Nicht gut gemacht
Da gibt es ein Redesign einer Website, auf der zuletzt drei Monate lang nichts mehr passierte, und die internationale Bloggerwelt steht Kopf – die Rede ist von A List Apart. Mal abgesehen davon, dass ich es ein bisschen merkwürdig finde, eine Website mit Versionsnummern (A List Apart 4.0) zu versehen – wird hier doch Redesign sozusagen zum Programm –, empfinde ich die Gestaltung der erneuerten Website, im Gegensatz zum sich überschlagenden Rest meiner geschätzten Kollegen, als im Detail ein wenig misslungen.
Auf den ersten Blick sieht das neue Layout ganz nett aus – aber ein paar grundlegende typographische und ergonomische Regeln sind leider völlig außer acht gelassen worden.
Typographie
Nehmen wir z. B. die Schriftgröße – eine 10 Pixel große Verdana für Lesetexte auf dem Monitor ist schlicht zu klein. Viel zu klein. Sicher, man kann sie vergrößern (auf dem Mac mit ⌘+), allerdings vergrößert man damit auch die Schrift der oberen Navigationsleiste. Und weil die Gestalter nicht wollten, das diese Leiste umbricht, fliegt bei Textvergrößerung eben das, was an Menüpunkten nicht mehr hineinpasst, einfach rechts heraus.
Durch die kleine Schriftgröße entstehen im Zusammenhang mit der breiten Hauptspalte Zeilen mit durchschnittlich 100 Zeichen – zu lang für gute Lesbarkeit. Da hilft es auch nichts, wenn Jeffrey Zeldman über A List Apart 4.0 schreibt:
Wide, comfortable columns make text a pleasure to read.
Für den durchschnittlichen Leser ist es nämlich eher a pain to read.
Ergonomie
„We don’t support 800×600 anymore“ sagt Jason Santa Maria, der Designer der Website, und deshalb hat ALA jetzt vier Spalten und ist über 1000 Pixel breit. Natürlich hat die Mehrzahl der Surfer mittlerweile Bildschirmauflösungen von 1024×768 und mehr. Aber muss man User, die nicht bildschirmfüllend surfen, zwingen, ihre Fenster größer aufzuziehen? Oder horizontal zu scrollen? Printmagazine werden ja auch nicht jedesmal größer, wenn breitere Papierbahnen verfügbar sind.
Und die Entscheidung Santa Marias, besuchte Links visuell bewusst nicht zu kennzeichnen, ist nicht nur unter ergonomischen Gesichtspunkten fragwürdig.
Wenn ich ehrlich bin, ist dieses Redesign in meinen Augen kein besonders gutes Bild für eine Website, die seit Jahren unter anderem auch Accessibility predigt.
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Kommentare:
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Ich lese in vielen Blogs immer etwas von sensationell und aussergewöhnlich, wenn die Rede vom neuem Design ist. Für mich sieht das Design nett aus, mehr aber auch nicht. Ein Design ist nicht automatisch gut, wenn dies von einem Designer kommt, der zuvor ein gutes Design geliefert hatte. Das haben bisher wohl einige Blog-Kollegen übersehen.
Wenn das alle Kritikpunkte sind, dann kommt ALA ja doch ganz gut weg. Ich bin recht begeistert, weil ALA es schafft, dezent zu sein, und dennoch viele kleine Komfortabilitäten einbaut. Das Design ist ausgewogen und unaufdringlich, mit einer Affinität zu klassischen Druckmedien. Die RollOvers sind fein und ich bin gespannt auf die noch kommenden Farbvarianten.
Ich teile Deine beiden Kritikpunkte, doch der positive Gesamteindruck überwiegt bei weitem.
Das Design finde ich aus ästhetischer Sicht fantastisch. Wirklich. Es ist stylish und man fühlt sich trotzdem zu hause. Die Farben leiten das Auge sehr schön, das Logo ist so gut, dass ich mir echt überlege, ein T-Shirt zu bestellen!
