Andere Länder, andere Sitten
USA
Vor drei Jahren fragte mich jemand aus den USA per E-Mail, ob er mein Weblog-Design für sein eigenes Blog lizenzieren könne. Ich schrieb ihm zurück, dass ich ihm selbstverständlich eine kostenlose Lizenz erteilen würde, sofern er sie nicht weiterverteilen oder verkaufen würde. Seine Antwort:
Thanks for your reply, Michael.
I feel that is important to pay for things which have real value, so in this case I don’t mind paying if a price is reasonable. I am often proud of the work I do, and while I sometimes give things away for free, sometimes it is also nice to be rewarded in some way.
[...]
At the very least, let me know if you have a „wish list“ on Amazon, and I’d be happy to thank you with a gift.
Ich finde es wichtig, für Dinge zu bezahlen, die einen echten Wert besitzen, deshalb macht es mir in diesem Fall überhaupt nichts aus, einen angemessenen Preis zu zahlen. Ich bin häufig stolz auf meine Arbeit, und obwohl ich manchmal Dinge verschenke, ist es manchmal auch ganz schön, irgendwie entlohnt zu werden.
[...]
Zuallermindest lass mich wissen, ob du eine „Wunschliste“ bei Amazon hast, ich würde mich freuen, dir mit einem Geschenk zu danken.
Geld wollte ich wirklich keins von ihm, also habe ich ihm den Link zu meiner Wunschliste geschickt, und schon ein paar Tage später kam ein Paket von Amazon. Das Design wurde übrigens dann doch nie benutzt, weil das geplante Blog gar nicht eingerichtet wurde.
Deutschland
Vor einigen Wochen fragte mich jemand aus Deutschland, ob er mal in meinen Quellcode schauen dürfe, er fände diese Idee mit dem feststehenden transparenten Header so super, wie ich das denn gemacht hätte, bestimmt mit Javascript oder so. Ich erklärte ihm, wie so etwas grundsätzlich funktioniert (mit CSS), bei welchen Browsern man aufpassen muss, dass ich auch Conditional Comments einsetze und schrieb dazu:
Sie dürfen gerne in den Quelltexten und CSS-Dateien herumstöbern, da habe ich überhaupt nichts gegen. Wenn Sie den Effekt auf einer eigenen Website umgesetzt haben, können Sie mir ja mal einen Link schicken.
So weit, so gut. Ein paar Wochen später erhielt ich eine E-Mail:
Hallo, sie wollten ja gerne mal das Resultat sehen.
[...]
Das Resultat habe ich zuim runterladen auf www.joomla.de bereitgestellt
http://www.joomlaos.de/Downloads…
Aha. Sieh mal an. Da bastelt der Typ meinen Header nach, packt das ganze in ein Template und stellt es anschließend für jedermann zum Download zur Verfügung (aktueller Downloadstand: 753 plus 604 für die Version 1.5 ). Und erwähnt natürlich mit keiner Silbe, woher die Inspiration stammt.
Ich schrieb ihm also, dass ich davon ausgegangen sei, dass er den Header für sich nutzen wolle, und nicht für ein frei herunterladbares Template. Und dass ich in diesem Fall zumindest eine Quellenangabe für angemessen gehalten hätte, was aber heutzutage augenscheinlich zu viel verlangt sei.
Paralleluniversum
Nun könnte man vielleicht annehmen, jetzt wäre so etwas ähnliches wie eine Entschuldigung an der Reihe gewesen – Pustekuchen:
Scheinbar würden sie dafür das ich ihre Idee verwendet habe noch am liebsten Geld verlangen. Manche Web-Designer sind wohl so, musste ich des öfteren bei solchen Kleinigkeiten erfahren.
[...]
Ist das zu fassen? Jetzt wird er auch noch pampig! Gebietet nicht eigentlich schon die rudimentärste Kinderstube, dass man fremde Ideen nicht als seine eigenen ausgibt? Erst recht nicht, wenn man den Urheber vorher sogar noch ausdrücklich um Unterstützung gebeten hat? Nein, offensichtlich nicht.
And the times, they aren’t …
Wie man sieht, hat sich in den letzten vier Jahren an der hierzulande weit verbreiteten nehmen ist seliger denn geben-Mentalität nicht allzu viel geändert.
Dazu passt auch, dass es der Gewinner des nagelneuen Buchs (mit dem ich vor sechs Wochen eigens zur Post geradelt bin, um es dort für 5,40 Euro aufzugeben) bisher auch noch nicht für nötig befunden hat, wenigstens kurz zu signalisieren, ob es angekommen ist – geschweige denn, mal dankeschön zu sagen.
