Liebes Tagebuch (82)
Eigentlich wollte ich ja nur noch positive Dinge in mein Tagebuch schreiben. Aber in diesem Fall muss ich mal eine Ausnahme machen.
Anfang August 2008 bekam ich eine E-Mail von einem gewissen Stefan N., Blogger und Journalist, in der er mich fragte, ob ich mir vorstellen könne, für kein bzw. wenig Geld das Bildblog „designtechnisch zu unterstützen, keine große Sache“. Ja, konnte ich, und nachdem wir noch mal telefoniert hatten, machte ich mich an die Arbeit. Am 19.8. schickte ich ihm einen Link, unter dem er sich meine Vorschläge anschauen konnte.
„Ich melde mich …“
Am 20.08.2008 um 19:39 antwortete Stefan N.:
vielen Dank! Ich bin noch nicht dazu gekommen, melde mich aber morgen mal bei Ihnen.
Am 30.08.2008 um 08:34 schrieb Herr N.:
Bitte entschuldigen Sie, dass ich mich noch nicht gemeldet habe, irgendwie kam immer was dazwischen. […] Soviel schon mal vorab, und dann melde ich mich (wirklich!) übernächste Woche, wenn ich zurück bin.
… nicht.
Nachdem sich Herr N. zehn Wochen später aber immer noch nicht gemeldet hatte, schickte ich ihm am am 8.11. folgende E-Mail:
Hallo Herr N.,
ich finde es ein wenig – sagen wir: befremdend, dass Sie mich um etwas bitten, ich dieser Bitte ein paar Arbeitsstunden widme, und Sie sich anschließend, entgegen Ihren Ankündigungen, nicht mehr melden.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Preidel
Raten Sie mal, was daraufhin für eine Reaktion kam – richtig: Keine. Nix, nada, niente. Es ist nicht zu fassen.
Vielleicht bin ich einfach zu altmodisch, aber mich regen so ein eklatanter Mangel an Respekt und eine solch deutliche Geringschätzung meiner Arbeit und meiner – für nichts und wieder nichts – hergeschenkten Lebenszeit ziemlich auf.
Und was lernen wir daraus?
Wenn so ein unsportliches Verhalten sogar schon in der so genannten „Blogosphäre“ Einzug gehalten hat, wird es höchste Zeit, die kostenlose Unterstützung von irgendwelchen Projekten nunmehr komplett einzustellen. Das ist auf Dauer besser für meinen Hals.
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Kommentare:
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Vielleicht ist die Mail einfach aus Versehen gelöscht worden oder im Junk gelandet? Ich kenne das von seehr vielen Leuten, die dann immer ganz verwundert sind und meist weiterhin behaupten, ich hätte keine Mail geschickt. ;-)
Also lieber noch zwei, drei Klicks machen und die Mail ein weiteres Mal abschicken. Nicht jeder hat seinen Posteingang so vorbildlich sortiert und verwaltet.
Wenn die Reaktion von Herrn N. jedoch weiterhin so ausfällt, wundert mich das schon sehr. Denn sowas gehört sich einfach nicht, wenn man schon etwas kostenlos, bzw. für weniger als üblich erledigt.
Nein, ist nicht im Junk gelandet. Ich könnte mein Verhalten jetzt lang und breit zu entschuldigen versuchen, mit meiner Desorganisation und Prokrastination und ein paar anderen Dingen. Aber das würde nichts daran ändern, dass der Vorwurf stimmt: Dass ich mich noch nicht gemeldet habe, ist respektlos, unprofessionell, unfreundlich und nicht zu entschuldigen. Ich kann nur sagen, dass es keine böse Absicht war und mir leid tut!
OK, jetzt wirds ja erst spannend.
Das war sozusagen der Cliffhanger …. Lindenstrassenendmusik dröhnt durchs Wohngemach…
und wie gehts jetzt weiter?
Na dann hat sich das ja geklärt. Es hätte mich bei Stefan Niggemeier auch schwer gewundert, wenn er das irgendwie böse gemeint hätte.
Übrigens meinen Respekt und meinen Dank an Dich Michael, dass Du eine so tolle Seite wie bildblog.de in dieser Form unterstützt!
Etwas ähnliches habe ich auch mal erlebt: Für ein Projekt der Fachschaft an meiner Fakultät hatte ich zugesagt, eine kleine Website zu „spenden“. Ich arbeitete dann ein Wochenende und habe eine komplett fertige Textpattern-Website übergeben. Seitdem habe ich, auch auf Nachfrage, nie wieder etwas gehört.
Zwar bin ich mir sicher, dass auch hier niemand mit böser Absicht gehandelt hat. Aber das Risiko, meine Zeit auf solch sinnlose Weise zu verschwenden, werde ich kaum noch einmal eingehen.
Tja, mögen die Absichten auch noch so gut sein, entscheidend ist, was hinten raus kommt. Normalerweise lehne ich Gratisarbeit ab, beim Bildblog habe ich eine Ausnahme gemacht, weil ich das grundsätzlich für unterstützenswert halte. Aber zukünftig werde ich auch solche Anfragen dankend ablehnen. Leider gilt in weiten Teilen der Bevölkerung offensichtlich die Gleichung kostenlos = wertlos.
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