Leben | Freitag, 7. November 2025
2008 hatte ich schon einmal geschrieben, dass ich unbezahlte Arbeit nicht so gut finde. Über die Jahre wurde ich etwas nachsichtiger, doch einige Vorkommnisse haben meine damalige Haltung wieder bestärkt.
Vor einiger Zeit erhielt ich eine Mail von jemandem, der mich bat, den KFZ-Schein unseres Bullis zu kopieren; er hatte gelesen, dass der als Campingfahrzeug angemeldet ist. Das hatte er mit seinem ebenfalls vor, wusste aber nicht, welche Voraussetzungen dafür beim TÜV nötig sind. Als Dank wollte er mir ein paar Tüten Haribo schicken. Ich mailte ihm die relevanten Stellen aus dem KFZ-Schein, inklusive einer ausführlichen Beschreibung, wie sein Bulli ausgerüstet sein muss – und hörte nie wieder etwas von ihm. Keinen Dank, keine Haribos.
Dann war da jemand, der unbedingt eine ältere Version meiner Wann war das.app brauchte, weil die aktuelle unter seinem macOS nicht lief. Selbstverständlich würde er auch etwas in die Kaffeekasse werfen. Ich schickte ihm mehrere Versionen – keine funktionierte. Also holte ich mein altes MacBook hervor, testete Wann war das unter Sierra, fand die passende Version, machte noch ein paar Anpassungen, schickte sie ihm – und bekam keine Antwort mehr. Auch meine zwei Nachfragen, ob es nun lief, blieben unbeantwortet.
Und neulich fragte jemand, ob Wann war das ein bestimmtes Feature bietet. Nein, leider nicht, das kann aber meine App MetaData, antwortete ich. In der nächsten Mail fragte er, ob es von MetaData auch eine Testversion für High Sierra gäbe. Gibt es nicht, schrieb ich – wäre mir einfach zu viel Aufwand für so ein altes System. Aber hilfsbereit wie ich bin, schickte ich ihm kurzerhand eine ältere Vollversion, die unter seinem macOS läuft. Und richtig geraten: Danach wurde ich geghostet.
Zumindest ein kurzes Dankeschön wäre in all diesen Fällen nett gewesen. Diese „Nimm und verschwinde“-Mentalität ist mir nicht besonders sympathisch.
Ich werde Mails natürlich weiterhin beantworten und meine Apps supporten. Aber mit kostenlosen Versionen werde ich auf absehbare Zeit etwas zurückhaltender sein. Und wer mir künftig Haribos anbietet, darf sie gern selbst essen.
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In den 90er-Jahren waren Filofax-Timer das, was Smartphones heute sind: Ständige Begleiter, in denen man sein halbes Leben organisierte. Für meinen hatte ich einen dünnen Druckbleistift von Tombow, der perfekt in die Ringbindung passte. Leider verlor er schon nach kurzer Zeit die aufgeschraubte Spitze, was den Stift unbenutzbar machte.
Beim Aufräumen meines Schreibtischs fand ich ihn kürzlich wieder und brachte es nicht übers Herz, ihn wegzuwerfen. Also schrieb ich – gut 30 Jahre, nachdem die Spitze abhandengekommen war – auf gut Glück eine E-Mail an Tombow und fragte, ob man sie einzeln nachkaufen könne.
Postwendend kam eine Antwort: Bitte geben Sie uns Ihre Adresse und die gewünschte Farbe der Spitze bekannt. Wir werden Ihnen kostenlosen Ersatz zukommen lassen.
Nur wenige Tage später lag die Ersatzspitze in meinem Briefkasten. Phänomenal. Dankeschön!
Leben | Donnerstag, 2. Oktober 2025
Leben | Freitag, 19. September 2025
Aus aktuellem Anlass, und weil man es nicht oft genug thematisieren kann: Wieviel kostet den Bund das Dienstwagenprivileg und wieviel das Deutschlandticket?
Dienstwagenprivileg:
Nutzt vor allem einer kleinen, einkommensstarken Gruppe: Arbeitnehmer:innen mit Dienstwagen, oft mit hohem Listenpreis oder starker Motorisierung. Kritiker sehen darin eine Subvention für Besserverdienende und einen Anreiz für große, klimaschädlichere Autos.
Unterschiedliche Schätzungen:
Deutschlandticket
Wird von Millionen Menschen genutzt – Schüler:innen, Pendler:innen, Rentner:innen, Gelegenheitsfahrer:innen. Es macht den Nah- und Regionalverkehr erschwinglich und fördert so breit und sozial ausgewogen die nachhaltige Mobilität.