Die Breite hat mich persönlich nicht gestört und ich verwende auch im professionellen Umfeld kaum noch Layouts, die komplett auf 800×600 passen (trotzdem sollte natürlich der Hauptinhalt dort stattfinden).
Was mich allerdings auch wirklich gestört hat, ist die kleine Verdana. Erstmal Verdana: muss das sein? Ich mag sie nicht. Das ist was persönliches. Sie ist gut lesbar aber sooooooo langweilig. Ich hatte dazu auch eine Diskussion mit Daniel Mall , der die Wahl aus typografischer Sicht begründet hat. Das leuchtet mir ein. Ich mag sie trotzdem nicht ;P
Zuletzt und das ist der wohl entscheidende Kritikpunkt: die Größe. Und da gibt es deiner Ausführung nichts hinzuzufügen.
Auch ich bin nicht wirklich begeistert vom ALA Redesign.
Jeder private Blog, der mit so einem Design käme, würde auf sämtlichen Review Seiten auf Schlimmste zerissen werden (Zentrierte Headlines, Ripped Off Basic Themes etc.).
Das beste am neuen Relaunch sind die kommenden Inhalte, nicht mehr und nicht weniger. Was mich mehr als stört, ist die eigene Beweihräucherung der Szene. Jeder namenlose Webdesigner wäre für diesen ALA Relaunch gelynched wurden. Nur da wir hier wieder bekannte Namen im Hintergrund haben, wird auch ein schwaches Design zum hippen Trendsetter, ein ganz mieses und bekanntes Problem der Szene.
Um Redesign wird sowieso viel zu viel aufhebens gemacht. Eine attraktive Gesaltung der Webseite sollte jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten realisieren können. Ich habe bei meinem Blog auch vor einiger Zeit ein wenig am Desgin gebastelt, da ich keine großen HTML-/Grafikkentnisse hat mich dies einiges an Zeit gekostet, aber ich habe deshalb noch keinen Riesenaufstand darum gemacht.
An der Stelle könnte ich ja einmal anmerken, dass ich noch ein Logo für meinen Blog brauche, wer Lust hat kann ja einmal einen Vorschlag an mich senden. ich hätte auch noch 150,00 € dafür im Budget. Die Mailadresse lautet pmeier[at]arcor.de .
Danke, dass wenigsten ein paar Leute in der Euphorie noch einen klaren Kopf behalten. A List Apart mag durchaus seinen Reiz haben, aber es gibt weitaus besser gestaltete Seiten, mit weniger hochnäsigen Autoren und Designern.
Beim Redesign von ALA stellen sich mir folgende Fragen
· wo sind die Farben hin? Das alte ALA war bunt, die neue Version wirkt ruhiger, aber auch etwas langweiliger und professioneller. (Ob es ein Zufall ist, dass mich die Farben sehr an diese Seite erinnern …)
· was ist die Intention des Logos? Eine gedrehte Weizenähre oder doch ein Lorbeerkranz? Und was hat das alles mit Webdesign zu tun?
· kann ich mich jetzt bei jedem neuen Artikel auf eine gelungene Illustration freuen?
Lustig, dass sich jene über kleine Schriftgröße beschweren, die anscheinend mit Auflösungen jenseits von 1280xX surfen, und gleichzeitig das zu groß gehaltene Format anprangern… Meine Meinung:
Das alte Design fand’ ich für die (tatsächlich) wegweisende Seite, die ALA nunmal darstellt, unpassend und einfach zu simpel. Da gefällt mir das neue besser, da es meiner Meinung nach etwas smarter daherkommt, und vor lauter „Web-Standards“ nicht auf „Webdesign-Standards“ zurückgreift.
Christian:
Wenn so eine private Seite es genau so abgeliefert hätte, würde ich nicht davon ausgehen, dass sie „zerrissen“ wird. Meistens sind es die kleinen Fehler, die das Design zerstören. Und selbst wenn die neue Seite langweiliger ist als die alte (was zugeben Tatsache ist), ist alles wie aus einem Guss.
