Liebes Tagebuch (172) – Musikhören
Musik ist Mathematik, finde ich. In der Mathematik gibt es zehn Ziffern, in der Musik gibt es es 12 Töne. Was man damit machen kann, ist unendlich – theoretisch. Praktisch haben wir aber auch das Einmaleins bzw. Schlagermusik mit drei Akkorden. Um im Bild zu bleiben: Jazz ist höhere Mathematik. Nicht für jeden verständlich. Muss ja auch nicht. Jedenfalls habe ich heute seit wirklich langer Zeit mal wieder ein komplettes Album von vorn bis hinten durchgehört. Mit Kopfhörern. Nur zweimal, familienbedingt, kurz unterbrochen. The Unity Sessions von Pat Metheny. Rückblende: In diesem Blog gab es mal die Reihe „Die beste Gitarristen der Welt (jedenfalls für mich)“. Ich habe sie nach drei Folgen schon wieder eingestellt, ohne überhaupt in die Nähe der besten Gitarristen für mich gekommen zu sein. Ich handele das jetzt noch mal schnell in zwei Zeilen ab: John McLaughlin (der mit Shakti Musikgeschichte geschrieben hat), Baden Powell, Paco de Lucia, der viel zu früh gestorben ist, und Sabicas sind meine Helden. Und selbstverständlich Pat Metheny, mit dem ich sozusagen aufgewachsen bin. Und von dem ich denke, dass er einer der komplettesten Jazzmusiker der Jetztzeit ist. Habe ich vor zwölf Jahren in diesem Blog schon mal so ähnlich postuliert. Und jetzt zu etwas ganz anderem: Seit 1998 wandele ich meine CDs in mp3-Dateien um (angehört habe ich sie damals mit SoundJam MP, dem Vorläufer von iTunes). Und seit es den iTunes-Store gibt, kaufe ich gar keine CDs mehr, sondern gleich Dateien. Mein Musikhörverhalten hat sich indes seitdem ebenfalls verändert: Musik wurde mehr und mehr zum Hintergrundvergnügen. War es damals, zu LP- bzw. CD-Zeiten noch ein Ritual, ein Album auszusuchen, was man dann (mehr oder weniger) konzentriert anhörte, hört man heute leider überhaupt nicht mehr zu. Man drückt stattdessen den Spotify- oder Napster- oder iTunes-Zufalls-Knopf und lässt die Stille übertünchen, um irgendeine Atmosphäre herzustellen. Das ist – schon wieder ein Bild! – so ein bisschen wie diese unsäglichen Duftverströmer, die sich manche Menschen in die Wohnung stellen. Furchtbar. Heute Abend habe ich beschlossen, den Musiknebenbeikonsum einzuschränken, und zukünftig wieder bewusster zuzuhören.
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Kommentare:
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Sehr schön, genau meine Meinung. Für mich geht Musikhören wie Filmeanschauen, ganz oder gar nicht und wenn, mit höchstmöglicher Qualität bitte. Durch diesen Anspruch fällt Streaming-geblubber und nebenher fast automatisch weg. Sogar die früher so geliebten InEar Kopfhörer werden kaum noch verwendet wenn man weiss wie es optimal klingen kann. Übrigens auch gerne Pat Metheny dessen Konzertetouren, wenn in der Nähe zu Gast, ich in den letzten 30 Jahren fast alle besuchen durfte.
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