Verbotene Pestizide in deutschem Obst und Gemüse
Greenpeace hat in Deutschland angebautes Obst und Gemüse auf Pestizide getestet. Das Ergebnis ist unfassbar: In 12% der Proben, eingekauft in deutschen Supermärkten, fand Greenpeace in Deutschland verbotene Gifte, in weiteren 17% für das jeweilige Produkt nicht zugelassene Substanzen.
Noch mal langsam zum Mitlesen: In Deutschland verbotene Gifte. Die, weil sie illegal sind, demzufolge auch nicht einfach im Gartencenter um die Ecke oder beim nächsten Agrargroßhändler erworben werden können.
Stammtischniveau
Angesichts dieses neuerlichen Lebensmittelskandals muss ich mich mal ein bisschen auf Stammtischniveau bewegen: Wird jemand zum zweiten Mal bei einem Ladendiebstahl erwischt, kann ihm unter Umständen schon eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung drohen.
Was aber passiert mit den skrupellosen Händlern, die wissentlich tonnenweise verdorbenes Fleisch verkaufen? Mit den Bauern, die Obst und Gemüse mit aus gutem Grund verbotenen Pestiziden spritzen? Mit den gewissenlosen Geschäftemachern, die die Gesundheit der Menschen einen Dreck kümmert, schlimmer noch: sie sogar aktiv gefährden?
Nichts dergleichen.
Verhältnismäßigkeit?
Man möge mich berichtigen, aber bei den ganzen Skandalen der letzten Jahre habe ich zwar manchmal von Betriebsschließungen gehört – viele Firmen durften gleich wieder öffnen, weil sie versprachen, so etwas nie wieder zu machen –, dass aber mal jemand zur Verantwortung gezogen wurde, habe ich bisher nicht mitbekommen.
Fassen wir also zusammen: Wer zweimal ein Kaugummi klaut, kommt in den Knast und ist vorbestraft. Wer vorsätzlich die Gesundheit von hunderttausenden Menschen beeinträchtigt oder sogar schädigt, oder eine Beeinträchtigung zumindest billigend in Kauf nimmt, muss sich nur anständig entschuldigen, vielleicht noch eine kleine Geldstrafe zahlen, dann wird das schon wieder.
Sterbensmittel
Ich spare mir die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Aber wenn das so weitergeht, kann man bald nicht mehr von Lebensmitteln sprechen. Sterbensmittel wäre dann der treffendere Ausdruck.
Siehe auch Vergiftete, belastete, verdorbene und genmanipulierte Lebensmittel
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Kommentare:
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Es gibt in Deutschland ein merkwürdiges Missverhältnis bei der Bestrafung von Eigentumsdelikten und Delikten die unter Körperverletzung fallen. Ich wundere mich nicht mehr, aber zum kotzen ist es. Und darüber schreiben ist richtig und wichtig. Merci!
Gruß risottodirk
*Lebensmittel zu giftig???
Pah, kein Problem, dann erhöhen wir kurzerhand mal einfach die Grenzwerte:*
http://de.einkaufsnetz.org/gift/lebensmittel/13243.html
Wenn das schon in Deutschland so ist, wie darf ich mir das dann erst in anderen EU-Ländern oder gar auf einem anderen Kontinent vorstellen?
Was da wohl in meinem Urlaub im 4-Sterne-Hotel auf den Kanaren am Buffet serviert wird. Nein, ich denke lieber nicht darüber nach…
neulich habe ich im greenpeace-magazin (01.07 – klüger essen) folgendes zitat gelesen: „die gute ware geht nach großbritannien, die schlechte nach deutschland.“ und „was woanders unverkäuflich ist, wird man in deutschland immer noch los.“ sieht man ja schon daran, dass sich eindeutig zu wenige menschen wundern, dass ihr gekauftes fleisch zum teil schon billiger als katzenfutter angeboten wird… hier wird offenbar größtenteils nicht die qualität sondern der preis als unterscheidungskriterium akzeptiert.
In den 1950er und 1960er Jahren war es aufgrund des relativ hohen Fleischpreises den meisten Familien nur möglich an den Wochenenden Fleisch zu essen (daher der Begriff Sonntagsbraten).
Bis in die heutige Zeit liegt der Fleischpreis immer noch auf dem damaligen Niveau. Zur Inflation und den gestiegenen Löhnen kann ich leider keine genaue Aussage treffen, beachtlich sind sicher beide. Kurios ist nur, wie man Preise über 50 Jahre halten kann.
Supermarktketten zahlen für ein Kilo Äpfel 12 Cent an den Bauern. Dafür könnte ich keine Äpfel züchten, damit ist ja kaum der Pflücker im Herbst bezahlt.
Aber ist es denn so viel einfacher und billiger geworden Tiere zu halten oder Gemüse und Obst zu züchten? Sicher keinesfalls, allerdings sind die meisten Konsumenten nicht bereit einen adäquaten Preis für das Produkt Lebensmittel zu zahlen. Jede Woche findet man in seinem Briefkasten Prospekte die Glauben machen, Lebensmittel wären eine Billigware.
Meiner Meinung nach sind diese Skandale jetzt nur das Ergebnis des Geizes der bei vielen Käufern alleinige Kaufentscheidung zu sein scheint. Man kann offensichtlich gut an verdorbenen oder vergifteten Lebensmitteln verdienen. Warum die Hersteller aber immer noch gut schlafen können – keine Ahnung.
Ob ich allerdings gesünder lebe indem ich beim Einkauf viel tiefer in die Tasche greife? Ich denke schon. Außerdem ist es ein schönes Gefühl auf einem Markt oder beim Hersteller direkt einzukaufen.
Ich habe neulich Zahlen gelesen, wieviel die Menschen in den fünfzigern für Lebensmittel ausgegeben haben: über 40 Prozent ihres Einkommens. Im Jahr 2002 waren es nur noch 12 Prozent, und an anderer Stelle habe ich kürzlich gehört, dass es heute bereits unter 10 Prozent sind.
Das ist halt der Preis für den Umstand, dass noch nie soviele Menschen so preiswert ernährt werden konnten.
Hallo!
Die Ergebnisse seiner neuen Lebensmitteltests hat Greenpeace in der Broschüre „Essen ohne Pestizide“ zusammengefasst. Das Heft gibt es kostenlos unter Tel. 040/30618-120, mail(at)greenpeace.de oder als PDF unter www.greenpeace.de/pestizide.
Noch viel schlimmer, weil wir damit nicht nur uns selbst sondern noch anderen Lebewesen (zu Millionen!) schaden ist die Fleischindustrie. Film-Tipp: Unser Täglich Brot
carpe diem!
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