Bücher | Dienstag, 8. September 2009
Sehr, sehr lange habe ich hier nichts mehr über Bücher geschrieben. Was nicht daran lag, dass ich keine gelesen habe – im Gegenteil! Hier ein paar der letzten, die ich – so oder so – erwähnenswert finde:
Muriel Barbery
Die Geschichte der Freundschaft zwischen einer Concierge, die ihre umfassende Bildung gegenüber den Hausbewohnern zu verbergen versucht, und einem zwölfjährigen Mädchen, dass die verlogene Welt der Erwachsenen erst gar nicht betreten will und darum beschließt, ihrem Leben an ihrem 13. Geburtstag ein Ende zu setzen. So humorvoll und überaus intelligent erzählt, dass man zwischendurch zum Literatur- oder zum philosophischen Lexikon greift, um auch die feineren Anspielungen verstehen zu können.
Charmant, geistreich und vergnüglich: 
Christopher Moore
Christopher Moore gehörte bisher zu den Autoren, von denen man unbesehen jede Neuerscheinung kaufen konnte, obwohl auf jedem seiner Bücher der Aufkleber „Vom Autor des Bestsellers Die Bibel nach Biff“ pappte. Dafür kann er ja nichts. „Flossen weg“ liebe ich (obwohl der deutsche Titel in seiner Einfalt nicht annähernd an den Originaltitel herankommt: „Fluke – Or, I Know Why The Winged Whale Sings“), und auch bei allen anderen Büchern habe ich mich gut bis bestens unterhalten gefühlt.
Nur nicht bei „Fool“. Dieses Buch erinnert mich in fataler Weise an das von mir 2003 entdeckte grottenschlechte 1968er Van Morrison-Album, dass er damals in voller Absicht mit dieser unterirdischen Qualität abgegeben hatte (meines Wissens ist es nie erschienen), um aus seinem Plattenvertrag zu kommen. Ähnliche Geschichten gab’s dann später auch mit Prince und George Michael, die ebenfalls am Anfang ihrer Karriere Plattenverträge abgeschlossen hatten, mit denen sie quasi erst ihre Seelen direkt an der Musikindustrie-Garderobe abgaben, um später dann gezwungernermaßen ein, zwei Scheiß-Egal-Alben wegen der Knebelverträge hinterher zu liefern (TAFKAP – erinnert sich jemand?)
Möglicherweise irre ich mich da auch, aber „Fool“ hat für mich so wenig mit dem bisherigen Moore zu tun, dass ich mich beim Lesen mitunter gefragt habe, welches Kaliber wohl die Pistole hatte, die ihm der Verlagsbeauftragte beim Schreiben an die Schläfe hielt.
Nicht witzig und leider überhaupt nicht unterhaltsam. Sondern ermüdend gähnesk: 
Jon Katzenbach
Krimis oder Thriller kaufe ich ebenso selten wie ich Tatort gucke. Also praktisch nie. Es kommt allerdings vor, dass ich im Buchladen im Vorbeigehen über ein Buch stolpere, zu dem mich eine Blitzassoziation überfällt. „Kalte Asche“ von Simon Beckett war letzte Woche so ein Titel, den ich nur aus den Augenwinkeln wahrnahm: „Kalte Asche, müde Mädchen, ein letzter Schluck im Neonlicht …“, der Song aus dem 80er-Kultfilm Müllers Büro kam mir sofort in den Sinn, und ich griff zu. (Kurzrezension: Spannend, aber leider lieblos übersetzt.) Und wo ich nun schon mal an der Krimiauslage stand, nahm ich auch gleich „Der Patient“ mit. Auf gut Glück.
Gottseidank war das Wetter am Sonntag eher schlecht, deshalb konnte ich – ohne ein schlechtes Gewissen haben und ohne mich um irgendwas anderes kümmern zu müssen – die 669 Seiten bis zum Abend durchlesen. Besser gesagt: Verschlingen.
Dr. Starks, ein Psychologe, erhält am Abend seines 53. Geburtstags einen Brief, der mit den Worten beginnt: „Herzlichen Glückwunsch zum 53sten Geburtstag, Herr Doktor. Willkommen am ersten Tag Ihres Todes“. Danach verwandelt sich sein Leben nach und nach in einen Alptraum …
Ich könnte jetzt, der Spannung halber, noch fragen: War es ein ehemaliger Patient? Und wenn ja, was hat er ihm getan? Wird er es jemals herausfinden? Ohne etwas zu verraten: Er wird. Keine Sorge. Und zwar nicht zu knapp.
