Jung von Matt und das Mercedes Benz Sound-Logo (Update)
Seit November 2007 schließen alle Mercedes-Benz-Spots mit einem Sound-Logo. Zur Einführung dieses Audio-Logos konnte man damals folgenden schönen Pressetext lesen:
The Mercedes-Benz sound logo is based on an original recording of an English boys choir from the 1990s. Sound engineers extracted a choir boy’s solo vocal from the recording and adapted it for use in the sound logo.
The logo was developed in cooperation with Jung von Matt, Mercedes-Benz’ lead agency.
Oder auch auf deutsch:
Die Töne stammen aus einer Originalaufnahme eines englischen Jungenchores aus den 90er-Jahren. Dabei wurde der Solopart einer Knabenstimme extrahiert und für das Sound Logo technisch aufbereitet.
Die Hamburger Werbeagentur Jung von Matt, seit einem Jahr die Hausagentur von Mercedes-Benz, hat das neue akustische Markenzeichen entwickelt.
Soso.
Sound engineers extracted … bzw. der Solopart wurde extrahiert und technisch aufbereitet. Sicher mit der neuesten Generation von Hitech Audio-Hard- und Software. Und mit Super-Tontechnikern. Und langer Entwicklungszeit. Und nicht zuletzt natürlich auch mit enormem musikalischem Sachverstand. Sollte man meinen.
Wie sich allerdings herausgestellt hat, stammt die Aufnahme mit den drei Tönen offenbar direkt von der Sampling-CD Symphony Of Voices, die jedermann/frau für günstige 300 Euro kaufen kann (bleibt die Frage, wie viel JvM für die „Entwicklung“ wohl berechnet hat):
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Nun ist das ja alles nichts außergewöhnliches. Für die akustische Wiedererkennung sind Neukompositionen nicht unbedingt ein Vorteil. Damit der Rezipient nicht erst eine neue Melodie lernen muss, werden daher immer wieder bekannte Kompositionen lizenziert (dabei dürfte es sich in 99% der Fälle um exklusive Nutzungsrechte handeln): Opel benutzt Claptons Layla, Iglo del Mar benutzt Love is in the Air, Tchibo benutzt Sunny usw.
Aber speziell im Mercedes-Benz-Fall fragt man sich natürlich, wie sich dieses Sample, das mit Sicherheit schon einige tausend Male verkauft sein dürfte, überhaupt schützen lässt? Ist es jetzt bei zukünftigen „Symphony Of Voices“-Versionen nicht mehr dabei? Dürfen alle, die die DVD vorher gekauft haben, dieses Sample weiterhin benutzen? Kann auch Lada diese drei Töne an ihre Spots hängen?
Und ganz abgesehen von den Lizenzfragen finde ich – gerade im Hinblick auf die zitierten Pressemeldungen – diese Geschichte auch sonst ganz schön, ähem, peinlich. Für alle Beteiligten.
Via Daniel per E-Mail
Siehe auch: Mercedes Audio-Logo
Update
Eine weitere Firma ist involviert: Auf der Seite von Bluwi (Achtung, Flashalarm) kann man unter dem Menüpunkt „AUDIO BRANDING“ lesen, dass Idee und Recherche für das Mercedes-Benz Sound-Logo von Bluwi stammen. Möglicherweise im Auftrag von JvM.
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Kommentare:
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Ich würde gerne wissen ob Mercedes davon in Kenntnis gesetzt wurde bzw. ob JvM einfach nur dreist die Öffentlichkeit belogen hat…?
Keine Ahnung, ich hatte nicht allzu viel Zeit für Recherche. Und nachdem ich auf der Global Communications-Unterseite bei Daimler auf der Suche nach einem Ansprechpartner mit „Diese Informationen stehen nur angemeldeten Benutzern zur Verfügung“ begrüßt wurde, verließ mich das Interesse an einer Kontaktaufnahme …
Also rechtliche Probleme sehe ich da keine. Dieser Sound darf auch weiterhin von jedem eingesetzt werden. Nur wenn ich damit meine neu gegründete Automarke bewerbe, sollte ich mich darauf vorbereiten von den Daimler-Anwälten zu hören.
Nico hat Recht. Bei der Fragestellung werden nämlich Urheber- und Wettbewerbsrecht durcheinander geworfen.
Also: urheberrechtlich darf weiterhin jeder, der Nutzungsrechte erworben hat, den Klang verwenden. Wettbewerbsrechtlich kann ein Anspruch auf exklusive Nutzung erworben werden (etwa durch Anmeldung, aber auch durch ausreichende Nutzung).
Gestern hatten wir es noch davon im Fernsehen – ich habe mich mal wieder über dieses Soundlogo aufgeregt. Meine Freundin verdreht schon die Augen, wenn sie nur den Anfang der Werbung sieht, weil sie weiß mit welchem Spruch es von mir endet.
Lediglich bei der Viano-Werbung wurde es in der gleichen Tonlage gut eingebunden. Aber dieses „Du darfst dir was wünschen“ und dann „DO DO DOOOO“ – sorry, aber das geht einfach gar nicht.
Und jetzt ist das auch noch von einem Sampler gut, das ich keinen Stern, sondern lieber einen Löwen auf meinem Fahrzeug trage… :-)
Ob man auf den Löwen so stolz sein sollte… ;)
Und nur, falls jemand interessiert sein sollte, was ich fahre: wie sagte damals so schön der Melitta-Mann – „Ischabegakeinautooo..:“
... Vielleicht hätte ich noch dazu sagen sollen, dass mich das Mercedes-Soundlogo auch nervt. Und jetzt erst recht!
Für andere war das Sound-Logo nicht gut genug.
Na da schau her – gut zu wissen. Wenn das stimmt, das ist es mehr als peinlich. Aber gelinde gesagt, klingt das Soundlogo auch genau so, wie der Arbeitsprozess oben beschrieben wurde. X-beliebig und zudem lange, lange veraltet. Das hätte vor genua 20 Jahren noch zum Stern gepasst. Jetzt löst es eher gähnen aus.
Aber wer weiss – vielleicht steckt dahinter ja eine echte Marketing 2.0 Idee? Alle Welt darf, ja soll das Logo kopieren, um die Bekanntheit der Marke zu erhöhen und Ihr letztendlich das Image eines Volksautos zu geben und den Absatz dramatisch anzuheben…
Jung von Matt…
Moment mal, waren das nicht diejenigen die Ihre Geschäftsführer in Obdachlosen-Kleidung auf die Plakatwerbung von SIXT gedruckt haben?
Wen wundert’s da noch, dass sie nun auch für das Malöhr mit dem Mercedes Benz-Soundlogo verantwortlich sind?
Das Fontblog berichtet: Das Soundlogo wird abgesetzt
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