Der neue Fleischskandal, oder: Einer der Gründe, warum ich die CDU nicht wähle
Hätten sich die unionsregierten Länder nämlich nicht so vehement gegen die Einführung des Verbraucherinformationsgesetzes gestemmt, wüssten die Menschen in Sachsen-Anhalt, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen und Baden-Württemberg jetzt, in welchen Produkten, die in ihren Kühlschränken liegen, die kriminell umdeklarierten, genussuntauglichen Schlachtabfälle verwendet wurden und könnten sie entsorgen – stattdessen werden sie von der bayerischen Landesregierung bewusst im Unklaren gelassen.
In die genannten Bundesländer wurden Lebensmittel geliefert, die illegal mit bis zu 2600 Tonnen für den menschlichen Verzehr nicht geeigneten Schlachtabfällen versetzt waren. Die bayerische Landesregierung hält es darüber hinaus nicht für nötig, die am Skandal beteiligten Firmen zu nennen, geschweige denn, der Deggendorfer Firma Frost GmbH, die tonnenweise stinkende Gefügelabfälle (Real Audio-Stream) weiter verkauft hat, die Zulassung zu entziehen: „Bei einer erneuten Kontrolle seien keine Mängel festgestellt worden, so das Landratsamt Deggendorf.“ Na dann …
Selbst Schuld?
Es ist schier unglaublich (ich bin ehrlich gesagt fassungslos), wie hier neuerlich wirtschaftliche Interessen einzelner skrupelloser Betriebe vor die Gesundheit der Verbraucher gestellt werden. Und wenn ich dazu noch den bayerischen Landesinnungsmeister des Fleischhandwerks, Georg Kleeblatt, höre, der tatsächlich meint, Schnäppchenjäger müssten sich nicht wundern, breche ich komplett zusammen.
Man mag von der Geiz ist geil-Mentalität halten, was man will – den Verbrauchern allerdings vorzuhalten, sie seien selbst Schuld an diesem Fleischskandal, grenzt an Verhöhnung. Meinem unmaßgeblichen gesunden Menschenverstand nach muss es nämlich auch einem Hartz IV Empfänger möglich sein, einwandfreie und unbedenkliche Lebensmittel einzukaufen.
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Kommentare:
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Unterschreib ich so. Amen.
Es ist leider normal. Auch, wenn sie fassungslos sind; Herr Preidel.
Ich studiere Oecotrophologie und muss mich zwangsweise mit Ernährung bzw. der Lebensmittelverarbeitung auseinandersetzen. Die Geschichten die ich von unseren Profs mitbekomme, die alle aus der Industrie kommen, sind auch nicht ohne.
Lebensmittel sind eine Ware, eine stinknormale Ware für den Produzenten. Der Hersteller muss sich an bestimmte Regeln halten, diese Regeln sind im Gesetzeswerk nieder geschrieben. Manche halten sich dran, andere nicht.
Unser Essen ist eine Ware die designed wird, will sagen: Als Fooddesigner sitzt man so am Tisch und überlegt wie eine Pizza aussehen kann.(sehr simpel ausgedrückt, aber es ist spät und ich bekomme die Worte nicht mehr so hin, wie ich es gerne hätte) Das ganze muss so billig wie möglich sein und deswegen darf wenig natürliches hineinkommen ins Essen. Natur ist teuer, muss man sagen.
Fleischabfälle mögen ekelig sein. Holzschnipsel im Joghurt sind es doch auch. Allerdings haben wir uns daran gewöhnt und schmecken es nicht mehr. Es schmeckt nunmal für uns nach Erdbeere oder Himbeere usw. wenn diverse Holzrinde im Joghurt rumschwimmt. Die Schlachtabfälle hat ja auch keiner mehr herausgeschmeckt, oder? Die Sensibilität für Lebensmittel geht immer mehr verloren. Das richtige Schmecken wird zunehmend schwieriger.
Vor ein paar Jahren oder ein Jahrzent vielleicht zwei, gab es doch auch einen Weinskandal, da wurde Frostschutzmittel in den Wein gekippt. Auch das ist ekelig.
Bitte nicht denken, dass ich auf der Seiten der Industrie stehe. Ich will nur betonen, dass für den Lebensmittelhersteller es einfach nur eine Ware ist. Nichts mehr und nicht weniger.
