Hasta la vista, baby!
Tookie Williams, der Mitbegründer der Straßengang Crips, der vor 24 Jahren wegen Mordes verurteilt wurde, der seine Schuld allerdings bis heute bestreitet, der sich im Gefängnis von der Gewalt los gesagt und Kinderbücher geschrieben hat, der Jugendlichen Wege aus der Gewalt aufgezeigt hat und der mittlerweile sechs Mal für den Friedens- und vier Mal für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde, wird heute um 9.01 Uhr unserer Zeit durch eine Giftspritze hingerichtet.
Arnold Schwarzenegger hatte gestern Abend ein Gnadengesuch laut Deutschlandfunk mit der Begründung abgelehnt, jemand, der sich nicht für seine Taten entschuldige, könne keine Gnade erwarten. Aha. Was ist, wenn er es tatsächlich nicht war?
Ich bin gegen die Todesstrafe. Grundsätzlich. Und ich werde nie verstehen, wie ausgerechnet bekennende Christen wie Schwarzenegger für die Todesstrafe sein können. „Du sollst nicht töten“ ist doch wohl ein für alle geltendes Gebot, oder habe ich da was verpasst und die Behörden der USA haben tatsächlich eine schriftliche Ausnahmegenehmigung vom lieben Gott persönlich erhalten?
Nach meinem Verständnis ist das Wesen des Christentums nicht Vergeltung, sondern Vergebung. Das Gnadengesuch Tookie Williams’ ist übrigens bereits das dritte, das Schwarzenegger abgelehnt hat.
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Kommentare:
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Die Obrigen des Christentums oder deren größten Verfechter halten sich nur an dessen Maxime, wenn es ihnen passt, aber ich glaube das ist ein allgemeines Problem von Religionen und Macht.
Der Schwarzenegger hat in seinem Amt auch schon einige gar nicht so dumme Sachen gemacht – aber wenns um solche Sachen geht hat der Kerl glaub ich ein Brett vorm Kopf. Kommts durch die vielen Terminator-Rollen? Verroht man da wirklich so dass man denkt man dürfte sich solche Entscheidungen anmaßen, à la „ich rette damit die Welt“?...
Ich bin auch sprachlos. Als „bekennender Christ“ finde ich diese Entscheidung moralisch und theologisch höchst zweifelhaft.
Letzendlich zählt nicht, ob sich jemand Christ nennt. Entscheidend ist, was hinten rauskommt.
Eine Begnadigung wäre ja einer politischen Kehrtwende gleichgekommen. Schliesslich werden in den USA die Begnadigungen ja schon sehr lange abgehlent. Zudem kommt hinzu das laut Umfragen immer noch 2 Drittel der Bevölkerung hinter der Todesstrafe steht oder diese zumindest akzeptiert! Was in meinen Augen ein grundsätzliches Problem darstellt.
Für den Terminator wäre eine Begnadigung ein zu hohes Risiko gewesen. Nicht nur politisch, ich denke auch finanziell. Schliesslich ist der Herr Terminator ja auch nur ein Produkt mächtiger und einflussreicher Leute. Zumindest sehe ich das so.
Und vergib uns unsere Schuld.
Wie auch wir vergeben unser’n Schuldigern,
Und führe uns nicht in Versuchung
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich.
Und die Kraft und die Herrlichkeit
In Ewigkeit.
Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass Herr Terminator ruhig schlafen kann.
Heißes Eisen.
Aber ich hab da kein Mitleid, sorry. Wer vier Leute umbringt, der hat’s nicht anders verdient. Da kann er noch 20 Kinderbücher schreiben.
Auch ich kann nicht verstehen, wie man sich anmaßen kann, über das Leben von Menschen zu richten. Meiner Ansicht als Christ steht dies nur einem zu.
Die Würde des Menschen und das Recht auf Leben sind wohl nicht mit dem einem A-typischen USA-fundamentalistischen Glauben zu vereinbaren, so zumindest muss es doch unweigerlich auf eine neutrale Person wirken.
Das Problem des Fundamentalismus ist imo dass er immer weg von den eigentlichen Wurzeln geht. Genauso der fundamental christliche Glaube. Er sucht sich Teile aus dem Christentum, nimmt sich Aussagen wie „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, packt sie in die heutige Zeit und formuliert daraus ein Gesetz, das alles andere als christlich ist.
Der Name Christentum kommt ja von Christus. Wie kann man als Christ in diesem Namen über das Leben urteilen? „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!“
Die Begründung Schwarzeneggers ist mehr als schwach und einseitig. Er geht nicht auf eine einzige positive Veränderung von Tookie ein, sondern stellt nur seine Ansicht von Erlösung dem Verhalten Tookies direkt nach seinem Mord gegenüber. 24 Jahre des Hatftlebens werden fast gänzlich ausgeklammert.
Für mich legt das den Verdacht nahe, dass Schwarzenegger hier eine Stimmung aufbauen will, die seine Entscheidung stützen soll, eine Entscheidung, die ihm sicher mehr konservative Wähler gebracht oder erhalten hat, als er liberale hinzugewinnen könnte.