Kostenlos = wertlos
Und genau deshalb gibt es die Designers Toolbox seit Version 1.5 auch nicht mehr umsonst. Dinge haben nämlich offensichtlich viel mehr Wert, wenn sie etwas kosten: Von den 51.758 Downloadern der freien Version habe ich vielleicht von zweien oder dreien eine E-Mail erhalten – aber von den knapp 200 Rotweinspendern haben sich immerhin 63 mit Lob oder Tadel gemeldet. Auf die Spenden bin ich ganz sicher nicht angewiesen, aber durch die Rückmeldungen habe ich nicht mehr das Gefühl, dass meine Arbeit in einem schwarzen Loch verschwindet. Und nur so behalte ich die Motivation für weitere Updates.
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Kommentare:
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Ich bin sprachlos, da wäre ich auch sowas von sauer. Da kommen Rachgefühle auf, so eine Frechheit. Da fällt mir grad nix anderes dazu ein!
Der Ärger ist absolut verständlich!
Tut mir leid, das zu hören. Ist echt eine Frechheit, was der da macht. Vorallem dann noch so zu reagieren… bei manchen Leuten fragt man sich echt, was in der Erziehung falsch gemacht wurde :-(
Ärger Dich nicht zu sehr darüber…
Ich denke mir immer: Wenn es keine Ar***löcher gäbe, würde man vielleicht all die, die nicht so sind, nicht zu schätzen wissen ;-)
Sofort einen Vergleich zwischen USA und Deutschland zu ziehen, finde ich etwas übertrieben. Und letztlich hat der Übeltäter die Idee ja ebenfalls für einen mehr oder weniger guten Zweck verwendet, indem er das Template kostenlos anbietet. Weshalb ich den Ärger nicht so ganz nachvollziehen kann. Entweder verschenkt man etwas – oder man möchte etwas dafür haben, in welcher Form auch immer.
Was ich abgesehen davon aber sehr gut nachvollziehen kann, ist die Sache mit dem „kostenlos = wertlos”. Meine beiden Projekte MOSAIC MINI und MoreCSS erfreuen sich reger Nachfrage, aber Kontakt mit den Nutzern habe ich nur dann, wenn es Probleme gibt. Bei MOSAIC 2 hingegen (als einziges meiner kleinen Projekte nicht kostenlos), erhalte ich von rund 50 % der Nutzer immer auch eine E-Mail mit freundlichem Feedback. Offenbar gilt bei vielen: Preis = Wert. Bei Dienstleistungskunden ist es auch nicht anders. Einem Kunden habe ich vor ein paar Wochen eine kleine Arbeit nicht in Rechnung gestellt, da ich es nach einer gewissen Zeit für angemessen hielt, mich für die Treue erkenntlich zu zeigen. Da kam nicht einmal eine Antwort… Aus Fehlern lernt man.
Hallo Michael,
Dein Beitrag ist mehr als gerechtfertigt!
Viele Grüße
Oliver
Hallo,
ich bitte um Entschuldigung. Das Buch ist schnell und wohlbehalten angekommen. Ich wollte es Ihnen per E-Mail schreiben, hatte auch eine angefangen, war dann aber mit dem Text noch nicht ganz zufrieden, worauf die Mail dann aufgrund unzureichender Koordination in den Entwürfen liegen blieb. Darum nun auf diesem Wege: Dankeschön.
Ach, ich glaube nicht, dass das ausschließlich auf die nationalen Unterschiede zurückzuführen ist. Sicher spielt das mit rein, aber auch „über’m großen Teich“ gibt es viele Leute, die lieber nehmen denn geben. Ich kann Deine Entscheidung gut nachvollziehen, das ist sicherlich etwas frustrierend.
Ich bin sehr gespannt darauf, wie sich die Downloadzahlen jetzt entwickeln werden.
@ _nicolas: Es geht nicht ums Verschenken oder nicht, sondern um ein Mindestmaß an Respekt dem Urheber einer Idee gegenüber, und zwar in Form einer Quellenangabe. Ich freue mich, wenn meine Tipps, Tutorials und Ideen angewandt werden – aus dem Grunde veröffentliche ich sie –, aber mein Blog ist wahrlich kein Selbstbedienungsladen, aus dem man wahllos Sachen klauen kann, die man dann als eigene verkauft. Das war übrigens nicht das erste Mal, aber dass man mich vorher sogar noch um Unterstützung bittet, ist schon einmalig.
Und natürlich sollte das kein genereller Ländervergleich sein (okay, ich gestehe zu, dass man das so auffassen könnte, aber der Titel bot sich einfach an) – hier werden einfach nur die Reaktionen zweier Menschen aus zwei unterschiedlichen Ländern in der gleichen Angelegenheit beschrieben. Und die sind nun einmal sehr unterschiedlich.
@ Martin: Entschuldigung angenommen ;-)
Besonders ärgerlich ist es dann, wenn man mal wieder (egoistisch wie man so ist) nach seinen eigenen Werken goo…ähm…suchmaschint, Plagiatsseiten findet und dann auch noch Blogs oder Newsseiten findet, die das Plagiat als Quelle verlinken. Da geht man dann schon mal unter die Decke. Aber was will man da schon ausrichten, Mails mit „du, du, du, ICH bin aber die Quelle“ zu schreiben ist mir dann auch zu blöd, man will sich ja nicht auf das Niveau der MAFIAA herunterlassen.