Erstklassig übersetzt, absolut schlüssige Handlung, Hochspannung bis zum Schluss, ein klassisches Kategorie B-Buch: 
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Bücher | Donnerstag, 8. Februar 2007
Als ich neulich bei eBay rausgeflogen war (inzwischen hat man den Ausschluss – nach eingehender Prüfung – rückgängig gemacht), weil ich der Aufforderung, meine Telefonnummer nachzutragen nicht Folge leisten wollte (bei der Anmeldung 1999 war die Telefonnummer keine Pflichtangabe), habe ich ein wenig nach Problemen im Zusammenhang mit eBay gegoogelt.
Identitätsdiebstahl
Dabei bin ich u. a. auf jede Menge Fälle von Identitätsdiebstahl gestoßen: Jemand besorgt sich Name, Anschrift und Geburtsdatum einer beliebigen, tatsächlich existierenden Person (das ist wichtig, weil eBay mit Hilfe des Schufa-Datenstamms die Plausibilität der Anmeldedaten überprüft), meldet sich mit diesen Daten bei eBay an und verkauft anschließend irgendwelche interessanten Dinge. Die er natürlich nie liefert. Nach einiger Zeit, wenn die Kunden ungeduldig werden, weil sie ja schließlich Vorkasse geleistet haben, geht es dann dem wahren Namensinhaber an den Kragen: Der Ahnungslose bekommt Post von verärgerten Käufern oder von Anwälten, die die gekaufte Ware einfordern oder den Kaufpreis zurück haben wollen. In der Zwischenzeit hat der Identitätsdieb natürlich längst das Konto abgeräumt und gekündigt und ist so gut wie nicht mehr zu fassen.
Talk Talk
Mit dem Thema Identitätsdiebstahl beschäftigt sich auch T. C. Boyle in seinem neuesten Roman Talk Talk. Das ist, man möge mich verbessern, meines Wissens Boyles erster Thriller, und der ist so spannend, dass ich ihn an einem Tag durchgelesen habe. Durchlesen musste, weil ich unbedingt das Ende erfahren wollte – ein typisches Kategorie-B-Buch also.
Zur Story: Die gehörlose (Talk Talk bezeichnet übrigens ein Gebärdengespräch unter Gehörlosen) Lehrerin Dana Halter überfährt auf dem Weg zum Zahnarzt ein Stoppschild. Ein Streifenpolizist hält sie an. Bei der Überprüfung ihrer Personalien stellt sich heraus, dass sie wegen diverser Verbrechen – die sie nie begangen hat – in mehreren Staaten gesucht wird. Dana Halter wird dem Haftrichter vorgeführt …
Bewertung
Nach einigen schwächeren Romanen war auch Boyles letzter Roman „Drop City“ schon ein Fünfmützenbuch – „Talk Talk“ steht dem um nichts nach. 
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Bücher | Dienstag, 17. Oktober 2006
Ich habe in den letzten Jahren einige Fragebögen bzw. Bitten um Teilnahme an irgendwelchen Umfragen erhalten. Manche habe ich beantwortet, manche nicht. Bedankt hat sich anschließend niemand.
Holm Friebe und Sascha Lobo sind die ersten, die nicht nur „Danke“ mailen, sondern mir auch gleich ein Belegexemplar ihres Buchs „Wir nennen es Arbeit“, für das sie im Vorfeld einige Blogger befragt haben, zuschickten – vielen Dank. Zum Inhalt kann ich noch nichts sagen, da ich dank der Wirkung des vor einigen Wochen bei mir in Kraft getretenen zweiten Freiberufler-Naturgesetzes zur Zeit leider nicht zum Lesen komme.
Bücher | Donnerstag, 30. März 2006
Dieses Buch habe ich kürzlich zum Geburtstag geschenkt bekommen – zwei Tage später hatte ich es durch.
Seit 1986 bin ich (damals an der Uni) Mac-User, und seit meinem ersten eigenen Macintosh, einem 1991 gekauften IIfx, habe ich es nie mehr auch nur im Entferntesten in Erwägung gezogen, mir einen Windows-PC anzuschaffen.