Ich denke so kann nur jemand sprechen, der noch nie mit Gewalt konfrontiert worden ist. In der „Theorie“ kann man schön drüber philosophieren.
Meiner Ansicht nach gibt es ein paar einfache Grundsätze des Zusammenlebens. Einer davon ist, dass ich nicht einfach irgendjemanden umballern kann! Sorry, ich hab da echt kein Mitleid mit den Tätern!
Ich war selbst mal in der „Opferrolle“ und weiß, wie allein man da gelassen wird. Wenn ich dagegen jemanden umballere hab ich’s anschließend noch schön warm und bekomm jeden Tag ‘ne warme Malzeit. Verkehrte Welt!
Ich werde hier bestimmt keine Täter/Opfer-Diskussion auf dem Stammtisch-Niveau „Der Täter hat’s schön warm und kriegt jeden Tag eine warme Mahlzeit“ führen – so eine Aussage ist mir gelinde gesagt ein wenig zu unreflektiert.
Tatsache ist, dass ich das Mitleid, das mit Gewaltopfern habe, für Täter nur sehr eingeschränkt empfinde. Aber ebenfalls Tatsache ist, dass zu den Grundsätzen des Zusammenlebens auch gehört, dass man nicht jemandem einfach eine tödliche Giftspritze in den Arm jagen kann, egal, aus was für einem Grund.
Wie ich schon sagte: „Du sollst nicht töten“ gilt für alle Menschen. Wer für die Todesstrafe ist, steht für mich deshalb außerhalb jeglicher christlich-abendländischen Grundsätze. Und abseits jeglicher Kultur.
ganz meine Meinung, Herr Preidel.
Ich persönlich finds auch krass, wie der Herr Williams jetzt immer als geläutert hingestellt wird – das ist er doch gar nicht gewesen! Er hat keinen einzigen Mord gestanden – da kann er sich noch so mit Kinderbüchern und Streetwork beschäftigen. Dazu paßt: 98 % der Insassen einer Untersuchungshaftinstalt (wohlgemerkt! vor der Verurteilung!) betrachten sich als unschuldig.
Naja, aber das alles ändert nichts daran, daß die Todes“strafe“ keine Strafe, sonder Mord ist. Po-mojemu.
Karsten ist sehr voreilig. Wer sagt denn, dass Williams schuldig ist. Es gibt berechtigte Zweifel an dem Urteil. Zweitens: der mensch, der hingerichtet, also ermordet worden ist, war ein ganz anderer als der, der vor 24 Jahren inhaftiert worden ist.
Ebenso gut hätte Schwarzenegger eine ganz andere Person hinrichten lassen können. Menschen ändern sich, in 24 Jahren sowieso. Vielleicht war der, der damals verhaftet worden ist, ein Mörder. Aber hingerichtet wurde ein anderer Mensch. menschen das Recht und die Möglichkeit abzusprechen, sich ändern zu können und zu dürfen – selbst wenn man ein schlimmes verbrechen begangen hat, ist reiner Zynismus. Und es interessiert mich einen feuchten Kehrricht, ob jemand, der zynisch ist, selbst Opfer gewesen ist. Das rechtfertigt gar nichts.
Drittens: ein Verbrechen kann man nicht dadurch wieder gut machen, dass ein zweites begangen wird. Und die todesstrafe ist ein Verbrechen. Wer für rache plädiert – und keinen anderen Sinn hat die Todesstrafe und das dumme gerede von karsten – plädiert dafür, dass eines der niederträchtigsten, feigsten und widerlichsten Gefühle zum Gesetz wird. Ich verabscheue Menschen, die Rache hegen zutieft – Opfer von Gewalt inbegriffen.
Man ist sehr schnell dabei, wenn es darum geht andere Menschen zu verteufeln. Mord ist eine schlimme Sache – ich sehe keinen Unterschied zwischen dem Mord der auf der Straße passiert und dem mit der Giftspritze. Mord ist eine schlimme Sache – aber wegen eines Mordes selbst zum Mörder werden? Das ist paradox.
... mord und todesstrafe sind nicht gegensätze, die einander aufheben, sondern ebenbilder, die ihre art fortpflanzen. g.b. shaw
Ich seh die Sache ein wenig pragmatischer. Was macht Ihr mit Leuten, die Menschen töten, um Ihre Lust zu befriedigen? Da gabs doch erst wieder ‘nen Fall in München. Ein Wiederholungstäter im übrigen.
Die steckt man dann in den Knast und nach x Jahren beglückt er die Gesellschaft wieder mit seinen Taten. In Deutschland ist ja nix unmöglich. Ich hab für sowas nichts übrig.
Das hat auch nichts mit Rache, Gefühlsarmut oder sonstwas zu tun. Bei solchen Leuten sind jegliche Resozialisierungsversuche zwecklos. Was soll im übrigen eine Sicherungsverwahrung bringen? Die kostet ein Haufen Geld, im Gegensatz zu einer zügigen …
Frohe Weihnachten.
»Was soll im übrigen eine Sicherungsverwahrung bringen? Die kostet ein[en] Haufen Geld, im Gegensatz zu einer zügigen …«
Karsten, heisst das, man soll die Leute aus Kostengründen, also für Geld ermorden?
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