
Eigentlich wollte ich schon längst etwas über die Bücher aus der vorletzten Amazon Lieferung geschrieben haben*, da brachte der Paketmann heute morgen schon wieder neues Lesefutter. John Irving gehört zu meinen Lieblingsautoren (Hotel New Hampshire und Owen Meany kämen mit auf die Insel), ich kann nur hoffen, dass Witwe für ein Jahr nicht wieder so zäh ist wie Die vierte Hand. Andreas Eschbach kenne ich noch nicht, genauso wenig wie Christopher Moore oder John Shirley. Und wenn das zweite Buch, das ich von Neal Stephenson lese, auch nur annähernd so gut ist wie Cryptonomicon, kann ich mich freuen …
*) Hier ein paar Kurzbewertungen:
Matt Ruffs Fool on the Hill, was ja von vielen wärmstens gelobt wurde, hatte ich als erstes gelesen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Vielleicht war ich nicht, sagen wir mal: hellauf begeistert, aber so angenehm und intelligent, fantasievoll und witzig unterhalten, dass ich das Buch an zwei Abenden durch hatte. 
Anschließend habe ich gleich G.A.S. vom gleichen Autor gekauft, davon war ich allerdings anfangs ein wenig ernüchtert. Bis Seite 300, als dann endlich alle Personen eingeführt waren, fand ich es, naja, ziemlich ermüdend, die zweiten 300 Seiten haben dann aber entschädigt, so dass es noch zu 4 Mützen gereicht hat. 
Bei Neal Stephensons Cryptonomicon war ich hellauf begeistert. Ein klares 5-Mützen-Buch, das – obwohl es durch die 1181 Seiten und das damit verbundene Gewicht im Bett/im Liegen eher mühsam zu lesen ist – uneingeschränkt zu empfehlen ist. Ich bin gespannt auf Diamond Age. 
Niemalsland von Neil Gaiman war zwar ganz flüssig zu lesen, aber ich habe mich doch einige Male über die Darstellung des Protagonisten geärgert und des öfteren gedacht: „Wie kann man nur so blöd sein“. Alles in allem ein Buch, das einen nicht ausgesprochen neugierig macht auf mehr von Gaiman. 
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Bücher | Mittwoch, 9. März 2005
Normalerweise bin ich kein Hörbuch-Mann. Ich muss selbst das Tempo bestimmen, noch mal zurückblättern können, einen lahmen Arm vom Halten des Buchs bekommen usw. Deswegen war ich auch sehr skeptisch, als mir eine Freundin vor zwei Wochen Der Schwarm von Frank Schätzing lieh: „Doch, das wird dir gefallen.“ Und sie hatte recht; nach der ersten Viertelstunde waren alle meine Vorbehalte hinfällig.
Seit letzter Woche habe ich jeden Abend und jeden Morgen diesen 10 CDs gelauscht und es heute außerordentlich bedauert, dass es schon vorbei war. Okay, stilistisch sollte man keine allzu hohen Erwartungen haben – stellenweise schrammt Schätzing haarscharf am Julia-Roman vorbei: „Er beugte sich herab, bis zwischen ihren Lippen nur noch eine dünne Schicht erhitzter Luft vibrierte…“ –, aber die Geschichte, ein Öko-Science-Fiction-Thriller, ist so ungemein spannend, dass man da leicht drüber hinweg hören kann. Und dass er ein paar Ideen woanders, die der 3D-Dechiffrierung z. B. aus dem Film Contact, ausgeliehen hat, sieht man ihm auch nach.
Fazit: Ein 1a Hörbuch für Hörbuchmuffel, leichte Abzüge nur in der B-Note: 
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Bücher | Mittwoch, 16. Februar 2005

kam heute das erste von zwei Amazon-Päckchen (bei diesem Wetter habe ich keine Lust auf Buchladen). Bis auf T. H. White, dessen „Der König auf Camelot“ ich für die beste aller Artus-Sagen-Variationen halte, habe ich noch von keinem der Autoren etwas gelesen. Auf die 1181 Seiten von „Cryptonomicon“ freue ich mich besonders.
