Warum mag hier eigentlich niemand Armstrong?
Die Times schreibt laut (Link zu Spiegel.de entfernt):
Armstrong fährt mit Tour de Force in die Geschichte. Sein Abwartespiel zeigte einmal mehr, wie gut der Texaner den stählernen Willen eines Topkillers entwickelt hat.
Ja eben, genau das ist es, was ihn so unsymphatisch und -menschlich macht: sein stählerner Topkillerwillen. Oder mag jemand den Terminator (die schauspielerischen Leistungen jetzt mal völlig außer acht gelassen)?
Aber während andere spekulieren, ob es tatsächlich nur betrunkene Deutsche waren, die Armstrong auf dem Weg zum Gipfel des Alpe d’Huez ausgebuht haben, dürfte klar sein, dass es sich hier nicht – auch wenn das viele gern so sähen – um eine weitere Variante europäischen Antiamerikanimus’ handelt.
Es ist ganz anders: Den Leuten geht einfach nur die arrogante „Was mache ich Heiligabend oder Silvester? Trainieren natürlich – und wer das nicht macht, muss sich nicht wundern, wenn er die Tour nicht gewinnt“-Attitüde gehörig auf den Sack Geist.
Sowas wirkt nicht nur unsouverän, sondern auch kleinmütig, weil man nämlich als Sieger über einen Verlierer nicht herzieht.
Die Klasse eines Indurains oder gar eines Merckx’ wird Armstrong damit jedenfalls niemals erreichen.
Update Januar 2013:
Tja nun, es war nun also doch nicht stählerner Wille, sondern Doping. Und zwar in einem Ausmaß, das es so zuvor noch nicht gegeben hat. Was für ein Loser!
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Kommentare:
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Menschen, die ein Nahe-dem-Tod-Erlebnis hatten – wie Armstrong, der die Ehre hatte seien Krebs zu besiegen – sind oft seltsam. Auch ein bisschen verrückt. Ich las auch, dass die Tour vor Jahrzehnten für die Fahrer beispielsweise echt als Gelegenheit angesehen wurde, Frankreich kennen zu lernen und ich fand das wunderbar. Erstebenswert. Wertgebend. Aber ich verstehe auch Menschen, die vor lauter Verzweiflung nach Grenzerfahrungen zu Aliens werden. Das kann ja auch wieder aufhören. Aber ich verstehe den Mann. Vielleicht sieht er die tour ja irgendwann, wenn die Schmerzverarbeitung vorbei ist, auch als Chance, Frankreich zu sehen. Bis dahin bleibt er stumpf der beste Fahrer. So what. Wenn es ihn weiter bringt.
Blödsinn, wenn es allein die roboterhafte technische Perfektion und die rivalenfressende Arroganz wäre, würde ja auch keiner hier Michael Schumacher die Daumen drücken.
Die Leute in D sind nun mal zumeist – teils aus gutem Grund, teils von den hiesigen Medien konditioniert – Jan-Ullrich-Fans, denen verständlicherweise nichts so sehr aufstößt wie dessen erfolgreicher Rivale. Wenn der noch dazu arrogant und unsymphatisch ist, ist der Kuchen gegessen.
Michael ist ein Romantiker :)
Nun dieses „Maschinenhafte“ ist meiner Meinung nach ein Zeichen der Professionalisierung des Sports.
Man muss die Sponsoren zufriedenstellen. Und dies tut man am besten in dem man gewinnt. Dies wiederum erreicht man nicht, indem man auf gestürzte Konkurrenten wartet oder sich Frankreich anguckt, sondern indem man möglichst konstant gute Leistung erbringt.
Etwas überspitzt formuliert: Man gewinnt durch schnelles Fahren, nicht durch Sportsgeist.
Der Ruf nach „Fair Play“ scheint mir einer eher romatischen Vorstellung von Sport zu entspringen. Man spielt, rennt, kämpft um des sportlichen Wettkampfs willen und geht danach zusammen einen trinken. In Zeiten wo Sieg oder Niederlage womöglich über millionenschwere Sponsorenverträge und somit über die weitere Existenz des Teams entscheiden ist nunmal nicht mehr soviel Platz für menschliches (im übrigen, auch Arroganz ist menschlich).
Natürlich ist das alles etwas überspitzt formuliert. Wenn alles zu professionell läuft und nichts menschliches mehr zu sehen ist, wird es für den Zuschauer langweilig. Aber man sollte nicht vergessen, dass es sich um ein Geschäft handelt. Nicht viel mehr aber auch nicht weniger.
Um zu meiner Überschrift zurück zu kommen, auch ich bin ein kleiner Romantiker. Deswegen bin ich vor einiger Zeit mit mir übereingekommen, solche Medienereignisse zu ignorieren. Lasst sie fahren. Das Geld sei ihnen gegönnt. Aber wenn man Sport sehen will, wäre die lokale Fußballmannschaft (Kreisklasse oder so) eventuell angebrachter.
Und selber machen ist sowieso am gesündesten…
in diesem Sinne und mit freundlichen Grüßen,
alterSchwede
P.S.: Und was das Ausbuhen und Beschimpfen angeht, sowas gehört sich nicht. Egal wer auf der anderen Seite ist.
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