Ab und zu begegnen mir Wörter, deren Sinn sich mir nur schwer erschließt. Zum Beispiel Narrativ. Das deutsche narrativ ist ein Adjektiv und bedeutet erzählend, in erzählender Form darstellend. Seit einiger Zeit benutzen es aber die ganz coolen Leute substantivisch: „der visuelle Narrativ“ zum Beispiel, oder „ein sozialdemokratisches Narrativ“. Hä? Klar wird die Geschichte, wenn man im Wörterbuch nachschaut: Das englische Wort narrative kann auch als Substantiv verwendet werden und bedeutet Bericht, Erzählung, Geschichte. Aahja.
Oder Rollenmodell – etwa ein Begriff aus der Soziologie? Nö. Übersetzt man das englische role model (Übersetzung: Vorbild, Leitfigur) wörtlich ins Deutsche, bekommt man eben Rollenmodell. Da schuggert’s mich ein bisschen.
Anruf von der Druckerei: „Wir können Ihre Sachen nicht bearbeiten, uns fehlt noch ein Fond.“ „Merkwürdig, ich kann mich gar nicht erinnern, einen Fond angelegt zu haben?!“ „Doch, Matrix Inline.“ „Ach so, Sie meinen, Ihnen fehlt ein Font!“
Der Beruf des Designers bringt eine Menge Anglizismen mit sich – aber schon die Berufsbezeichnung wird häufig genug falsch ausgesprochen. Genau wie das Wort Font, von dem offensichtlich viele glauben, es komme aus dem französischen. Aber Achtung: ein Fond (französisch ausgesprochen) bezeichnet im Grafikdesign einen Hintergrund. Wenn man allerdings, was normalerweise der Fall sein dürfte, eine digitalisierte Schrift meint, wird Font hinten so ausgesprochen wie das Bond in James Bond.
Höflichkeit bedeutet hofgemäßes, gesittetes Benehmen und ist, wie man unschwer erkennen kann, von Hof im Sinne von Fürstenhof abgeleitet. Interessanterweise ist das im Englischen genauso: court und courtesy, ebenso wie im Französischen: cour und courtoisie. Schalten Sie wieder ein, wenn Hobbyetymologe Preidel die nächsten tiefschürfenden Zufallserkenntnisse gewinnt.
Auf Dauer nerven die Vuvuzela-Bienenschwärme gewaltig. Dabei könnte man den Stadionsound bei Fernsehübertragungen mit ganz wenig Aufwand durchaus erträglicher machen. Ein kurzer Versuch mit einem einfachen 4-Band-Equalizer, der die Frequenzen 230Hz, 465Hz, 940Hz und 1860Hz steil herausfiltert, ergab einen deutlich zumutbareren Sound, bei dem das Summen im Verhältnis zum Johlen viel leiser ist. Hier der gleiche Ausschnitt aus der Übertragung Japan gegen Kamerun, zuerst original, dann gefiltert:
Der technische Aufwand ist so gering, dass ich mich frage, warum die Fernsehanstalten das nicht einsetzen, zumal sich ja wirklich jeder über das monotone Summen aufregt. Mit ein paar Messungen könnten auch die notwendigen Frequenzen viel genauer bestimmt werden, wodurch das Ergebnis mit Sicherheit noch um einiges besser wäre als mein obiges drei-Minuten-Experiment.
Vielleicht schaffen sie’s ja noch bis zum Achtelfinale, viel Hoffnung habe ich allerdings nicht …
Wie wir alle wissen, heißt es das Blog, nicht der Blog. Weil es, vereinfacht gesagt, von Logbuch abgeleitet ist. Warum sagen es aber dennoch so viele falsch? Ich habe eine Theorie: Jemand, der der Blog sagt, oder der – wie zum Beispiel gestern ein Staatsminister anlässlich der Berlinale-Eröffnung – davon spricht, dass eine Stadt „einen besonderen Flair“ habe, hat einfach – analog zur aus der Augenmedizin bekannten rot/grün-Schwäche – eine der/das-Schwäche. Erstere ist nicht heilbar, und die Unausrottbarkeit des falsch angewandten Blog-Artikels lässt befürchten, letztere auch nicht.