Eingeschalten?
Woher kommt es eigentlich, dass man in letzter Zeit immer häufiger das Wort „eingeschalten“ liest? Es sagt doch auch keiner „eingearbeiten“.
Allerdings sagt auch niemand „eingeschlaft“, und irgendwo aus dieser Richtung wird die Verwechslung kommen. Deshalb hier kurz die Regel: Das Partizip II endet bei schwachen Verben auf -et bzw. -t, bei starken auf -en. Und deshalb heißt es richtig: „eingeschaltet“. Frage mich aber bitte niemand, wie man schwache bzw. starke Verben klassifiziert, da gibt’s ganze Bücher drüber…
Google zeigt übrigens für eingeschalten 10.900, für eingeschaltet 358.000 und für eingeschalten+eingeschaltet erstaunlicherweise noch 568 Treffer.
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Kommentare:
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Dass starke Verben im Laufe der Zeit schwach werden, ist nicht so ungewöhnlich. Das Verb pflegen beispielsweise war im mhd. noch stark:
Infinitiv – Präteritum – Partizip II
pflegen – (wir) pflâgen – gepflegen
Heute heißt das Präteritum pflegte und das Partizip II gepflegt. In „Gepflogenheit“ ist noch die alte, starke Flexion gepflogen enthalten, die eine Parallelform von gepflegen war.
Backen ist ein Verb, das mitten in dieser Entwicklung steckt. Ursprünglich ein starkes Verb, das aber zum Teil (nämlich im Präteritum) mittlerweile schwach flektiert wird. Die Präteritalform von backen ist ja „eigentlich“ buk, aber wer sagt das schon heutzutage? Präteritum wird sowieso kaum mehr verwendet (oder verwandt?), und wenn, dann zieht man backte vor, oder? Das P.P. lautet aber nach wie vor gebacken, ist also stark flektiert (nicht etwa *gebackt). Also backen – buk/backte – gebacken. Vermutlich wird auch das Partizip irgendwann von einer schwachen Form abgelöst.
Dann gibt es noch Verben, die zwei Flexionsformen haben, je nach Bedeutung, z.b. schaffen (geschafft/geschaffen) oder schleifen (geschleift/geschliffen), weniger eindeutig versenden, die strenggenommen unterschiedliche Bedeutungen haben, was aber in der Praxis (bilde ich mir zumindest ein) keine große Rolle spielt. Wie bei verwenden (verwandt/verwendet), nehme ich an (gibt es hier einen Unterschied?).
Erwähnenswert wären auch sogenannte Kausativa, z.B. senken (Kausativum zu sinken; bedeutet „etwas sinken machen“), ähnlich setzen (zu sitzen), wobei das Kausativum immer schwach gebeugt wird, das ursprüngliche Verb aber stark (senkte, aber sank). War nicht deine Frage, ich weiß, aber trotzdem interessant irgendwie. Ist mir nämlich erst bewusst geworden, nachdem wir das in einem Linguistik-Seminar behandelt hatten. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu unaufmerksam :)
Wo war ich also? Ach ja, Kausativa und Flexion. Bei den obigen Verben ist das Thema Flexion an sich kein Thema, da es sich rein äußerlich um unterschiedliche Wörter handelt (unterschiedliche Stammvokale), aber bei hängen ist das z.B. nicht so. hängen – hing – gehangen (st.) und (das Kausativum dazu) hängen – hängte – gehängt (sw.), die Infinitive sind identisch. Hier kann man also was Konjugation angeht bestimmt eher was falsch machen als bei sinken/senken.
Das Partizippaar eingeschaltet/eingeschalten ist aber insofern interessant, als hier die Entwicklung, die ich am Anfang erwähnt habe (also allmähliche Schwächung von Verben), entgegengesetzt abläuft. Normalerweise setzen sich regelmäßige (= schwache) Formen durch, da sie einfacher zu bilden sind. Das stark flektierte eingeschalten macht eigentlich keinen Sinn, da es doch schon die viel einfachere schwache Form gibt. Es ist soviel ich weiß keine historische Form, woher kommt sie also? Parallelform zu einem ähnlichen starken Verb vielleicht, z.B. schelten – schalt – gescholten? Möglicherweise Verwechslung der beiden Verben („Sie schalten“ – Präsens von schalten, aber gleichzeitig auch Präteritum von schelten).
Dazu fällt mir übrigens noch ein Beispiel ein (kennst wahrscheinlich schon): gewinkt (richtig) vs. gewunken (ugs.) ein. Auch hier macht man sich das Leben unnötig schwer, indem man ein schwaches Verb „stärkt“. Die starke Form habe ich bis jetzt allerdings nur als Partizip II gehört, wie würde dann das Präteritum lauten? wank? :)
Wenn sich die Leute doch wenigstens auf eine Richtung einigen würden. Dann wäre Sprachwissenschaft aber nur halb so spannend :)
Ach, zur Unterscheidung von schwachen und starken Verben wollte ich noch etwas anmerken: Im Prinzip steht es bei dir schon da, „t“ ist ein Kennzeichen für schwache Verben, während starke Verben am „en“ im Partizip II erkennbar sind. Daneben ist für starke Verben eine Stamm(vokal)änderung typisch: sIngen – sAng – gesUngen, schwach flektierte Verben bleiben unverändert: pflegen – pflegte – gepflegt. Seltsamerweise nicht immer: bringen – brachte – gebracht gehört der schwachen Konjugation an („t“), trotz Stammänderung! Ich glaube, ich könnte sogar erklären, warum das so ist, das heißt, wenn du bis hierher noch nicht eingeschlafen bist …
Wow, danke für den ausführlichen Kommentar.
