Gestalteralltag: Die Evolution eines Logos
Mitte der 1990er entstanden in Deutschland die ersten Tafeln. 1996 gründete die Soziale Hilfe e.V. zusammen mit dem Caritas-Verband auch in Kassel eine Tafel. Ich erhielt damals den Auftrag, das Logo zu gestalten. Nach diversen Entwurfsskizzen, bei denen u. a. natürlich auch Messer und Gabel nicht fehlen durften, entstand der erste Entwurf, der allen gefiel:

Mir selbst war das allerdings noch ein bisschen zu langweilig und viel zu brav. Hier ein weiterer Entwurf, bei dem die Meinungen zwar ein wenig auseinander gingen, der dann aber genommen wurde:

Kurz bevor die Kommunikationsmittel (Plakate, Leporellos, Handzettel, Stofftaschen) allerdings in Druck gehen sollten, mehrten sich im Beirat einige Stimmen, denen das Logo zu gewagt war. Der Hauptkritikpunkt war, dass man das Fischskelett auch so verstehen könne, dass man die Bedürftigen mit Resten oder gar abgeknabberten Fischen abspeisen wolle. Da sich weder für noch gegen den Entwurf eine Mehrheit fand (es gab auch einige glühende Befürworter), bat man mich um eine Überarbeitung.
Nach einem weiteren Zwischenschritt entstand dann die endgültige Version, mit der alle rundum zufrieden waren:

Am 11.11.1996 gab es schließlich die Eröffnungsveranstaltung. Die im Vorfeld verteilten DIN A5-Handzettel wurden aus Kostengründen nur einfarbig produziert, aber auch schwarz/weiß funktionierte das Logo:

Das Projekt lief so gut an, dass die Arbeit nicht mehr nebenbei erledigt werden konnte. Ein gutes halbes Jahr später wurde deshalb von ehrenamtlichen Mitarbeitern ein Verein gegründet, die Kasseler Tafel e.V., die mit meinem ursprünglichen Auftraggeber, der Sozialen Hilfe e.V., nichts mehr zu tun hatte.
Im Zuge der Übernahme sämtlicher Aufgaben und Verantwortlichkeiten änderte der neue Verein dann auch gleich das Logo – seit Mitte 1997 sieht es so aus:
Das aktuelle Logo der Kasseler Tafel (Gestalter unbekannt) – Screenshot von der Website der Kasseler Tafel e.V.
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Kommentare:
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Die Typo Ihres ersten Entwurfes ist aber nicht Ihr Ernst gewesen, oder doch? Die Bildmarke gefällt ja durchaus, aber die extreme Sperrung der Buchstaben „T A F E L“ macht meines Erachtens alles wieder kaputt.
Ich sehs wie Gerrit, aber die Sperrung/der Schriftzug wäre korrekturfähig/verbesserungsfähig gewesen. Es ist also trotzdem schade darum. Schöne Idee!
Das schreit nach einer Initiativ-Bewerbung um Redesign.
@Gerrit: Das aktuelle Logo ist nicht von mir.
@Senfmeister: Zum Thema Initiativ-Bewerbung: Soweit ich das damals mitbekommen habe, sind die Verantwortlichen einigermaßen beratungsresistent.
Im übrigen finde ich die gesperrte Typo meines Entwurfs gar nicht so schlimm, aber möglicherweise würde ich das heute auch anders lösen.
Gerrit hats schon richtig eingeschätzt, glaube ich – im neuen Logo ist ja keine Sperrung drinne.
Mir wäre die Sperrung auch zu heftig. Aber immerhin ist das auch schon ein paar Jährchen her… :)
Und das „neue“ Logo ist natürlich keine Diskussion wert – alleine der Font Kabel an sich ist schon ein typografischer Knieschuss!
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