Die Sonos-Experience
Hört man sich im Internet nach Sonos um (für die, die noch nichts davon gehört haben: Sonos ist ein System aus drahtlos vernetzten Lautsprechern und Audiokomponenten, über die man Streamingdienste, Internetradio oder die eigene Musikbibliothek hören kann), findet man ausnahmslos begeisterte Menschen, die von einfacher Bedienung, tollem Klang und hohem Suchtfaktor („brauche unbedingt noch ’ne Play:1 fürs Gästeklo“) schwärmen. Nun gut, hier sind meine Erfahrungen.
Die Installation
Man kann das System installieren, ohne sich zu registrieren. Allerdings habe ich dann keine Updates angeboten bekommen, weder für die Komponenten noch für den Desktop-Controller. Darüber hinaus werden ohne Registrierung unter „Mehr Musik“ nur kümmerliche zwei Streamingdienste angezeigt – da ist dann leider nichts mit Amazon Cloud Player oder Hype Machine oder 8Tracks. Entschließt man sich dann zähneknirschend doch zur Registrierung, wird man während des Prozesses unter anderem um Freigabe von Nutzungsdaten gebeten, mit dem Hinweis, dass man die Freigabe in den Controller-Einstellungen jederzeit rückgängig machen kann.
Pustekuchen! Sowohl beim Desktop- wie auch beim iOS-Controller ist die entsprechende Option jedes Mal, nachdem sie abgewählt wurde, ohne jegliches Zutun wieder angewählt, wenn die Einstellungen erneut geöffnet werden. Der Sonos-Support dazu:
Bei einem System, welches bereits registriert ist, müssten die Geräte auf Werksstandard zurückgesetzt werden, um diese Einstellung abzuändern, dabei gehen allerdings Sonos Favoriten und Playlisten verloren.
Vielen Dank. Beim Registrierungsprozess und auf den Hilfe-Seiten hört sich das allerdings komplett anders an. (1, 2).
Die Konnektivität
Um die eigene Musikbibliothek hören zu können, fügt man dem Sonos-System Freigaben, oder anders gesagt: Ordner mit Musikdateien hinzu. Diese Ordner können auf einem Rechner im Netzwerk oder auf einem NAS liegen. Da mir ein dezidiertes NAS wegen der Lüfter zu laut ist, habe ich einen AirPort Extreme, einen USB-Hub und zwei 2,5"-Festplatten gekauft und meine Musikbibliothek darauf ausgelagert. Das Einbinden ins Sonos-System war einfach, Musik und Playlisten wurden nach der Indizierung problemlos abgespielt. Bis die Platten das erste Mal in den Ruhezustand gingen. Danach ging gar nichts mehr. Die Festplatten fuhren beim ersten Zugriff zwar wieder hoch, aber das Sonos-System erkannte (im Gegensatz zu allen anderen Geräten im Netz) die Freigabe nicht mehr und weigerte sich fortan beharrlich, noch irgend etwas abzuspielen.

Um es kurz zu machen: Der Support wirkte erstens ausgesprochen lustlos und hatte zweitens noch nicht mal ansatzweise eine Lösung parat – offensichtlich ist es beim Sonos-Support auch gar nicht vorgesehen, da mal etwas tiefer zu graben oder so eine Bugmeldung beispielsweise an die Entwickler weiter zu geben.
Wenn Sie also planen, Sonos-Komponenten mit einem AirPort Extreme und daran angeschlossenen Festplatten zu benutzen – bei mir funktioniert das auch nach mehrmaligem Telefon- und Mailkontakt mit dem Support nicht. Bzw. nur so lange, bis die Festplatten in den stromsparenden / materialschonenden Ruhezustand gehen. Danach müssen Sie die Freigabe erneut einrichten. Inklusive Indizierung und allem Drum und Dran. Völlig inakzeptabel, meiner Meinung nach.
Die Bedienung
Sonos wird wegen der Bedienungsfreundlichkeit gern mit Apple verglichen – okay, dann vergleichen wir mal:
Möchte man mit iTunes eine Playlist in zufälliger Reihenfolge hören, wählt man sie aus, drückt auf Zufall und Play – boom, läuft.
Möchte ich das selbe mit Sonos machen, wähle ich die Playlist aus, drücke auf Alle Titel und im nachfolgenden Dialog auf Jetzt abspielen. Anschließend suche ich erst mal im Internet, wo die zufällige Wiedergabe in der iPhone-App aktiviert wird, drücke dann auf den Bereich, in dem Titel, Interpret und Album aufgeführt werden und wähle im anschließenden Popover-Fenster den Zufall-Button aus. So weit, so gut (und im Internet muss man ja zugegebenermaßen auch nur das erste Mal suchen). Blöd allerdings, wenn ich vorher bereits andere Stücke oder andere Playlists gehört habe, die werden alle in die zufällige Wiedergabe mit einbezogen. Der Sonos Controller legt nämlich ungefragt alles, was ich abspielen möchte, erst in eine Liste, gern auch doppelt oder dreifach, die dann abgespielt wird, außer, ich lösche vor dem Abspielen einer Playlist diese Liste (und bestätige mit einem weiteren Klick, dass ich auch wirklich alle Elemente löschen will) oder ersetze sie (unter iOS) mit der ausgewählten Playlist. Verwirrend? Stimmt. Umständlich? Sie sagen es.
