Sonos’ Schrottprämie und die Nachhaltigkeits-Farce
Als ich mich vor einiger Zeit in meinen Sonos-Account einloggte, wurde mir ein „Trade Up“ vorgeschlagen: Sollte ich freiwillig meinen Sonos Play:5 Lautsprecher verschrotten (von Sonos als „Recycling“ euphemisiert), bekäme ich im Sonos-Store 30% Rabatt auf ein neues Produkt:
Ähem, wie bitte? Ich soll ein einwandfrei funktionierendes Gerät, das noch keine sechs Jahre alt ist, ohne Not auf den Müll werfen und mir ein neues kaufen? Warum? Und wie passt das mit dem auf der Website so vehement formulierten Nachhaltigkeits-Anspruch von Sonos zusammen?
Und wie vereinbart Sonos so ein Angebot mit seinem Langlebigkeits-Anspruch? Was ist mit dem Versprechen, dass, „wenn schließlich die Zeit gekommen ist, dass ein Produkt in den Ruhestand gehen muss“, Sonos eine umweltgerechte und verantwortungsvolle Lösung fürs Recycling anbieten wird?
Von alldem ist beim aktuellen „Trade Up“ überhaupt keine Rede mehr. Wodurch sich die ganzen Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Langlebigkeitsphrasen auf der Sonos-Website in reines Marketing-Bla-bla verwandeln. Wahrhaftigkeit kann ich dahinter jedenfalls nicht erkennen. Und überhaupt: Wie und warum entscheidet Sonos, wann „die Hardware nicht mehr Schritt halten kann“?
Nachhaltigkeit?
Dass man sich alle fünf, sechs Jahre ein neues Handy kauft – okay. Und dass ein 15 Jahre alter Rechner nicht mehr leistungsfähig genug ist, eine Website von heute flüssig darzustellen – ist leider so.
Aber hier geht es um Lautsprecher! Die Signale, die die verarbeiten, sind die gleichen wie vor 25 Jahren – wozu genau brauche ich dann also ein „leistungsfähigeres“ Gerät?
Update-Wahn
Ich war anfangs durchaus angetan, als Sonos den Play:1 auf den Markt brachte. Schicke Netzwerklautsprecher, einfach bedienbar, ausreichender Klang für Hintergrundbeschallung.
Aber:
Seit 2018 gibt es den unabwendbaren Zwang zur Registrierung – wenn man die verweigert, stellt Sonos die Geräteunterstützung ein. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sind die Daten, die meine Lautsprecher permanent und ungefragt an Sonos senden, alles andere als anonym.
In den letzten Jahren habe ich im Schnitt alle zwei Wochen ein App-Update installieren müssen (also ungefähr jedes Mal, wenn ich die App benutzen wollte). Und nein, das ist nicht gefühlt so, das ist die Realität. Und da sind die Hardware-Updates noch nicht mal dabei. Abgesehen davon, dass diese Update-Frequenz ein ziemlich schlechtes Licht auf die Programmierer wirft – Kundenfreundlichkeit ist was ganz anderes.
Und dass die App im Laufe der ganzen Updates in irgendeiner Hinsicht bedienungsfreundlicher geworden wäre, kann man schon gar nicht behaupten – ganz im Gegenteil.
Und nun?
Wir kaufen keine Sonos Produkte mehr – uns ist das Risiko, in Geräte zu investieren, die vom Hersteller willkürlich abgeschaltet werden, weil er meint, sie seien nicht mehr leistungsstark genug, einfach zu groß. Nochmal: Es handelt sich hier um Lautsprecher, die simple WLAN-Signale empfangen und verarbeiten!
Aber ich hoffe, dass Sonos unsere Play:1 und den Play:5 noch eine Weile am Leben lässt. Die erledigen hier anstandslos ihre Arbeit, dank Airsonos sogar als Airplay-Lautsprecher. Wenn sie dann, weil Sonos meint, ihre Zeit sei schließlich gekommen (und das ist nach dieser unsäglichen „Trade Up“-Aktion ja leider abzusehen), in den „Recycling-Modus“ versetzt oder einfach softwareseitig nicht mehr unterstützt werden, bekommt Sonos sicher einen Ehrenplatz auf der Liste der Elektronikschrott-Produzenten.
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Kommentare:
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Vielleicht kann man sich in ein paar Jahren an Sonos genauso wenig erinnern, wie an die anderen auf der Liste ;)
Das ging schneller als erwartet …
Das macht mich extrem wütend und traurig. Der User sollte doch selbst bestimmen können… ob die neuen Features genützt werden wollen… oder eben nicht. Man wird eigentlich dazu gezwungen funktionale Geräte zu „entsorgen“. Die Frage ist halt… was gibt es für gute Sonos Alternativen?
@Herr P: Haarsträubend. Ich frage mich, was diejenigen machen, die sich ab Mai einen Sub oder ähnliches kaufen, der sich dann aufgrund der vorinstallierten Software nicht mehr in ein vorhandenes Netz integrieren lässt, weil dort noch ein Play:5 mitspielt?
Es geht ja nicht um Leute, die sich einen One für die Küche kaufen – die interessiert das alles sowieso nicht. Hier geht es um Leute, die jahrelang vertrauensvoll in ein komplettes System investiert haben. Die jetzt alle vor den Kopf zu stoßen, halte ich für ziemlich dumm. Und erzähle mir keiner, dass die Lautsprecher ja weiter funktionieren würden – wenn Spotify nur ein Byte seiner API ändert, sind unsere vier Sonos-Geräte ab Mai relativ nutzlos.
Erinnert sich noch jemand an Quark Inc.? Das war in den Neunziger Jahren mit QuarkXPress der unangefochtene Platzhirsch des Desktop Publishing. Arroganz, Selbstüberschätzung und völlige Taubheit gegenüber den Usern machten aus dem einstigen Hochpreisprodukt eins, was kostenlos einigen Computermagazinen beigelegt wurde, damit es überhaupt noch jemand benutzte.
Könnte sein, dass Sonos einen ähnlichen Weg geht, Zumindest haben sie die Problematik als Börsenunternehmen in ihrem Geschäftsbericht vom November 2019 schon mal erkannt (Seite 17):
We may choose to discontinue support for older versions of our products, resulting in customer dissatisfaction that could negatively affect our business and operating results.
We have historically maintained, and we believe our customers may expect, extensive backward compatibility for our older products and the software that supports them, allowing older products to continue to benefit from new software updates. We expect that in the near term, this backward compatibility will no longer be practical or cost-effective, and we may decrease or discontinue service for our older products. If we no longer provide extensive backward capability for our products, we may damage our relationship with our existing customers, as well as our reputation, brand loyalty and ability to attract new customers.
For these reasons, any decision to decrease or discontinue backward capability may decrease sales and adversely affect our business, operating results and financial condition.
@Antonio Lopez: Ich recherchiere gerade nach Alternativen. Sobald ich was weiß, schreibe ich einen Blogeintrag …
Alte Anlage, Raspi und shairport, fertig ist die Laube und Sonys und co. dürfen das Gras wachsen hören.
Ein Netzwerkstack hat in einem Lautsprecher nichts zu suchen.
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