog (obwohl ich immerhin gut 250 Babelfish Zugriffe pro Woche habe ;-) – umso erfreulicher ist es, dass auch sie ihr Website-Design seit einiger Zeit auf feste Textbreite umgestellt haben. Gibt mir Hoffnung, dass andere Webdesigner in Zukunft nachziehen…
[1] Das Erfassen von Texten auf dem Bildschirm erfordert ohnehin schon ca. 30% mehr Anstrengung als das Lesen von Texten auf Papier – im gleichen Maß sinkt auch die Lesegeschwindigkeit. Erschwere ich das Lesen zusätzlich durch zu große Zeilenlängen, führt das u.U. dazu, dass der Text nicht bis zum Ende gelesen wird – mit dem unerwünschten Nebeneffekt, dass unterbewusst die schlechte Lesbarkeit des Textes auf dessen semantische Qualität übertragen wird – ein wahrnehmungspsychologisches Phänomen.
[2] Sog. „Wortbilder“. Jeder kennt die Leuchtschilder von Hotels, auf denen die Buchstaben senkrecht übereinander stehen. Hier muss das Auge den Text tatsächlich „buchstabieren“, weil der Umriss bzw. das Wortbild nie gelernt wurde. Im Gegensatz dazu wäre der selbe Text in gewohnter, horizontaler Ausrichtung mit einem einzigen Blick erfasst.
Vor diesem Hintergrund ist übrigens auch klar, dass durchgehend klein geschriebene Texte mehr Aufwand beim Erfassen erfordern – mit den weiter oben beschriebenen möglichen Konsequenzen.
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logFiler 0.1 Oups!
Kommentare:
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Hmm… Ich finde das in Zeiten von 16:9 Bildschirmen und variablen Ausgabemedien nicht mehr richtig! Wenn jemand zum lesen von Webseiten z.B.: die Matrox Grafikkarte verwendet, welche sage und schreibe drei Monitorausgänge hat und dabei dem Betriebssystem nur einen einzigen vorgaukelt sind 72 Zeichen doch recht wenig pro Zeile. Auch bei höheren Auflösungen finde ich für meine Sehgewohnheiten die variable Anpassung an die Auflösung besser weil leichter lesbar. Das betrifft auch moderne Emailclients welche bei einer dreispaltigen Ansicht in einer je nach Auflösung doch recht schmalen Ansicht die Inhalte in einer Spalte darstellen. Komischerweise versuchen gerade Designerseiten möglichst klein rüber zu kommen Beispiele Thomas Marban und Stefan Weber
Um bei großen Monitoren mit hoher Auflösung auch mehr (Lesbarkeit) von einer Website zu haben, wäre es natürlich richtig, wenn die Website im Verhältnis zur Auflösung skaliert. Allerdings müsste dann, wenn die Textspalte größer wird, auch die Schrift proportional vergrößert werden, damit schließlich wieder 10—12 Wörter in einer Zeile stehen. Versucht man dies zu erreichen, gerät man jedoch sofort in die Mühlen der verkorksten Darstellung relativer Größenangaben in unterschiedlichen Browsern. Außerdem muss das zugehörige Layout ein sehr gutes (oder ein sehr simples) sein, damit das Skalieren keine Probleme im Zusammenspiel mit prinzipbedingt nicht skalierbaren Objekten wie Pixelgrafiken verursacht. Wobei feste Größenangaben zur Wahrung des Layouts zugegebenermaßen besonders bei höheren Auflösungen oft zu Problemen führen. So bekomme ich beim Lesen obiger Fußnoten auf meinem 19/1280*960-Monitor schon fast Kopfschmerzen…
Auf ralphs setze ich für den Fliesstext relative Zeilenbreiten ein, weil es das Layout aushält und ich zudem meinen Besuchern die Freiheit lasse, ihre optimale Lesebreite mit dem Browser einzustellen. Was spricht dagegen, zumal der Grundsatz von den 70 Zeichen im Web meiner Meinung nach nur eine geringe Bedeutung hat, vor allem in Zeiten, in denen CSS eine einfache Schriftenskalierung zuläßt. Andererseits setze ich gerne feste Zeilenbreiten ein, wenn das Layout es verlangt ;-) Allerdings versuche ich dann die Spaltenbreite via em skalierbar zu halten , vor allem dann, wenn die Spalte für den Mengentext recht eng ist.
Davon abgesehen, auch Blocksatz im Web ist nicht immer falsch, wenn die Texte passen, wir setzen den öfter ein und es kam bisher nicht als typografische Katastrophe bei den Lesern an. Auch die Textart spielt eine Rolle. Fachtexte mit zahlreichen Wortungetümen versuchen wir erst gar im Blocksatz zu setzen.