Andererseits gibt es andere Seiten, bei denen ich mich mehr auf ein mögliches Redesign freue.
@Jannis: Was ich sagen wollte war, dass eine private Seite mit diesem Look, als reiner x-facher coudal bzw. particletree Aufguß gesehen werden würde.
Nichts anderes ist das neue ALA Design. Keine Frage es ist nett aber den Hype bei weitem nicht wert.
coudal Coudal zeigt seit Monaten, wie man einen ähnlichen Ansatz, besser umsetzt.
@ Christian: Ich gebe dir völlig recht, Coudal ist das wesentlich bessere ALA. Aber da ich Coudal schon seit langer Zeit lese, darf ich dich ein wenig korrigieren: Das jetzige Layout gibt es schon seit ungefähr anderthalb Jahren. Coudal gehört übrigens gestalterisch zu meinen absoluten Lieblingsseiten.
Ok, ob etwas abgekupfert ist oder nicht, das ist immer ein Streitpunkt.
Den Hype, der erwartungsgemäß dem Redesign gefolgt ist, verstehe ich zugegebenermaßen auch nicht. Dazu ist der Sprung nich weit genug gewesen. Doch sich über das Hin und Wider der Typo auszulassen (so verstehe ich deinen Vergleich ALA / Coudal. Gesperrte Subheads, serif/sans-serif Mischung) finde ich ein wenig kleinlich.
Web-Typografie ist eben begrenzt, und das, was im Print-Bereich seit jeher als schön gilt, kann man im Netz nicht ohne weiteres realisieren, deshalb ist ein gewisser Status Quo (an der richtigen Stelle) nicht zu verachten.
Was mich im Moment allerdings noch am ehesten stört, ist die Grafik-Armut. Und die ist auch bei ALA vorhanden. Keine Photo-Hintergründer, keine Illustrationen. Eintönig.
Ich bin auch nicht so begeistert. Das Design ist solide – wenn man als Anspruch hat, ein Druckdesign auf den Bildschirm zu holen, sogar sehr gelungen.
Aber von alistapart, dem eZine über Webdesign, hätte ich einfach etwas Wegweisenderes erwartet.
Ich hätte mir gewünscht, das selbe „Wow-Erlebnis“ zu haben, das ich hatte, als ich zum ersten mal csszengarden betrachtet habe.
Aber naja, vielleicht wird ja Version 5.0 uns alle umblasen…
Mal ganz grundsätzlich: warum sollte man ein Print-Design auf den Bildschirm bringen wollen?
Ausserdem stören mich die Zeilenabstände, die Haupt- (zentriert, dreizeilig und umgekehrt pyramidenförmig: aua!) und Zwischenüberschriften.
Verdana mögen oder nicht ist ja egal, die Wahl ist legitim, vielleicht besser eine Nummer größer. Und ein Ideechen weniger Zeilenabstand im Brottext täte der Seite gut.
Das Logo ist überhaupt kein Logo, bedaure.
Der Rollover-Effekt des Ausgabe-Nummernschildchens ist uninspiriert.
Oder, um es mit Jannis zu sagen: »Meistens sind es die kleinen Fehler, die das Design zerstören.«
Mal ganz grundsätzlich: warum sollte man ein Print-Design auf den Bildschirm bringen wollen?
Warum nicht? Ich will nicht ewig mit der handvoll benutzbarer Schriften rumfriemeln, die momentan vorhanden sind.
Warum nicht? Weil auf dem Bildschirm eine dem Bildschirm angepasste Gestaltung angemessen ist und nicht die Imitation eines Printmediums. Da kann man viel mit Zeit und Raum spielen, sogar in 3D. Das geht auf Papier nicht.
Beim Gegensatzpaar »Druck und Bildschirm« ist meiner Ansicht nach Schriftenvielfalt oder -Armut nicht der wesentliche Unterschied.
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