Ich finde es schon schlimm, dass unser Obst genormt ist. Da fängt für mich der Witz an.
Lebensmittel in ihrer natürlichen Form wird es bald nicht mehr geben. Neben den immer weniger werdenden Sorten, die angeboten werden, werden diese zukünftig auch noch gentechnisch verändert oder bestrahlt werden, denn frisch ist auch nur ein Definitionsbegriff.
Durchaus interessant ist Slowfood
sollte dieser Beitrag zu dämlich geschrieben sein, so bitte ich diesen zu entfernen. Beim Tippen habe ich gemerkt, wie ich zunehmend und geradezu schlagartig müder wurde, aber löschen wollte ich das Geschriebene dann doch nicht
Skrupellose „Geschäftemacher“ sind leider so.
Sie lassen sich auch durch (wie auch immer gestaltete) Gesetze kaum von ihrem skandalösen Tun abbringen.
Dass die Gesetzgebung das offenkundig vollständige Aussetzen der Moral, sobald es ums Geldverdienen geht, kaum verhindern kann, ist leider eine Tatsache. Aber die derzeitige Verschleierungspolitik, mit der die Verbraucher gezielt im Unklaren gelassen werden, was sie da nun im Kühlschrank lagern, deckt ja diese asozialen und menschenverachtenden Aktivitäten der betroffenen Betriebe sogar noch.
Warum die Fakten – welche Lebensmittel sind betroffen, welche Betriebe haben Abfall umdeklariert, welche Betriebe haben diesen Abfall gekauft und verwertet – hier nicht einfach auf den Tisch gelegt werden, damit die Verbraucher reagieren können, ist mir ein absolutes Rätsel und in meinen Augen ebenfalls ein Skandal.
Für CDU und FDP sind klare Regeln hinsichtlich Lebensmitteln oder anderen Gesundheitsgefahren nur Überregulierung und unnötige Bürokratie; es könnte ja womöglich 1 Arbeitsplatz verloren gehen: und die FDP sagt ohnehin immer: ein freier Markt (ohne Regeln), und somit freie Wahl für Bürger!
Die Gesundheit der Bürger steht ohnehin hinten an: sei es, daß Jugendliche mit Alcopops abgefüllt werden sollten, an Arbeitsplätzen in der Gastronomie immer noch krebserregende Gase entstehen damit die Zigarettenindustrie Gewinne schreibt, oder aber andere Dinge (Vogelgrippe) die immer so hochgeblasen werden als wären sie wichtiger als offensichtliche und alltägliche Dinge.
Klarer Fall von „asymmetrischem“ Verbraucherschutz. Auf der einen Seite ist es einem Mittelständler kaum möglich, einfach eine Bratwurst zu verkaufen – er darf sich mit allerlei Auflagen beschäftigen und – bitte – kein „Dauerausscheider“ sein. Auf der anderen Seite kann die Food-Industrie schalten und walten, wie es dem Shareholder gefällt…
Da erinnere ich mich an die Aussage eines Lebensmitteltechnikers (für einen großen Multi arbeitend, vor Jahren beim Trampen kennengelernt):
„Im Prinzip versuche ich, Wasser schnittfähig zu machen.“
Einerseits ist das natürlich schlimm, aber auf der anderen Seite sollte man bedenken, dass es in keiner Epoche möglich war, so viele Menschen so gut zu ernähren…
[hysterie]Und: IST ALLES EGAL, DA WIR SOWIESO BALD ALLE AN (VOGEL-) GRIPPE STERBEN! [/hysterie]
@Sebastian: Lustig, wie bei manchen die Reflexe funktionieren. Die FDP hat weder in Bayern, noch im Bund etwas zu melden. Sie mag deiner Meinung nach diese These vertreten (das wäre ein anderes Diskussionsthema), aber das ist keine Ursache für und hat keine Auswirkung auf den aktuellen „Skandal“.
@Skandal an sich: Ich muss mir momentan immer wieder verkneifen, ein „selbst schuld“ auszuspucken. OK, vielleicht fällt es mir als Vegetarier leichter, über diesen „Skandal“ zu lachen, aber Ware wird so lange möglichst billig hergestellt, bis sich der Verbraucher weigert, sie zu kaufen. Und solange man sich über den Döner für 1,99 freut, solange landet der Abfall auch in den Lebensmitteln.
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