Liebes Tagebuch (48)
Während wir gestern im A-Trane auf den Auftritt von Joyce warteten, wurde irgendeine im Studio aufgenommene Live-DVD von Till Brönner und Mitmusikern an die Wand gebeamt. Und wir waren uns (mal wieder) einig: Till Brönner kann nicht singen.
Bzw. kann er es irgendwie natürlich doch (so wie jeder Mensch es kann), aber seine Stimme ist bestenfalls mit dem Adjektiv ausdruckslos zu beschreiben. Dabei hätte er das Singen gar nicht nötig, hatte er auf der DVD doch eine Background-Sängerin dabei, die zumindest bei einem Stück auch mal im Foreground zeigen durfte, was sie hervorragend kann: nämlich Singen. Und auch Till Brönner zeigte zwischendurch, wofür er ganz sicher geboren worden ist: zum Trompeten.
Ich werde z. B. nie den Auftritt Silje Nergaards im Tränenpalast Anfang dieses Jahrhunderts vergessen, als Brönner nach der Pause überraschend und ungeplant auf die Bühne kam und bei ein paar Stücken buchstäblich gänsehauterzeugend mitblies – das waren noch Zeiten! Da waren die Rollen noch klar verteilt: hier Gesang, dort Flügelhorn; jeder eben so, wie er kann.
Und nun das: Till Brönner singt White Christmas. Und zwar so dermaßen lifestylig-nichtssagend und unweihnachtlich, dass man sich fragt, warum er die CD, von der das Stück stammt, nicht schon anlässlich der Umstellung auf die Sommerzeit im April herausgebracht hat.
Man verstehe mich bitte nicht falsch: Geld verdienen ist erst mal nichts Schlechtes. Der Dalai Lama muss das, ich muss das und auch Till Brönner muss das. Wenn es denn allerdings irgendwann nur noch ums Geld geht und dabei dann auch der letzte Anspruch der kalkulierten Seichtheit geopfert wird, wird’s unerträglich.
Schade. Jedenfalls in diesem Fall.
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Kommentare:
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Die Kritik an der lifestylesken Interpretation ist ja berechtigt und wenn man sich dabei auch noch den begleitenden Film ansieht, kommt man durchaus ins Grübeln, welchem Traum das entsprechen sollte und ob „White Christmas“ nicht nur eine Metapher ist für eine blonde Brünette mit schwarzem Haar.
Klar, das ist Kommerzkacke, aber andererseits richtet sich die Kritik gegen den „nichtssagenden“ Gesang, der obendrein noch „unweihnachtlich“ sei. Da will ich jetzt nicht drauf rumreiten und fragen, wie man denn sagend singen kann und wie man weihnachtlichen Gesang zu bewerkstelligen hat. Ich find das Stück, für einen Traum, fast angemessen gesungen, rein stimmlich.
Hallo!
Erstmal vorweg: Ich habe diese Seite über MacLife entdeckt (Vielen Dank für die feine Designer Toolbox! :-)) und fand sie so gut, dass ich seitdem regelmäßig mit Vergnügen hereinschaue.
Zum Thema Jazz und Seichtigkeit möchte ich gerne Einiges anmerken:
Na gut, der Lifestyle hat den Jazz (mal wieder) entdeckt bzw. das, was momentan unter dem Begriff Jazz verkauft wird. Das ist ja hauptsächlich Swing, weil der praktischerweise erkennbare Melodien hat, bei denen jeder mitschnipsen und sich deshalb für einen Jazzkenner halten kann. Und wie bei allem, was von der Industrie auf Massen- und Konsumtauglichkeit getrimmt wird, sind die Produkte eher glatt und seicht. „Fahrstuhl-“ oder „Zahnarztmukke“ sagte man früher gerne dazu, heute nennt man es wohl Loungemusik. Trotzdem ist mir Musik z.B. von Roger Cicero oder Michael Bublé (die ich zwar mag, aber nicht im eigentlichen Sinn als Jazz bezeichnen würde) immer noch lieber als der Großteil des Gedudels, mit dem ich sonst so berieselt werde.
Unter diesen Gesichtspunkten wirken Künstler wie Till Brönner oder Jamie Cullum doch schon fast wie Hard-Core-Jazzer. Natürlich haben auch solche Leute auf ihren Alben immer zwei oder drei seichtere Titel, die „charttauglich“ sind. Schließlich bezahlen die Firmen sie dafür, dass sich ihre Produkte verkaufen lassen, das ist doch nichts Neues und, wie ich finde, auch nichts Verwerfliches. Mein Vorschlag: Einfach etwas Milde walten lassen und sich dann an den nicht so glattgebürsteten Songs oder sogar ganzen Alben erfreuen, die mit den paar gängigeren Titeln ermöglicht wurden ;-)
Ein echtes Ärgernis und Negativbeispiel dafür, was im Moment als Jazz verkauft wird, ist für mich da schon eher das letzte Album von Joy Fleming. Die hat ja früher durchaus mal unter Beweis gestellt, was sie drauf hat. Und wenn so jemand dann Stimme und Namen für solch einen – mit Verlaub gesagt – Bockmist hergibt, kann ich dafür eigentlich nur noch zwei Gründe vermuten: a.) akuter finanzieller Notstand oder b.) sie singt halt einfach alles, was ihr vorgesetzt wird.
Schöne Grüße :-) Waltraud
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