Ich bin für mich davon ausgegangen, das es einfach durch mangelndes Sprachgefühl (zu wenig Bücher gelesen?) zu so etwas wie „eingeschalten“ kommt.
Und zu den starken und schwachen Verben: es stimmt natürlich, dass man schwache am „t“ erkennt, andererseits lautet ja die Regel, dass man schwache im Partizip II mit einem „t“ versieht – ein wunderbares Beispiel für zirkulare Logik bzw. ein typisches Catch 22 Problem…
Als Technikredaktor bei einem grossen Hersteller von Wiegesystemen in der Schweiz bin ich täglich mit dem unsäglichen „eingeschalten“ konfrontiert. Bisher habe ich diese Form der Unwissenheit meiner Landsleute zugeschrieben, da es in gewissen Dialekten „iigschalte“ (stark) heisst. Als dann jedoch auch Mitarbeiter aus Deutschland ihre Waagen „eingeschalten“ haben, musste ich diese Erklärung wieder verwerfen, insbesondere weil ich nicht an einen grossen Einfluss unserer immer mehr eingedeutschten Mundart glaube. Bei der Suche nach einer Erklärung bin ich im Internet auf Ihre Seite gestossen. Wahrscheinlich handelt es sich bei den meisten falschen Einträgen um eidgenössische Verfehlungen. Im einfachsten Fall erkennt man diese am “.ch“ im Domainnamen.
Ein weiterer Helvetismus, den ich unseren Ingenieuren versucht habe auszutreiben, ist der so genannte „Wo-Fall“, welcher in unseren Dialekten hemmungslos auch auf nicht örtliche und zeitliche Einleitungen von Relativsätzen verwendet wird. Es würde dann etwa so lauten: Das Gerät, wo ich eingeschalten habe… Grauenhaft!
Auch hier lassen sich unsere deutschen Mitarbeiter leider nach und nach von der falschen Form überzeugen. Ob dies allerdings Auswirkungen auf ganz Deutschland hat, möchte ich bezweifeln.
P.S. 1: Wann heisst es übrigens gespeist und wann gespiesen?
P.S. 2: Uns Schweizern ist es erlaubt auf ß zu verzichten.
Den „Wo-Fall“ gibt es im badischen und schwäbischen (beides ja nicht so weit weg von der Schweiz) Dialekt übrigens auch: „Der Jogi Löw, der wo unser Trainer isch.“
Gespiesen ist in Deutschland unüblich, in seltenen Fällen wird es (falsch) im Zusammenhang mit „etwas einspeisen“ gebraucht: „Der Fluss wird von unterirdischen Quellen gespiesen“.
Der Duden sagt: gespeist; (schweizerisch übertragen oder schweizerisch mundartlich, manchmal auch scherzhaft gespiesen).
Und dass die Schweizer kein szett haben, weiß man spätestens seit Blatters „Fussball WM 2006“ ;-)
Der „Technikredaktor bei einem grossen Hersteller von Wiegesystemen“, der sich etwas weiter oben äussert, sollte sich, wenn er schon haargenau in dieser Branche arbeitet, einmal den Unterschied zwischen dem intransitiven „wiegen“ (Herr Meier wiegt 100 kg) und dem transitiven „wägen“ (ich wäge die Zutaten für das Weihnachtsgebäck, bzw. ich wäge ein Risiko ab) überlegen. Wohl gibt es auch ein transitives „wiegen“ (das Kind in den Schlaf wiegen), welches aber etwas anderes bedeutet. Ich bin sicher, dass Herr Rohner mit Waagen (Geräte, die ein- und ausgeschaltet werden können, vgl. Hauptthema dieser Besserwisserei), nicht mit Wiegen (Mobiliar für Kleinkinder) und folglich nicht mit Wiegesystemen, sondern mit Wägesystemen zu tun hat. Obwohl auch Waagen wiegen (ein Eigengewicht haben), besteht ihr Zweck klar im Wägen.
@ Urs Egli
Sie sind goppel auch einen Schweizer! Da kommt man ausnahmsweise mal den umgangssprachlichen Gepflogenheiten der Deutschen entgegen und verwendet „wiegen“ und schon kriegt man von einem Schweizer Besserwisser auf den Deckel. Natürlich kenne ich sehr wohl den Unterschied bei uns in der Schweiz.
Was meint ihr Deutschen denn zum Thema „wägen“ und „wiegen“? Kennt ihr „wägen“ überhaupt? Ich hoffe ihr seid mir trotzdem weiterhin gewogen.
Wägen in Zusammenhang mit Massebestimmung wird in Deutschland, wenn ich richtig informiert bin, nur fachsprachlich von z. B. Physikern verwendet.
Zur Fleischereifachverkäuferin sagt man hierzulande für gewöhnlich: „Können Sie mir die Lammkeule mal abwiegen?“
Wägen benutzt man, wenn man eine Entscheidung treffen muss und die Alternativen sozusagen in beiden Händen hält: „Chancen und Risiken abwägen.“ „Vor- und Nachteile abwägen.“ „Kosten und Nutzen abwägen.“
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