„Den Freitod gewählt“
Allen Menschen, die leichtfertig schreiben, Robert Enke habe den Freitod gewählt, sei mal folgendes erklärt: Ein Mensch, der nach einer Krebserkrankung stirbt, hat seinen Tod nicht etwa gewählt, sondern er ist umittelbare Folge seiner Krankheit und, je nach Krankheitsverlauf und Schwere der Erkrankung, unausweichlich. Der Suizid eines Menschen, der an Depressionen erkrankt ist, ist ebenso wenig gewählt, er ist auch keineswegs eine freie Entscheidung, sondern ebenfalls eine unmittelbare Folge der Erkrankung. So ein Mensch hat keine Wahl mehr, genau die wird ihm nämlich von der Krankheit genommen.
Es sei also allen angeraten, solche irreführenden Begrifflichkeiten zu vermeiden, weil damit impliziert wird, ein Suizid als Folge von Depressionen sei eine freie Willensentscheidung. Das würde diese Krankheit in unzulässiger Weise verharmlosen.
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Kommentare:
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Danke Herr Hobbypsychologe. Natürlich hat er seinen Freitod gewählt, er könnte sich aussuchen, ob er vor einen Zug springt, von der Brücke oder oder oder … oder gar nicht.
Wenn einer sich in den Tod flüchtet, um den Belastungen seiner Krankheit zu entgehen, ist das frei gewählt. Würden Sie sagen, dass jemand der seinen Krebs nicht mehr aushält und deswegen in den Tod springt keinen Suizid gemacht hat?
Danke Michael, genau das habe ich beim lesen des Begriffs in diesem Zusammenhang auch gedacht. Das musste echt mal gesagt werden.
Gruß Stephan
Habt ihr auch gut zugehört, ihr 4 Millionen Deutsche, die ihr an einer behandlungsbedürftigen Depression leidet? Was will euch Michael Preidel damit sagen? Na? Zieht eure Schlüsse…
Seine Selbsttötung mag vllt. durch sein Krankheitsbild „diktiert“ worden sein, wohl aber nicht, dass er damit einen Mitmenschen in Mitleidenschaft zieht.
Bei allem Mitleid für Enke und die Hinterbliebenen, aber einen Bahnfahrer so dermaßen mit in die Tiefe zu reißen, ist definitiv nicht dem Krankheitsbild anzulasten. Ich hoffe, der Bahnfahrer wird entsprechend psycgisch betreut.
@Horst: Du hast nicht einen Satz von dem verstanden, was ich geschrieben habe. Im übrigen grenzt dein Zynismus in Bezug auf die freie Wahl der Art des Suizids schon an Menschenverachtung.
@noribori: Dieser Blogeintrag richtet sich nicht an an Depressionen erkrankte Menschen, sondern an diejenigen, die so ein abstruses Bild von dieser Krankheit haben, wie es nicht nur Horst in seinem Kommentar vermittelt.
Viel unangenehmer als diese vielleicht dumme, aber eben verbreitete Floskel, finde ich den allgemeinen Tenor der ungläubigen Verwunderung darüber, dass ein Vorbild, ja ein erfolgreicher Prominenter sogar, an Depression erkranken konnte. Und wie furchtbar es sei, dass er das auch noch geheim gehalten hat – das klingt fast so, als sei man gar froh, daraus einen Vorwurf konstruieren zu können, der dem Verstorbenen selbst die Schuld für sein Unglück gibt, nach dem Motto: Seht ihr, wenn er doch nur was gesagt hätte, wäre ihm sicher geholfen worden, dann wäre sicher alles gut geworden. Das ist anmaßend und zementiert m.E. die Stigmatisierung, die zur Zeit in den Medien ach so pflichtschuldig bedauert wird.
Am Dienstag hörte ich einen Kommentar zu Robert Enkes Tod. Eine Jornalistin berichtete, der Lockführer habe eine Person auf den Gleisen gesehen, jedoch nicht mehr ausweichen können. Das zeigt sehr deutlich, wie leichtfertig auch Profis oft mit Floskeln umgehen. Mit dem Freitod ist es wahrscheinlich ebenso….
Ich leide seit 15 Jahren an Depressionen, ich weiß sehr wohl wovon ich rede. Nahe am Suizid stand ich vor Jahren bereits und es ist jederzeit meine freie Entscheidung gewesen es nicht zu tun. Es wäre höchstens eine Erlösung gewesen, eine Flucht, wie ich beschrieb, es auch bei anderen Krankheiten der Fall gewesen wäre.
Naja und was meinen menschenverachtenden Zynismus anbelangt. In der Tat, dieser könnte im Gegensatz zu Suizid wirklich eine unausweichliche nicht-willensfreie Folge der Krankheit sein.
Danke für den Kommentar. Ich wollte mich zuerst auch hier kurz äußern, habe mich dann aber dazu entschieden, aufgrund der Länge meiner Antwort einen eigenen Blogeintrag zu schreiben.
Schade ist eigentlich nur dass einige Menschen immer noch nicht erkannt haben welchen Schaden einer der größten „Volkskrankheiten“ anrichten kann…
Wie sagt man so schön, »Jacke wie Hose«. Was soll diese Wortklauberei. Ob man einen Selbstmord nun Freitod oder Suizid nennt bleibt im Ergebnis doch trotzdem gleich … kopfschüttel
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