Liebes Tagebuch (202) – Geschenkt
2008 hatte ich schon einmal geschrieben, dass ich unbezahlte Arbeit nicht so gut finde. Über die Jahre wurde ich etwas nachsichtiger, doch einige Vorkommnisse haben meine damalige Haltung wieder bestärkt.
Vor einiger Zeit erhielt ich eine Mail von jemandem, der mich bat, den KFZ-Schein unseres Bullis zu kopieren; er hatte gelesen, dass der als Campingfahrzeug angemeldet ist. Das hatte er mit seinem ebenfalls vor, wusste aber nicht, welche Voraussetzungen dafür beim TÜV nötig sind. Als Dank wollte er mir ein paar Tüten Haribo schicken. Ich mailte ihm die relevanten Stellen aus dem KFZ-Schein, inklusive einer ausführlichen Beschreibung, wie sein Bulli ausgerüstet sein muss – und hörte nie wieder etwas von ihm. Keinen Dank, keine Haribos.
Dann war da jemand, der unbedingt eine ältere Version meiner Wann war das.app brauchte, weil die aktuelle unter seinem macOS nicht lief. Selbstverständlich würde er auch etwas in die Kaffeekasse werfen. Ich schickte ihm mehrere Versionen – keine funktionierte. Also holte ich mein altes MacBook hervor, testete Wann war das unter Sierra, fand die passende Version, machte noch ein paar Anpassungen, schickte sie ihm – und bekam keine Antwort mehr. Auch meine zwei Nachfragen, ob es nun lief, blieben unbeantwortet.
Und neulich fragte jemand, ob Wann war das ein bestimmtes Feature bietet. Nein, leider nicht, das kann aber meine App MetaData, antwortete ich. In der nächsten Mail fragte er, ob es von MetaData auch eine Testversion für High Sierra gäbe. Gibt es nicht, schrieb ich – wäre mir einfach zu viel Aufwand für so ein altes System. Aber hilfsbereit wie ich bin, schickte ich ihm kurzerhand eine ältere Vollversion, die unter seinem macOS läuft. Und richtig geraten: Danach wurde ich geghostet.
Zumindest ein kurzes Dankeschön wäre in all diesen Fällen nett gewesen. Diese „Nimm und verschwinde“-Mentalität ist mir nicht besonders sympathisch.
Ich werde Mails natürlich weiterhin beantworten und meine Apps supporten. Aber mit kostenlosen Versionen werde ich auf absehbare Zeit etwas zurückhaltender sein. Und wer mir künftig Haribos anbietet, darf sie gern selbst essen.
***
In den 90er-Jahren waren Filofax-Timer das, was Smartphones heute sind: Ständige Begleiter, in denen man sein halbes Leben organisierte. Für meinen hatte ich einen dünnen Druckbleistift von Tombow, der perfekt in die Ringbindung passte. Leider verlor er schon nach kurzer Zeit die aufgeschraubte Spitze, was den Stift unbenutzbar machte.
Beim Aufräumen meines Schreibtischs fand ich ihn kürzlich wieder und brachte es nicht übers Herz, ihn wegzuwerfen. Also schrieb ich – gut 30 Jahre, nachdem die Spitze abhandengekommen war – auf gut Glück eine E-Mail an Tombow und fragte, ob man sie einzeln nachkaufen könne.
Postwendend kam eine Antwort: Bitte geben Sie uns Ihre Adresse und die gewünschte Farbe der Spitze bekannt. Wir werden Ihnen kostenlosen Ersatz zukommen lassen.
Nur wenige Tage später lag die Ersatzspitze in meinem Briefkasten. Phänomenal. Dankeschön!
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