Vollfeeds sind Fastfood
Die Anzahl und die Auswahl meiner Lieblingsblogs wechselt regelmäßig, zur Zeit sind es 25, die ich täglich lese. Da Weblogs lesen für mich weit mehr ist, als möglichst viel Information so effizient wie möglich in möglichst kurzer Zeit in mein Kurzzeitgedächtnis zu schaufeln (woraus das meiste ohnehin nach kurzer Zeit wieder verschwindet), lese ich auch die Blogs, die einen Vollfeed (RSS-Feed mit ungekürzten Texten) anbieten, nicht etwa mit einem RSS-Reader, sondern mit einem Browser direkt auf der jeweiligen Website.
RSS-Feeds sind nützlich
Natürlich nutze ich auch RSS-Feeds: Bei Weblogs, in denen selten neue Einträge erscheinen, muss ich nicht jeden Tag nachschauen, ob etwas Neues dazugekommen ist – das erledigt Safaris eingebauter RSS-Reader für mich. Wenn der dann in der Lesezeichenleiste tatsächlich ein Update anzeigt, kann ich über einen Link im Feed bequem den Originalartikel aufrufen.
Reduziertes Erlebnis
Mal ehrlich: Wer würde denn z. B. die „Form“ lesen, wenn die Artikel auf billigem Papier einfarbig in einem einspaltigen Standardlayout untereinanderweg gedruckt würden? Niemand, denke ich. Denn das Blättern in einer Zeitschrift (oder in einem Blog) ist nicht nur Informationsaufnahme, sondern auch ein sinnliches Erlebnis.
Bei einer Zeitschrift kommen, neben der Optik, auch die Haptik und der Geruch dazu (nach Druckerei, ich mag das), und wenn man so will, auch das Gehör (beim Rascheln des Papiers). Ein Weblog dagegen ist reduziert auf die visuelle Ästhetik. Und ich verringere mein Lesevergnügen doch nicht noch zusätzlich, indem ich diese Ästhetik nun auch noch weglasse und Weblog-Einträge in einem RSS-Reader-Standardlayout mit Standardfarben und Standardtypo lese.
Slowfood
Vollfeeds sind wie Fastfood: Es geht ausschließlich um schnelle und möglichst unkomplizierte Nahrungsaufnahme – Plastikmenü in die Mikrowelle und fertig. Weblogs sind dagegen wie kultiviert gedeckte Tische, an denen der Besucher ohne Eile ein sorgfältig zusammengestelltes Mehrgängemenü genießen kann.
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Kommentare:
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für mich ist es nicht ganz so einfach. es mag mit 25 feeds klappen, aber ich habe weit mehr in meinem reader. habe fast alle nicht full feeds aus meinem reader gelöscht, da ich bei den abgeschnittenen sachen oft nicht weiss ob was interessantes dahinter steckt. das erspart mir nun viel zeit, ich brauch die seiten nicht mehr besuchen.
für mich ist ein full feed die optimale ergänzung einer seite, denn man möchte ja auch dann die kommentare lesen und besucht die seite daher trotzdem
Ich stimme dir uneingeschränkt zu, sehe Feeds nur als Appetitmacher für den vollständigen Artikel im Originaldesign.
Volltext-Feeds sorgen gerade in RSS-Readern wie Safari für größtmögliche Unübersichtlichkeit … das ist sicher nicht Sinn der RSS-Feeds. Ideal sind sie meiner Meinung nach, wenn sie einen kurzen Überblick über das Thema geben, aber mehr sind, als eine Subline.
Das sehe ich genauso. Wunderschön auf den Punkt gebracht, und schön geschrieben. Mir reicht auch ein kurzer Anreißer zum Appetit machen. Die Jungs von den Mac-Essantials machen das zum Beispiel sehr gut. Man kann relativ schnell entscheiden ob einen der Artikel interessiert oder nicht. Bei Vollfeeds hingegen ist das manchmal sehr sehr mühsam.
Meine Meinung dazu ist ja bekannt, aber ich finde Deinen Vergleich sehr schön. Allerdings hat man doch auch bei einem Vollfeed die Wahl! Niemand zwingt Dich dazu, den Artikel im Reader zu lesen. Aber wer es möchte, soll es tun. Ein RSS-Feed ist für viele eben mehr als nur ein Alarmglöckchen. Und das Tolle ist: Man kann dem User die Wahl lassen, wie er das handhabt. Wir solltem dem User diese Freiheit lassen und nicht künstlich etwas beschneiden, was nicht beschnitten werden sollte.
