Amazon-Account Phishing-Mail in neuer Dimension
Bisher konnte man relativ sicher davon ausgehen, dass eine Mail, in der man mit Namen und kompletter Post-Adresse angesprochen wird, echt ist. Bis gestern. Da bekam ich diese Mail:
Überflüssig zu erwähnen, dass unter dem Link www.mandat-kontenregistrierung.de/bestaet/kdNr/eingabe/ eine perfekte Kopie der Amazon-Login-Seite zu finden war – und bis jetzt (28.3.15, 13.00 Uhr) auch immer noch ist. Die Mail, die ich an Amazon weitergeleitet habe, kam von einem Server aus Hongkong.
Ich habe zur Zeit keine blasse Ahnung, wen die Phisher gehackt haben, um an diese Daten zu gelangen, aber ich kann mir vorstellen, dass mehr Menschen als sonst auf diese Mail hereinfallen. Beängstigend.
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Kommentare:
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Hallo Herr Preidel,
wenn mich so etwas interessiert, schaue ich ins Internet-Archiv der Wayback-Machine:
Da dort nichts steht, denke ich, dass es sich um eine neue Seite handelt…
Gruß Tim
Die Domain selbst ist bei Sedo geparkt, und laut Denic sind die (mit absoluter Sicherheit gefälschten) Inhaberangaben am 27.3. zuletzt bearbeitet worden – alles schon gecheckt ;-)
Habe diese Mail auch vor kurzem bekommen. Sie enthielt allerdings eine mehrere Jahre alte Adresse.
habe diese Mails auch bekommen, ebenfalls mit veralteter Adresse.
Ah, noch welche.
Genau aus dem Grund nutze ich seit einigen Monaten zur Registrierung im Netz nur noch eindeutige E-Mail-Adressen. Hierzu habe ich mir eine Catch-All-Adresse zu einer Subdomain angelegt, die (also die Subdomain) ich nur für Account-Registrierungen nutze (keine öffentliche, denn Catch-Alls sind ja sehr spamgefährdet). Vor dem "ät"-Zeichen steht dann eindeutig zuordenbar die Domain. Also sowas wie: qxm.de@secretsub.schlaubergen.de
Diese Spam (mit korrekter Postanschrift) kam über eine Adresse, mit der ich mich im Oktober 2014 erstmalig in einem Onlineshop registriert habe. Bei mir ging der Link jedoch zu:
h**p://www.abgleichs-legitimationsabgleich.de/eingabe/kunde/bestaet/
Auf meine E-Mail noch am Tag des Erhalts (22.3.) erhielt ich einen Tag später folgende Antwort:
herzlichen Dank für Ihr Mail, dessen Inhalt wir sehr ernst nehmen.
Nach einer ersten Überprüfung haben bisher weniger als 10 Kunden unseres Shops diese Phishing-E-Mail erhalten, d.h. ein flächendeckendes "Abgreifen" von Daten scheint nicht erfolgt zu sein. Zur Zeit gehen wir davon aus, dass unser Server keine Lücken für einen Datenverlust offen lässt, da wir ein System installiert haben, das jegliche Änderung an der Software anzeigt und protokolliert.
Da allerdings E-Mail-Adresse und Versanddaten auch an unseren Versandpartner DPD übergeben werden, müssen wir in diese Richtung noch weiter ermitteln. Ein weiterer Schwachpunkt könnten die E-Mail-Konten von uns und unseren Kunden sein. Auch hier ist die Überprüfung noch nicht abgeschlossen.
Wir können Ihnen versichern, dass wir keine Zahlungsdaten (Kreditkarten, PayPal, …) auf unserem eigenen Server speichern. Diese sehr sensiblen Daten sind nur auf den Hochsicherheitsservern der entsprechenden Anbieter abgelegt.
Sobald sich weitere Erkenntnisse ergeben, werden wir Sie informieren. Für Rückfragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.
Ich habe das mit den eindeutigen Adressen früher ähnlich gemacht, allerdings über einen kostenpflichtigen Dienst, der vor ein paar Jahren eingestellt wurde. Seitdem habe ich nur noch eine spezielle Mail-Adresse für alle Online-Bestellungen genommen. Ein Catchall über eine Subdomain ist allerdings eine 1A-Idee, die ich sofort übernehmen werde.
Das mit der CatchAll-Adresse mache ich auch schon seit Jahren und es ist (leider) sehr verwunderlich, welche Wege solche Mail-Adressen nehmen und von wem diese genutzt werden.
Auch ich hatte früher eine Catch-All-Lösung auf der eigenen Domain verwendet, diese dann aber aus verschiedenen Gründen aufgegeben. Den Catch-All auf eine nicht öffentlich bekannte Subdomain zu machen - einfache und geniale Idee! Das werde ich auch umsetzen. Vielen Dank dafür, Thorsten!
Michael, mir geht es mittlerweile auch so, dass ich beim einen oder anderen Phishing-Mail stutzig werde. Noch war's bisher immer klar, aber die Tricks werden immer raffinierter. Kann mir gut vorstellen, dass viele auf sowas reinfallen.
"Ferne Inhalte", soso. :)
Wenn man sich darauf trainiert hat, auf Indizien zu achten, dann fallen einem – neben der verdächtigen URL hinter dem Link – noch andere Unstimmigkeiten auf:
- Ausrufezeichen im Betreff und in der Überschrift ("Information!"), das allein ist schon fast eine automatische Disqualifikation.
- Die sematische Diskrepanz zwischen der Kategorisierung als Information und dem eigentlichen Inhalt.
- Falsche Rechtschreibung: "vonnöten".
- Vollständiger Mangel an Erläuterungen, was angeblich mit dem Konto nicht stimmt.
- "Amazon 1nc.," mit für Europa falscher Rechtsform (falsch geschrieben obendrein), incl. Komma an der falschen Stelle.
- Keinerlei Signatur bzw. Disclaimer.
- Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommt die E-Mail technisch von einer anderen Adresse als angegeben. Amazon-E-Mails kommen grundsätzlich von SPF-authentifizierten Absendern, aber ob der E-Mail-Client das anzeigt, ist so eine Sache.
Alles in allem genug, um sofort ein sehr schlechtes Bauchgefühl zu bekommen.
Das sind natürlich Kleinigkeiten, auf die die Mehrzahl der Empfänger nicht achten wird. Ein gerüttelt' Maß an Paranoia ist im Umgang mit E-Mails, die sich auf sensible und persönliche Daten beziehen, leider unabdingbar. Auch das ist Medienkompetenz.
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