Sprayverbrecher
Nachdem vor kurzem der BGS in Berlin von Innenminister Schily zur nächtlichen Überführung von Sprayern mit Hubschrauber und Wärmebildkamera zweckentfremdet wurde, hätte ich da noch ein, zwei weitere Vorschläge. Ich bin der Meinung, bei dieser besonders schweren und weit reichenden Art von Kriminalität muss nicht nur der Bürger auch mal zurückstecken und auf drei Stunden Nachtruhe verzichten, nein, da muss man erfinderisch sein, da darf man keine Möglichkeit von vornherein ausschließen.
Wie wäre es denn z. B. mit dem Einsatz der Luftwaffe? Unter uns gesagt, die Jungs da haben doch sonst nicht viel zu tun, und die Pflicht-Flugstunden könnte man doch auch sinnvoll nutzen. Netter Nebeneffekt: Die Berliner würden dadurch auch mal außerhalb der ILA in den – zumindest akustischen – Genuss eines tief fliegenden Kampfflugzeugs kommen.
Und was mich wirklich wundert: Warum hat eigentlich noch niemand ernsthaft über eine satellitengestützte Überführung dieser Sprayverbrecher nachgedacht? Die Vorteile liegen doch klar auf der Hand: Bürger, Polizei und Hubschrauberpiloten können durchschlafen, während der Satellitenkollege unermüdlich Sprayer knipst, die dann am nächsten Tag zu vernünftigen Zeiten verhaftet werden können.
Mal im Ernst
Damit man mich nicht falsch versteht: Für mich ist dieses Tag-Gesprühe und Gekritzele z. B. in öffentlichen Verkehrsmitteln oder an Grundstücksmauern eine ästhetische Katastrophe und visuelle Umweltverschmutzung. Ich weiß auch, dass so etwas für Hausbesitzer äußerst ärgerlich ist, von den Kosten für die Entfernung ganz zu schweigen.
Aber: Diese Tags sind in zwei Sekunden hingeschmiert und dürften kaum von irgendwelchen extrem teuren, die Nachtruhe störenden Hubschraubereinsätzen verhindert werden können, schon gar nicht in U- und S-Bahnen. Und was die richtigen Sprayer angeht, werden die zukünftig mit Sicherheit ohnehin beim leisesten Hubschraubergeräusch das Weite suchen.
Was bei der Verfolgung dann passieren kann, zeigt übrigens ein Zitat aus einer Reuters-Meldung zu den Hubschrauber-Einsätzen der letzten Woche:
Der Berliner Polizeisprecher bestätigte, dass im Zuge der Fahndung nach Graffiti-Sprayern ein Mensch getötet wurde. Am Donnerstagabend sei ein Motorradfahrer von einem Streifenwagen erfasst worden. Die Polizisten seien unterwegs zu einem Einsatzort gewesen, wo Sprayer am Werk gewesen sein sollen.
Meiner Meinung nach ist es ziemlich kurzsichtig, einerseits Bildungsangebote abzubauen und andererseits das dadurch gesparte Geld anschließend für Hubschraubereinsätze zu verpulvern. Das passt, wie überall, wo nur die Symptome, nicht aber die Ursachen bekämpft werden, wieder mal überhaupt nicht zusammen.
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Kommentare:
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Viel zu ineffektiv, was die da machen! Die sollten sich mal etwas kreativeres einfallen lassen. Eine (satirische) Vision:
2007 wird den Sprayern endlich das Handwerk gelegt, indem man einfach das biometrische Personalausweis-RFID-Implantat mit den Galileo-Satelliten für die kürzlich eingeführte Fußgängermaut ortet und einen Eurofighter aufsteigen lässt, um den Täter zu stellen – der wird dann in der Nospree abgeschreckt, während der zuständige Finanzbeamte schonmal online die Konten des Täters und dessen Angehörigen checkt und das Geld für die Einsatzkosten auf das Konto des Ministeriums für Staatsi… äh, des Bundesinnenministeriums überweist…
Sehr geehrter Herr Preidel, haben Sie noch nie „Mission Impossible“ gesehen? Wo der Schurke mit einem Hubschrauber einem Zug bis in den Tunnel folgt? Genauso wäre doch eine Verfolgung von Sprayern, Scratchern, oder wie sie sonst noch heißen mögen, möglich.
Zum Thema Satellitenüberwachung: sie wollen uns doch auf den Arm nehmen.
Mit diesem ironischen Beitrag möchte ich ebenfalls zum Ausdruck bringen, wie „verrückt“ bzw. „bescheuert“ solche Aktionen sind.
MfG,
easteregg
full ack ;-)
Ach was… Das sind alles nur die ersten Verwerfungen, mit denen unsere Gesellschaft auf den Verlust echter (staatsgestützter) Feindbilder reagiert. Nun muß eben der Steuersünder, Sprayer oder der Fundamentalist vom Kebap-Stand als Target herhalten. In 20 Jahren wird sowas mit „smart weapons“ ganz leise erledigt und es wird keinen auch nur peripher tangieren… Konditionierung rulez!
Mich würde nur interessieren, was man Otto Schily vor ca. 20 Jahren in den Kakao gerührt hat?
Der Bildblog (bzw. die BILD-Zeitung) gibt auch seinen / ihren Kommentar dazu.
schäden in miliardenhöhe? OK. aber wer denkt bei 6 millionen arbeislosen mal an die firmen, die diese graffitis entfernen? graffitis sind geschäftsfördernd, meine herrschaften in berlin (und bei der BILD)!!! ;)
@ Roman: Das erschreckende ist, dass man über deine Vision noch vor 10 Jahren herzlich gelacht hätte, weil man so etwas für undenkbar gehalten hätte. Heute hingegen (man schaue sich nur mal die Fußball-WM-Ticket-Verkaufsmodalitäten an) bleibt einem das Lachen etwas im Halse stecken …
Ja, bleibt es… Auch weil, obwohl die Kritik an der Entwicklung einer schleichenden Abschaffung der Grundrechte in den Medien – ob Zeitung, TV-Politsendung oder Harald Schmidt und Scheibenwischer – teilweise immer beißender wird, man den Eindruck haben muss, dass sich „die Masse“ überhaupt nicht für das Thema interessiert.
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