Ich schaue mir immer wieder gerne schöne freundliche Seiten und Artikel im Web und auf dem Papier an. Und trotzdem bin ich sehr großer Freund von Vollfeeds. Insbesondere, wenn ich unterwegs bin und zuhause noch schnell meinen RSS-reader aufgeladen habe, ärgere ich mich über spannende Teaser, denen ich dann nicht weiter folgen kann. Gut möglich (und schade), dass ich mich später an den Artikel nicht mehr erinnere. Ich schließe mich voll und ganz Gerrits Kommentar an. (Und hoffe auf einen esse est percibi Fullfeed ;-)
Es gibt ja noch ein ganz anderes Problem, das ich oben gar nicht erwähnt habe: Zur Zeit syndizieren meines Wissens vier verschiedene, mehr oder weniger kommerzielle Anbieter meinen gekürzten Feed, darunter auch IzyNews, die sich das zumailen meines Feeds sogar bezahlen lassen. Die haben mich nie gefragt, ebenso wenig wie die anderen.
Wir wissen alle von den Versuchen, mit fremden Content Geld zu verdienen – ich rücke meinen für solche Zwecke jedenfalls nicht freiwillig heraus. Ich habe auch weder Zeit noch Lust, irgendwelche Anwälte zu beauftragen, Abmahnungen zu schicken, deshalb bleibt es beim gekürzten Feed.
Möglicherweise experimentiere ich demnächst aber mal mit einem passwortgeschützten Vollfeed für ausgewählte Leser, zumal mir die „unterwegs“-Argumente durchaus einleuchten …
Bei rund 25 Feeds ist das ganze ja auch noch recht übersichtlich. Ich aber beobachte um die 150 Feeds und ohne einen vernünftigen Feedreader wäre ich dort aufgeschmissen. Bei mir ist es aber auch recht unterschiedlich ob ich einen Beitrag nun im Reader oder auf der eigentlichen Website lese. Bei manchen Blogs ist das so und bei machen wieder so.
Grundsätzlich muss jeder Anbieter selbst entscheiden, ob er einen Vollfeed anbietet. Ein Excerp sollte aber auf jeden Fall dabei sein – nicht nur die Überschrift. Den Rest kann sich der Anwender dann selbst aussuchen.
Ich mag Vollfeeds. Es kommt hin und wieder mal vor, dass ich einen Artikel anklicke und ihn lieber auf der Seite lese, aber wenns nur ein einfacher Artikel ist, dann warte ich nicht so gern darauf, dass die Seite geladen hat…
Warum den Usern denn nicht einfach die Wahl lassen? Einen Vollfeed und einen gekürzten Feed.
Ich fürchte, ich stehe auf Fastfood ;)
Ich lese auch Seiten mit, deren Layout keine Wohltat für die Augen ist, da ist mir mein einfacher Feedreader dann lieber.
Mitunter ist es auch etwas störend, wenn ein Beitrag mit “...“ endet, und man sich den Beitrag im Browser anschaut, und er endet tatsächlich mit “...“, da hat man sich die Mühe dann ganz vergebens gemacht.
Ich habe also gerne die Wahl.
Ich liefere Vollfeeds weil der ästhetische Wert meines HTML unterdurchschnittlich ist. :-) Aber ich lese auch andere Feeds gerne komplett im RSS-Reader…
@ Martin: Dein Blog gehört wegen seines klaren Designs genau zu den Blogs, die ich nie im RSS-Reader lesen würde.
Also ich muss auch sagen, dass Martin da wesentlich unbescheidener sein sollte!
[Manueller Trackback]
Für mein JobBlog habe ich den Gedanken aufgriffen. Zur Zeit entwickelt sich dazu eine spannende eine Diskussion: RSS-Feed: voll oder halbvoll?
Ich stelle die Frage nochmal: Wieso denn nicht beide Feeds anbieten, zum Beispiel auch hier, macht kaum mehr Arbeit und ist zudem anwederfreundlich?
Als Firefox Extension Junkie (über 40 in Verwendung…) würden mir bei einem Vollfeed wohl einige Fuktionen abgehen
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