- (Bundesanteil): 1,5 Mrd. € / Jahr (Bund stellt 2023, 2024, 2025 und laut Kabinettsbeschluss auch 2026 jährlich 1,5 Mrd. € bereit) 
Damit gibt der Bund mindestens drei- bis neunmal so viel Geld für das Dienstwagenprivileg aus wie für das Deutschlandticket – ein deutlicher Hinweis darauf, wo die Prioritäten liegen, insbesondere angesichts der neuerlichen Preiserhöhung für das Deutschlandticket.
Das Dienstwagenprivileg ist die Regel, dass privat genutzte Firmenwagen pauschal mit 1 % des Listenpreises pro Monat versteuert werden. Dadurch sind teure Autos besonders begünstigt – je höher der Listenpreis, desto größer der geldwerte Vorteil gegenüber einer realistischen Versteuerung.
Leben | Montag, 25. August 2025
Daniil Medvedev macht große Fortschritte auf dem Weg, der unsympathischste Tennisspieler aller Zeiten zu werden. Sein Erstrundenmatch in Wimbledon 2025 hatte er schon gegen den ungesetzten Benjamin Bonzi verloren. In New York wollte er sich diese Blöße offensichtlich nicht noch einmal geben – und dabei war ihm jedes Mittel recht:
Andere Spieler wurden für weitaus geringere Vergehen verwarnt – warum Medvedevs Verhalten ungestraft blieb, ist rätselhaft.
Nachdem Medvedev das Publikum gegen Bonzi – der dafür rein gar nichts konnte – aufgehetzt hatte, verlor dieser zunächst den Satz und musste im nächsten sogar ein deutliches 0:6 hinnehmen. Doch im entscheidenden fünften Satz behielt Bonzi die Nerven, gewann verdient mit 6:4, und schickte – Karma, Baby! – Medvedev zurück nach Hause.
Update: Dazu ein Artikel bei Eurosport: „Daniil Medvedev verliert nach üblem Ausraster in der ersten Runde“
Leben | Donnerstag, 7. August 2025
Im August 1992 bin ich mit einem Kumpel spontan nach Malaga geflogen. Während des Flugs genossen wir vorfreudig einige Gin Tonics, die damals – das waren Zeiten! – von gut gelaunten Stewardessen kostenlos serviert wurden. Der Taxifahrer in Malaga, den wir nach einer Unterkunft fragten, setzte uns vor der „Pensione Rosa“ ab. Rosa war unglaublich nett und hilfsbereit – sie lieh uns sogar Geld fürs Restaurant, weil die Banken schon geschlossen hatten und wir unseren von den Gin Tonics befeuerten Hunger stillen mussten. Zwei Tage später fuhren wir mit dem Bus nach Sevilla. Der Taxifahrer, den wir hier wegen einer Unterkunft befragten, bedauerte, dass wegen der Expo alles, wirklich alles ausgebucht sei. Aber wenn wir nicht allzu anspruchsvoll seien, hätte er vielleicht noch was. Die zwei Betten, die in einem mit 8 Etagenbetten bestückten Loch Zimmer noch frei waren, nahmen wir – immerhin lag das Zimmer mitten in der Stadt. In Sevilla war es zu dieser Jahreszeit unglaublich heiß, und die Ordner an den Expo-Eingängen wirkten ob der steten Besucherströme ein bisschen überfordert. Auf dem Gelände selbst war es dann entspannter, und dank des überall fließenden Wassers, der vielen neu gepflanzten Bäume und der zahlreich aufgespannten Schattenspender auch kühler.
Ein paar der damals mit einer Ritsch-Ratsch-Ricoh aufgenommen Kodachrome 64-Dias hatte ich vor 20 Jahren mit einem billigen Agfa-Scanner digitalisiert und jetzt noch mal bearbeitet – der Rest ist bedauerlicherweise nicht mehr auffindbar.
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Sollte sich Berlin ein Vorbild an Helsinki nehmen? Im Straßenverkehr sind in Berlin seit Jahresbeginn 21 Menschen getötet worden. Über die Hälfe der Unfallopfer waren Fußgänger. In einer anderen europäischen Hauptstadt, Helsinki, ist in den letzten zwölf Monaten keine einzige Person zu Tode gekommen… (Kommentar auf radioeins.de)