Dann kommt dabei das Problem der Schöpfungshöhe, ich kann mich erinnern, dass ich vor vielen Jahren auch mal einen transparenten, fixed-balken gebaut hab, der aber in allen gängigen Browsern, die das unterstützten, so träge war, dass ich es schnell wieder verworfen habe ;). Wenn man das gesamte Farbschema etc. kopiert ist das natürlich etwas anderes. Schließlich gilt aber IANAL und man weiß nicht, was jetzt schützenswert ist und was nicht.
Vielleicht bin ich deshalb so ein Fan von Copyleft-Lizenzen geworden, falls es denn mal jemand für nötig hält sich daran zu halten :(
Auch wenn der Deutsche natürlich absolut ungerechtfertigt gehandelt hat, muss ich vor der Handlungsweise des Amerikaners wirklich den Hut ziehen.
So hätten sicher nur die Wenigsten gehandelt.
Vielleicht deswegen sind die Amis durch z.B. solche Anerkennung innovativer als wir hier…
Du erlebst mE einen Nebeneffekt der Kostenlos-Kultur, verbunden mit der latenten Bedrohung durch Google, jeden mit einer „Gegenleistung“ erworbenen Link irgendwie negativ zu werten – zuerst mal für den Linkgeber, später für den Linknehmer oder eventuell in ein paar Monaten auch für das gesamte Universum.
Kein Wunder, dass die guten Sitten und sowas wie Zitierkultur damit ausdünnen.
Als Musiker mache ich oft die selbe Erfahrung: je mehr die Leute als Gage zu zahlen bereit sind, desto besser wird man oft auch behandelt bzw. die Musik wertgeschätzt. Wobei ich die Gagenhöhe immer in Relation zur finanziellen Potenz des Auftraggebers sehe – nicht, dass das jetzt jemand missversteht und glaubt, nur Reiche hätten Geschmack und Stil …
Bin vor kurzem beim Hugendubel über einen Bildband gestolpert, der von mir bearbeitete Bilder enthielt, natürlich ungefragt. Der Bildband kostet übrigens 90 €, nur ich habe nie Dank oder auch nur einen Cent für meine Arbeit gesehen.
Kann also den Ärger nachvollziehen…
Habe mich vor ein paar Stunden erst wieder über einen Seitenbetreiber geärgert, der auf seiner Seite ursprünglich von mir erstellte Inhalte beinahe unverändert wiedergab. Wie ich auf die Seite aufmerksam geworden war? Der Typ hatte vor ein paar Tagen per E-Mail angefragt, ob ich an einem Linktausch interessiert sei…
Hallo Michael,
leider haben viele Menschen kein Gefühl mehr für Anstand und Ehre, ein Rückrad suchen Sie meist auch an einem Fahrzeug. In der Vergangenheit durfte ich am eigenen Leib erfahren wie dreist, oberflächlich und vorallem undankbar die meisten so sind.
Eine Zeit lang habe ich für Joomla! public Templates erstellt (recht erfolgreich) und was ich in dieser Zeit so alles „erleben durfte“ ist teils unfassbar! Selbst ausführliche „Hilferufe“ auf meinen damaligen Seiten scherte die meisten wenig—> es wurde weiter geklaut und ignoriert.
Es ist ein Trauerspiel, dass die Arbeit einiger weniger, die auch noch dazu bereit sind zu teilen, so wenig respektiert wird und man auch noch einen kräftigen Tritt in der Allerwertesten erhält.
Ich glaube aber weiterhin: „Alles wird gut“! ;-)
Viele Grüße aus Hamburg
Alex
Es bleibt einem kaum etwas übrig als fassungsloses Staunen über die Ignoranz mancher, welche sich mit einem Selbstverständnis an Geschützten Designs, Programmen oder Ideen bedienen und diese z. T. sogar als ihr eigenes Erzeugnis, ihr Eigentum ausgeben… Da wird sich in der Hoffnung, beim klageberechtigten Autor nicht aufzufallen, geschützt durch die Größe des Webs, auf eine Art gesuhlt, dass einem diese Dreistigkeit sprichwörtlich aufstoßen könnte. Es bleibt dennoch zu hoffen, dass der größere Teil der Benutzer von Design, Programmen und Ideen sich korrekt verhalten kann als auch die Arbeit entsprechend zu schätzen weiß.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön Herr Preidel für Ihren lesenswerten Blog und dessen nette ambiente Gestaltung.
lg
Joachim Dörr
Hier eine kleine Gegendarstellung meinerseits. Ich bitte den Herrn Preidel um Rückantwort und auch nochmal auf diesem Wege um entschuldigung.
http://www.schaffenskraft.info/neuigkeiten/55-ideenlink-der-arausio-macula-templates.html
Okay, auch in Würdigung der Tatsache, dass Sie die Inspirationsquelle bei Ihren Templates jetzt ausdrücklich erwähnen, ist Ihre Entschuldigung natürlich angenommen.
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