Insgesamt wird vom Webtypograf also ein Höchstmass an Flexibiltät verlangt, was ich persönlich immer wieder spannend finde an meiner Arbeit als Webdesigner.
Ein anderes Problem ist die zunehmende Verbreitung von Flachdisplays mit hoher Auflösung, die niedrigere Auflösungen nur interpoliert und mit Qualitätsverlust darstellen können. Die Monitore werden immer größer, in der Folge werden die angezeigten Fonts immer kleiner dargestellt. Wenn irgendwann 1024×768 nicht mehr die meistgenutzte Auflösung ist, steht der Designer steht dann vor dem Problem, für welche Größe er optimieren soll.
Ich arbeite hier mit 2 TFT-Monitoren mit 1280×1024 und kann auch aufgrund der scharfen Darstellung noch alles gut lesen, wenn die Schrift nicht zu klein eingestellt ist, wie z.B. auf DE:Bug – Trotzdem entwickele ich die meisten Sites immer noch für die Auflösung 800 mal 600. Wenn dann irgendwann 1280 Standard wäre, würde ich 1024×768 empfehlen. Auf keinen Fall lasse ich mich durch die schnelle Entwicklung der Display-Technik beeinflussen, da würd ich ja kirre werden. ;-)
Was die Schriftgröße bei esse est angeht, ich benutze einen 19-Röhrenmonitor, und dank Mozilla kann ich die Schriftgröße der geöffneten Seite mit einem Tastendruck vergrößern.
Einn Fehler, der deutlich häufiger und noch sehr viel schlimmer ist, sind relative Schriftgrößen, die meine Browsereinstellung unterwandern.
Solche Reaktionen zeigen, was die Vernachlässigung der Typografie im Web angerichtet hat, andere Kommentare zeigen aber auch, dass man es als Designer natürlich nie allen Recht machen kann.
Dass der Designer dies nicht kann, liegt aber wiederum zum großen Teil an der unvollkommenen Technik. Einerseits auf Betriebssystemebene, andererseits bei den Browsern.
Zwischen der Größe des Monitors und der Größe der dargestellten Schrift z.B. besteht ja zunächst kein Zusammenhang. Vielmehr darin, dass die Qualität von Monitoren und TFTs immer besser wird und nicht nur die Größe des Displays, sondern auch die Anzahl der Pixel pro Zoll immer größer wird.
Das ist ja eigentlich toll: Je höher der DPI-Wert eines Monitors, desto gestochener wirkt das Bild. Das Problem, welches aber nun auf Betriebssystemebene zu winziger Schrift führen kann, ist simpel: Windows beispielsweise geht in der Grundeinstellung davon aus, dass der Monitor 96 DPI hat. Mit der Wirklichkeit hat das natürlich nicht unbedingt was zu tun, und so ist klar: Wenn der Monitor tatsächlich high-tech-mäßige 120 DPI hat, sieht eine 8 Pixel große Schrift darauf ziemlich mickrig aus.
Natürlich ändert aber kein Mensch die Betriebssystemeinstellung, aus Angst, dass in irgendwelchen Programmen dann der Text abgeschnitten, weil zu groß ist, oder sonstiges passiert, oder weil er gar nicht weiß, dass es diese Option gibt und wofür sie gut ist.
Meines Erachtens sollte das OS den DPI-Wert eigentlich von alleine richtig einstellen können, denn über eine Treiberdatei vom Monitor könnte das OS wissen, wie groß der Monitor ist—wie hoch die eingestellte Auflösung ist, weiß es sowieso, und über eine einfache Division erhält man dann den wahren DPI-Wert.
Wenn also gegeben wäre, dass alle Betriebssysteme den wahren DPI-Wert des angeschlossenen Monitors kennen, wäre das Leben des Designers leichter, denn er könnte wie im Print einfach sagen, dass er Arial in 12 Punkt haben will, und es wäre tatsächlich auf allen Monitoren dieser Welt gleich groß.
Allen Anwendern, denen das dann zu klein oder zu groß ist, würde dann ein vernünftiger Browser weiterhelfen, bei dem man in der Grundkonfiguration einstellt: Stelle alle Schriften 1,5 oder 2 oder 3-mal so groß dar—oder, wenn mir die Standardgröße zu klobig ist, weil ich Adleraugen habe, in der 0,75-fachen Größe. Oder…
Nach Weihnachten ist es endlich soweit:
Über 60% der User benutzen eine Auflösung von 1024×768!
Gesehen: www.webhits.de
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