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Bücher | Montag, 14. Februar 2005
Der weiße Neger Wumbaba
Vor einiger Zeit konnte man hier lesen, dass ich als Kind beim Lied Hänschen klein an der Stelle „da besinnt“ immer „dabel sind“ verstanden habe, ohne eigentlich zu wissen, was das bedeutet. Diese Geschichte kennt auch eine Freundin, die von ihrer Schwester zu Weihnachten „Der weiße Neger Wumbaba“ geschenkt bekam. Beim Lesen stellte sie gleichermaßen amüsiert wie erstaunt fest, dass es auch andere Menschen gibt, die sich beim gleichen Lied an der gleichen Stelle verhört haben – schlimmer noch: einer verstand sogar „aber Mutter Weinezehr“ statt „aber Mutter weinet sehr“ – woraufhin sie mir sofort ein Exemplar dieses Buch schenkte und ich nicht umhin komme, die Höchstwertung zu vergeben.
In diesem kleinen, herrlich illustrierten Buch geht es nur um Verhörer bei Liedtexten; die aber sind häufig so witzig, dass zufällig zugegene Menschen einen immer verständnislos anschauen, wenn man beim Lesen gerade mal wieder einen Heiterkeitsausbruch hatte.
Volle Mützenzahl: 
(Der Titel dieses Eintrags ist übrigens eine falsch verstandene Zeile aus einem alten Lied der Gruppe Fehlfarben, die richtig heißt: „Graue B-Film-Helden regieren bald die Welt“, womit damals natürlich Ronald Reagan gemeint war.
Die Borribles
Von der Umschlaggestaltung dieser drei Bände sollte man sich nicht abschrecken lassen (vielleicht hätte Klett-Cotta da lieber einen Fachmann gefragt!): die Bücher handeln nicht von Rastafari des 19. Jahrhunderts, sondern von subversiven Kindern im London der 1970er, die sich der Welt des Erwachsenwerdens entziehen, indem sie lieber wild und frei leben, Abenteuer erleben und sich das Essen auf Märkten zusammen klauen, als sich den Zwängen des Geldverdienens zu unterwerfen. Als Erkennungszeichen wachsen ihnen spitze Ohren (die sie natürlich verstecken müssen), und die größte Gefahr eines Lebens als Borrible ist es, erwischt zu werden und diese Ohren gestutzt zu bekommen. Denn dann gerät man mitten hinein in die Mühlen der Gesellschaft und das Älterwerden ist nicht mehr aufzuhalten …
Leichte Abzüge wegen nicht ganz nachvollziehbarer Charaktersprünge im Verlauf der Geschichte: 
In der Schwebe
Wer Emergency Room mag, wird dieses Buch verschlingen. Ohne besonderen Tiefgang oder etwa Anspruch wird hier eine überaus spannende Med-Fiction (das Genre glaubte ich, in Anlehnung an Science-Fiction, gerade erfunden zu haben, aber eine anschließende Google-Suche ergab, dass es die Gattung in Skandinavien offensichtlich schon gibt) Geschichte erzählt, die man so schnell nicht weglegt.
Eine Kultur von Einzellern, die auf der ISS zu einer Reihe von Routine-Experimenten gehört, befällt nach und nach alle Besatzungsmitglieder. Alle? Genau das richtige für triste Sonntagnachmittage oder den nächsten Strandurlaub.
Leichtverdaulich, aber sackspannend: 
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Bücher | Mittwoch, 5. Januar 2005
Herzenslieder
Schiffsmeldungen ist ein fabelhafter Roman, ein 5-Mützen-Buch, sozusagen. Die Verfilmung von Lasse Hallström ist ähnlich beeindruckend – zwar ist der Buch-Quoyle dick, weiß und schwammig, was man vom Film-Quoyle Kevin Spacey nicht gerade sagen kann, aber darüber sieht man, nicht zuletzt auch wegen des Spiels Spaceys, nach den ersten Minuten des Films hinweg.
Warum ich erst Jahre nach Schiffsmeldungen darauf gekommen bin, etwas mehr von E. Annie Proulx zu lesen, weiß ich nicht, aber besser spät als nie. Herzenslieder ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die in der „rauhen und kargen Welt Neuenglands“ spielen. Angeblich brachten ihr diese Geschichten den Ruf eines „weiblichen Hemingway“ ein – nun ja. Jedenfalls mag ich solche Sätze:
Sie aßen zusammen an dem Resopaltisch, honigzähes Sonnenlicht strömte über die Platte, die Toastkrumen warfen bleistiftlange Schatten.
