Aus meinem E-Mail-Museum: Wie ich mal Gegenwind von Herrn van Blokland bekam, oder: The Printed Word
Die Wahl der Schriftgröße hat meines Erachtens einen wesentlichen Anteil am Verständnis und an der Akzeptanz eines gedruckten Textes. Und wenn diese Wahl eben schlecht, weil z. B. viel zu klein ausgefallen ist, wertet das in meinen Augen die Gestaltung eines Druckwerks insgesamt ab.
Aber ich weiß, dass viele ganz anderer Meinung sind – 1996 habe ich in der Typetalk Mailingliste von Erik van Blokland zum Thema Schriftgröße ordentlich Gegenwind bekommen.
Der 7-Punkt-Flyer
Es ging damals um einen Flyer, der ein staatliches Event bewarb, und bei dem der in 7 Punkt gesetzte Fließtext kaum lesbar war. Jemand fragte in der Mailingliste, ob man denn tatsächlich größere Schrift einsetzen und damit in Kauf nehmen solle, dass der Flyer dadurch hässlich werde, bloß, damit der Text auch von Leuten ab 50 gelesen werden könne. Ich entgegnete:
Design is for people – not for itself. If „beautiful“ design is not readable it is completely useless, therefore bad design. And it is bad design that is ugly – not larger sizes.
Erik van Bloklands Antwort
I rather object to your generalisations!Design is by people as well as for people. The pleasure of making some object can all by itself enough reason for its existence. Whether that means the new thing is appropriate for other people, or worth it in terms of energy it costs to make, the materials used, or its intended purpose is another matter.
Something unreadable is not automatically useless.
Something useless is not automatically ugly. If you judge beauty and ugliness on these terms you must live in a horrible world..
Only by comparing specific examples can legibility be discussed. Otherwise it is as substantial as the fog of an autumn morning.
erik van blokland, LettError: Typestuff
Wobei er aber übersah, dass es ja gerade um ein specific example, nämlich den erwähnten 7-Punkt-Flyer ging. Naja, wir zankten uns anschließend noch ein bisschen, bis uns irgendjemand sagte, dass es nun langweilig sei und reiche. Einige Zeit später half er mir – bei einem ganz anderen Problem – dann aber doch wieder.
The Printed Word
Gestern habe ich auf der LettError-Website eine kostenlose Schrift gefunden, „The Printed Word“.

Das geschriebene Wort wird imitiert, die Schrift selbst ist aber völlig unleserlich. Im Begleittext steht u a.:
„Remember the days when everybody was concerned about legibility, in typography and type design? Ha! the Printed Word is designed with legibility in mind. Use it for mission critical documents, letters to your boss, and even the fine print on that new contract.“
Das finde ich witzig. Und hier schließt sich der Kreis dann auch: Bei diesen Sätzen fiel mir nämlich der obige kleine Schriftgrößen-Disput wieder ein, der mittlerweile fast schon 10 Jahre zurückliegt.
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Herr Preidel besitzt noch eMails von 1996, das muss man auch mal erkennen. 1996 war ich kurz davor, meine erste eMail-Adresse zu bekommen – natürlich bei AOL (örgs). Vom Archivieren der Mails war da noch keine Rede.
Bei E-Mails bin ich bekennender Messie, da kann ich nichts wegwerfen …
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