Die iPhone-App
Das Sonos-System läuft in einem lokalen Netzwerk, eine Steuerung von außerhalb ist nicht vorgesehen. Warum dann die (nebenbei bemerkt: unsagbar umständliche und unintuitive) iPhone-App innerhalb von kurzer Zeit 5,6 MB unbekannte Daten über das mobile Netz verschickt und – viel schlimmer – jetzt, nachdem ich „mobile Daten“ für die Sonos-App ausgeschaltet habe, genau das bei jedem Öffnen anmeckert und jedes Mal ein Popup-Fenster öffnet, das ich erst schließen muss, bevor ich die App dann nutzen kann, ist mir völlig schleierhaft. Und trägt nicht übermäßig zu meinem Vertrauen bei.
Der Klang
Die Sonos Play-Komponenten haben für meine Ohren mit klassischem Hifi ungefähr so viel zu tun wie drei nebeneinander gestellte Kofferradios mit Surround-Sound. Der Klang ist okay, nicht mehr und nicht weniger. Das ist auch gar nicht schlimm, aber man muss es eben wissen, damit man nicht irgendwelche Klangerlebnisse erwartet, die man gemeinhin von Hifi-Anlagen gewohnt ist. Auch die Play:5 (die größte Sonos-Box) kommt klanglich noch nicht mal in die Nähe meiner uralten NAD 800-Regalboxen in meinem Arbeitszimmer. Will ich Musik nicht als Hintergrundgeräusch, sondern als Genuss erleben, höre ich persönlich Musik deshalb nicht über die Sonos-Boxen, sondern über die gute alte Anlage mit Verstärker, der die Musik über einen AirPort Express vom Rechner empfängt, ferngesteuert mit der Remote-App.
Der Suchtfaktor
Zwei Play:1, eine Play:5, eine Sonos Bridge und die Erkenntnis, mir für nichts und wieder nichts einen AirPort Extreme gekauft zu haben, der jetzt nutzlos herumliegt, reichen mir völlig. Wir hätten zwar noch ein paar Zimmer ohne Musik, aber weitere Sonos-Boxen kommen aller Voraussicht nach nicht mehr ins Haus.
Das Fazit
Das drahtlose Musikhören von unterschiedlichen Quellen in verschiedenen Zimmern zentral über einen Rechner bzw. iOS- oder Android-Geräte steuern zu können, ist zweifellos eine gute Idee. Hätte ich aber vorher um diese ganzen Unzulänglichkeiten gewusst – Zwangsregistrierung, kein Zusammenspiel mit AirPort Extreme, mangelhafter Support, unausgereifte und unintuitive Software – hätte ich mich intensiver nach Alternativen umgesehen. Bose fängt ja mit SoundTouch ganz vielversprechend an – sechs Hardware-Presettasten und AirPlay-Unterstützung klingt jedenfalls schon mal ziemlich gut.
Nun wirft man eine 800-Euro-Investition nicht so mirnichtsdirnichts aus dem Fenster, deshalb behalten wir die Sonos-Boxen erst mal und nutzen sie hauptsächlich für Internetradio. Demnächst soll es neue Software-Versionen von Sonos geben, vielleicht (hoffentlich!) wird dann alles besser. Parallel dazu werde ich aber die Entwicklung des Bose-Systems nicht aus den Augen verlieren. Sollte Sonos nicht aus den Puschen kommen und Bose mit den kommenden Software-Versionen Fortschritte machen, habe ich überhaupt kein Problem damit, zu wechseln.
Wertung:
Idee gut, Ausführung eher enttäuschend.
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Kommentare:
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Hallo Michael,
danke für den Sonos Bericht. So habe ich mir das vorgestellt. Ähm, und mein Beileid.
Ich brauche so eine Lösung derzeit nicht wirklich, aber grundsätzlich würde ich versuchen, das mit einem Mac Mini und AirPlay Boxen zu lösen. Insofern hat man gleich einen Server. Klar, etwas dekadent.
Und schade, das Apple Front Row aufgegeben hat. Das war in Sachen Home Entertainment sehr gelungen. Würde Front Row noch vorhanden sein, Mac Mini an den Fernseher und gut ist.
Mit Erstaunen habe ich festgestellt, das mein neues MacBook Pro nicht mal mehr Infrarot hat. Das sind solche Punkte, wo ich Apple nicht mehr verstehe.
Grüße,
Marc
Ich habe hier sogar einen Mac mini als Server stehen (der aktuelle hat übrigens noch Infrarot). Es gibt aber leider noch keine Multi-Room-Lösung für bzw. mit iTunes, deshalb hatte ich mir die Sonos-Boxen gekauft.