Und deshalb kenne ich natürlich die ganzen Geschichten, die sich um den Mythos „Apple“ ranken, wie aus dem ff: die Palo Alto-Begebenheit, die wie Microsoft angeblich mal Apple gerettet hat-Story, das Jef Raskin ist der Erfinder des Macintosh, ach was: des GUI, so wie man es heute kennt-Märchen, die Apple Mitarbeiter trauen sich nicht, den Aufzug zu benutzen, weil sie Angst haben, Steve Jobs zu begegnen-Anekdoten usw. usf.
Trotzdem ist es überaus spannend und unterhaltsam, das alles mal zusammenhängend und in chronologischer Reihenfolge zu lesen. Das Buch ist gut recherchiert, es gibt einen ausführlichen Anhang, in dem die Quellen beschrieben werden, und selbstverständlich gibt es auch einen umfassenden Index. Was in dieser Apple-Historie merkwürdigerweise komplett fehlt und nur mal kurz in einem Nebensatz erwähnt wird, ist die Lizenzierung der Apple-Hardware Mitte der Neunziger (erinnert sich noch jemand an UMAX-Macs?).
Leider ist die deutsche Ausgabe ziemlich holprig übersetzt. Und teilweise auch etwas lieb- bzw. ahnungslos. Um nur zwei Beispiele zu nennen: das Filmschnittprogramm aus dem iLife-Paket heißt nicht iMovies, wie durchgehend falsch geschrieben, sondern iMovie. Ohne s. Und bei Xsan handelt es sich mitnichten um ein „Diskettenspeichersystem für Firmen“. Auf Diskettenlaufwerke verzichtet Apple nämlich bereits seit Ende der Neunziger.
Für die Originalausgabe gäbe es fünf Mützen, für die hier besprochene deutsche Ausgabe gibt es immerhin noch viereinhalb: 
Steve Jobs und die Geschichte eines außergewöhnlichen Unternehmens bei Amazon
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Bücher | Freitag, 18. November 2005

Vor einem halben Jahr habe ich zwei zufällig thematisch irgendwie zusammenpassende Bücher gelesen:„Das Jesus Video“ von Andreas Eschbach und „Die Bibel nach Biff“ von Christopher Moore. Ersteres ist ein typisches Kategorie B-Buch, unterhaltsam und äußerst spannend bis zur letzten Seite (gut, den Stil lassen wir dabei mal außen vor).
Das zweite, „Die Bibel nach Biff“, ist ein Kategorie A-Buch par excellence. Auf meiner 50 Bücher für die Insel-Liste hat es seither einen vorderen Platz. Moore erzählt die unbekannte Geschichte von Jesus’ Kinder- und Jugendjahren, und das auf eine so amüsante und herzliche Weise, dass man es tatsächlich sehr bedauert, das Buch am Ende weglegen zu müssen.
„Das Jesus Video“ ist leichte, aber spannende Kost – allein der Plot ist schon einmalig: Jemand findet bei einer Ausgrabung eines 2000 Jahre alten Grabes die Bedienungsanleitung für einen Camcorder, der erst in einigen Jahren auf den Markt kommt (die Verfilmung war übrigens grottoid!).
Beide Bücher, obgleich aus verschiedenen Kategorien stammend, erhalten fünf Mützen: 
Ich habe anschließend noch zwei weitere Bücher von Andreas Eschbach gelesen, „Eine Billion Dollar“ und „Der Nobelpreis“ – beide reichen leider nicht annähernd an „Das Jesus Video“ heran. Zu mehr von Cristopher Moore bin ich merkwürdigerweise noch nicht gekommen.
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Bücher | Donnerstag, 17. November 2005
Ich teile Bücher in fünf Kategorien ein:
| E |
Ermüdend. Spätestens nach 50 Seiten gibt man auf. |
| D |
Ereignislos. Trotzdem quält man sich irgendwie durch das ganze Buch. |
| C |
Kurzweilig. Ganz nett zu lesen, aber man hätte auch nichts verpasst, hätte man stattdessen etwas anderes gemacht. |
B |
Fesselnd. Der Hauptunterschied zu Kategorie A ist, dass man gegen Ende immer schneller liest, weil man unbedingt wissen will, wie es ausgeht. |
| A |
Bewegend. Je mehr man sich dem Ende nähert, umso langsamer liest man, weil man den Augenblick, das Buch weglegen zu müssen, noch möglichst lange hinaus zögern möchte. Nicht zuletzt auch deshalb, weil einem die Protagonisten mittlerweile so ans Herz gewachsen sind. |
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