Liebes Tagebuch (55)
Ruhm und Ehre
Von Zeit zu Zeit melden sich Redaktionen mehr oder weniger bekannter Mac- oder IT-Zeitschriften bei mir: Man habe den und den Eintrag in meinem Blog gelesen, ob ich nicht einen Artikel für sie schreiben wolle. Beim ersten Mal (es handelte sich um eine neuere Mac-Zeitschrift) habe ich noch ganz spontan zugesagt – erst, als mir dann das Honorar für den zweiseitigen Artikel mitgeteilt wurde, 60 Euro, habe ich dankend abgelehnt. An solch einem zweiseitigen Fachartikel sitze ich, Recherchen mit eingerechnet, mindestens vier Stunden. Macht einen Stundenlohn von 12 Euro. Was verdient man heutzutage als studentische Kneipenaushilfe? Nicht viel weniger, vermutlich. Nein, da schreibe ich lieber honorarlos in mein eigenes Blog.
Modediktat
Dieser allgegenwärtige Rosa-Kult bei der Zubereitung von Fleisch, dem auch von Hobbyköchen landauf, landab gleichermaßen bedingungs- wie ahnungslos gehuldigt wird, geht mir ein bisschen auf die Nerven. Ich bevorzuge es, keine Blutlache auf dem Teller zu haben. Dass Fleisch beim Durchbraten zäh wird, ist ein mittlerweile so weit verbreiteter Irrtum, dass in einigen Fällen sogar schon Hähnchen- oder Schweinefleisch rosa angeboten bzw. verlangt wird – eklig. Von möglichen Gesundheitsrisiken ganz zu schweigen. Dabei ist es mit der richtigen Zubereitung überhaupt keine Kunst, auch z. B. durchgegarte Hähnchenbrustfilets saftig und zart hinzubekommen. Aber dazu bedarf es eben weniger der neuesten Accessoires aus hippen Kochshops, als vielmehr einem zumindest minimalen Interesse am Kochen.
Anpreisung
Sollte ich jemals eine Holzhandlung bewerben, wäre mein Claim-Vorschlag: Brett-à-porter. Nun ja, wie eine kurze Google-Recherche gerade offenbarte, bin ich nicht der erste mit dieser Idee …
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Kommentare:
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Klar, das Honorar ist wirklich mickrig für den Aufwand des Artikelschreibens. Aber hey, dieses Angebot kriegt nicht jeder. Ich hätte den Auftrag angenommen, quasi als Freizeitarbeit.
Nichts für ungut Herr Preidel, aber mit ihrer Schätzung bzgl. der Entlohnung von studentischen Aushilfen in der Gastronomie liegen sie doch etwas daneben: Die aktuell in diesem Sektor gezahlten Stundenlöhne für Aushilfen bewegen sich im Bereich EUR 6,00-8,50. Zumindest aus der Perspektive von unten (Student!) ist das noch ein ziemlicher Unterschied zu EUR 12,00/h.
Was die Modeerscheinung „Blutlache auf dem Teller“ betrifft, sprechen sie mir allerdings aus der Seele aus dem Gaumen.
Nun, ja, leider muss ich Martin Recht geben: €12/h wären Klasse als Kneipenaushilfe. Ist aber leider nicht so.
Trotzdem””für einen Artikel ist es etwas untertrieben.
Zu Ruhm und Ehre:
Vielleicht wäre das ein Einstieg und eine gute Gelegenheit ‘mal über den Tellerrand zu gucken!?
Das Honorar für den Artikel ist wirklich bescheiden, aber als Werbung in eigener Sache hätte ich den Auftrag angenommen. Wie schon angesprochen, erhält nicht jeder so eine Gelegenheit (Möglichkeit). Bei den Referenzen macht sich das immer gut…
Zu den Aushilfslöhnen: Wenn man im Service tätig ist, darf man das Trinkgeld nicht unberücksichtigt lassen. Damit lassen sich die mickrigen 8,- pro Stunde durchaus etwas auffetten…
@manuel, Helmut
So verständlich der Wunsch nach einer schönen Referenz auch ist: Indem eine Leistung für einen Freundschaftspreis verkauft wird, wird jedesmal die Lebensgrundlage derer angeknappert, die davon leben (müssen).
Und am Ende will es keiner gewesen sein. Hier muß meiner Meinung nach aus Prinzip abgelehnt werden, da genau das die Abwärtsspirale antreibt…
Eine Alternative wäre es, sowas einmalig und umsonst zu machen. Auf der Rechnung sollte dann in etwa stehen: Leistung X erbracht für (z.B.) 360,- Euro. Berechnet: 0,- Euro, weil (Grund). Sowas könnte man machen, wenn man auf Teufel komm raus Referenzen braucht oder irgendwo unbedingt reinkommen will.
Gruß Matthias
@ Matthias: Ich sehe das ähnlich.
Kostenlos oder für Dumpingpreise zu arbeiten, oder so etwas auf Auftraggeberseite zu verlangen, ist nicht nur in höchstem Maße unprofessionell und unseriös, sondern gefährdet auch Existenzen.
Oder anders gesagt: Von anderen kostenlose Leistungen zu verlangen, mit denen man dann seinen eigenen Lebensunterhalt bestreitet, ist in meinen Augen schamlos und unmoralisch.
Gerade im Dezember habe ich wieder eine Anfrage einer Zeitschrift nach einem zweiseitigen Artikel mit 10.000 Anschlägen erhalten, für den ich nichts, nada, 0,0 Euro erhalten sollte.
Was würde mir wohl der Chefredakteur dieser Zeitschrift antworten, wenn ich ihn bäte, mir einen 10.000-Anschläge-Artikel für mein Blog zu schreiben? Und zwar kostenlos? Mit Exklusivübertragung der Rechte, so dass ich den Artikel beliebig weiterverkaufen kann?
Der würde mir was husten. Zu recht.
Übrigens bekam ich auf obigen Blogeintrag interessanterweise eine Anfrage nach Artikeln, die mit 120 Euro/Seite abgegolten werden. Es geht also auch anders …
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