Naja, ich hoffe, dass Bose den Markt mal ein bisschen in Bewegung bringt und Sonos sich etwas mehr anstrengt. Die Hoffnung ist allerdings nicht allzu groß: seit gestern gibt es zwar ein Update der iOS-App, allerdings will die sich unterwegs immer noch über das mobile Netz mit Sonos verbinden. Das verstehe, wer will …
Mit diesem Trick kann man verhindern, dass netzwerkfähige Heimgeräte (Fernseher, AV-Receiver, …) ins Internet verbinden und irgendwelche Daten senden:
Einfach die IP-Adressen manuell vergeben und als Standardgateway statt dem Router die 127.0.0.1 eintragen. Dann sind die Geräte noch im lokalen Netz funktionsfähig (AirPlay, App-Steuerung), kommen aber nicht mehr raus ins Internet!
Ist weit besser als der Funktionsverzicht, wenn man das Netzwerk ganz kappt.
Man kann aus iTunes mehrere Airport Express gleichzeitig ansteuern, wenn man die Musik zeitgleich in mehreren Räumen hören will. Damit könntest Du das bestehende Setup einfach erweitern und auf Sonos pfeifen. iTunes kümmerst sich dabei sogar um die unterschiedlichen Latenzen.
Sonst gäbe es noch die Möglichkeit, einen AirPlay-fähigen AV-Receiver zu kaufen, der mehrere Zonen ansteuern kann. Dabei müssen die Boxen allerdings mit Kabeln (ggf. von einem Raum in den anderen) am Receiver angeschlossen werden.
Bei mir steht ein Denon-Receiver, mit dem ich sehr zufrieden bin. Ist einfach vernünftige HiFi-Qualität, im Gegensatz zu den Sonos-Spielzeugboxen… Dafür nehme ich dann auch gerne die Verlegung von Kabeln in Kauf.
Mit dem Audyssey-System werden die Boxen eingemessen und auf die spezifische Raumakustik abgestimmt (spezielles Mikro wird dafür mitgeliefert). Die Klangqualität ist wirklich ausgezeichnet.
Dazu gibt es eine schöne App, eine Weboberfläche und flexible Konfigurationsmöglichkeiten. Kann auch Webradio (Spotify, …). Die Lautstärke der Anlage lässt sich bei Airplay schön via iTunes steuern.
In verschiedenen Zonen können die gleichen Inhalte abgespielt werden, aber auch unterschiedliche.
Lohnt sich aber wohl nur, wenn man nicht nur Musik hört, sondern auch viel Filme schaut.
Bei mir hängt ein Mac mini mit EyeTV dran und auch noch ein AppleTV zum Filme ausleihen. Darüber geht dann auch Airplay mit Video. Musik spiele ich direkt vom Laptop via Airplay (an den Denon, nicht ans AppleTV).
Danke fürs Veröffentlichen deiner Erfahrungen. Dann bleibe ich bisher einfach bei dem Bose Soundlink Mini, den du mal empfohlen hast – finde ich nach wie vor phänomenal.
Hallo Michael,
deinen Kritikpunkten stimme ich nach 2 Jahren Sonos-Nutzung (vorher Squeezebox) zu. Allerdings gibt es auch Positives: Navigieren und Starten der Musik ohne jede Verzögerung, auch bei riesigen Bibliotheken; nahtlose Integration von Spotify; Möglichkeit, mit 1 Spotify Account in verschiedenen Räumen gleichzeitig verschiedene Musik abzuspielen (Gold wert, wenn man 2 Teenies im Haus hat).
Hast du dir mal das "Raumfeld" System von Teufel angesehen? Das wäre für mich die wirkliche Alternative. (Bose ist für mich "dasselbe in grün".) http://www.teufel.de/audio-streaming.html
Spotify oder ähnliche Streamingdienste sind für mich, nicht zuletzt auch wegen meines ziemlich ungewöhnlichen Musikgeschmacks, relativ uninteressant. iTunes Match würde ich abonnieren, aber zuhause habe ich die Mediathek ohnehin auf der Festplatte, und mobil ist nach 1 GB Schluss mit schnellem Internet-Zugang.
Für Streamingdienste nutze ich Sonos also sowieso nicht. Aber da die Sonos-Dinger DLNA-fähig sind, benutze ich jetzt DS-Audio, eine iOS-App, die die Musiksammlung (oder auch Internet-Radiostationen) auf dem Synology-NAS steuert. Der Server streamt sie dann ohne Ansehen der Person des Protokolls auf sämtliche Airplay- und DLNA-Geräte, die sich im WLAN befinden. Natürlich Multi-Room-fähig, siehe auch Synology DS414, oder warum man einen NAS-Server braucht
Die Sonos-Apps, der größte Sonos-Schwachpunkt, sind damit gottseidank überflüssig geworden.
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