4 Kochmützen: 
Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück
Es gibt – gottseidank selten – so Tage, da finde ich in den gesamten Regalen der Buchhandlung nichts, was mich interessiert. Als letzte Ausfahrt nutze ich dann das „Bestseller“-Regal und suche mir ein Buch nur nach Titel und Cover aus, obwohl ich jedesmal schon vorher weiß, dass ich hinterher enttäuscht bin. So auch hier. Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück von François Lelord habe ich vor zwei oder drei Monaten gelesen, und ich kann mich tatsächlich an den Inhalt nicht mehr erinnern. Schlechtes Zeichen. Für dieses Buch. Und ich muss sagen: Hätte ich damals einen Blick auf die Rückseite geworfen, hätte ich es schon wegen des Satzes: Ein Buch, dessen Lektüre allein glücklich macht liegen lassen und mir damit ein paar halbwegs vertane Stunden erspart.
Aber für den Einband gibt es 1 Kochmütze: 
Als die Gondolieri schwiegen
Auf die Gefahr hin, dass mich hier keiner mehr ernst nimmt: Die Brautprinzessin von William Goldman ist seit 20 Jahren mein Lieblingsbuch. Ich habe es, in einem altrosafarbenen Ohrensessel vor ihrem Bett sitzend, damals meiner fiebernden Freundin vorgelesen. Das Exemplar von einst ist längst verschollen, ebenso wie fünf oder sechs weitere, da ich sie, einmal verliehen, nie mehr zurück bekam.
William Goldman ist hauptsächlich als Drehbuchautor bekannt (Der Marathon Mann, Butch Cassidy and the Sundance Kid u.v.m). Als die Gondolieri schwiegen ist ein liebevoll gemachtes Buch, ausgestattet mit prima Illustrationen von Jens Rassmus (insbesondere die ganzseitigen sind köstlich), erzählerisch allerdings an die Brautprinzessin nicht heranreichend. Aber da reicht sowieso nichts heran.
Trotzdem 4 Mützen: 
Rumo & Die Wunder im Dunkeln
Walter Moers’ Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär haben 2003 von mir nur 4 Mützen bekommen. Und zwar zu recht, wie sich jetzt herausstellt. Denn Rumo & Die Wunder im Dunkeln, 703 Seiten stark, ist wirklich eine ganze Mütze besser. Anders als bei Blaubär erscheint Moers hier nicht so weitschweifig, beschränkt sich auf weniger Protagonisten und wirkt insgesamt, mit Verlaub, konzentrierter. Sicher eins der kurzweiligsten Bücher des letzten Jahres.
Höchstmützenwertung: 
2
Bücher | Montag, 20. September 2004
Vor einiger Zeit schwärmte ich von Brady Udalls 2001 erschienenen Roman „Das wundersame Leben des Edgar Mint“ (wurde von der DVA auch als „Der Bierdosenbaum“ aufgelegt). Kurze Zeit später las ich „Laß die Hunde los“, eine 1997 (in Deutschland im August 2004) erschienene Sammlung von Kurzgeschichten.
Seitdem habe ich ein Problem. Ich würde nämlich gern mehr von Udall lesen. Viel mehr. Aber da ist nichts mehr! Der Mann, der an der Southern Illinois University unterrichtet, hat außer diesen zwei Büchern bislang einfach nichts veröffentlicht. Wenn man rechnerisch vorgeht und den Zeitraum zwischen erstem und zweitem Buch zugrunde legt, erscheint sein nächstes Werk, wenn ich Glück habe, 2005. Immerhin weiß man schon, um was es geht – Udall in einem Interview auf die Frage, woran er gerade arbeite:
A novel called The Lonely Polygamist. My first novel is about a boy who is totally alone in the world, without family or tribe. So I thought I’d go in the opposite direction with my second novel: a story about a guy with 4 wives and 28 children.
Ich kann jedem, der Bücher mag, nur zurufen: Lesen Sie Brady Udall! Ich garantiere: Sie werden es nicht bereuen! 
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