Angry old men
Gelegentlich höre ich den ComputerClub 2-Podcast. Dort wird gerne mal über Apple hergezogen: zu teuer, zu schlecht; rekrutiert (design-)hörige Jünger, die sich alles gefallen lassen und um jeden Preis aus der Masse herausstechen wollen etc. – alles schon mal gehört. Man weigert sich sogar, den eigenen Podcast auch so zu nennen, sondern nennt ihn, weil Apple seine Kunden angeblich hänselt und gretelt knebelt, lieber Audiocast.
In der aktuellen Ausgabe hat man sich das iPhone vorgenommen: Apple sei ein Quasi-Monopolist mit „unglaublichen Machenschaften“, der seine Kunden überwache und „das Telefon zu einer Marketingmaschine nutzen will“. Natürlich. Aber woher kommt diese reflexhafte, gleichermaßen faktenresistente wie unreflektierte Anti-Einstellung gegenüber einer Firma, deren Innovationskraft im Soft- und Hardwarebereich die gesamte Computerindustrie seit Jahrzehnten nachhaltig beeinflusst und anführt? Ich vermute, die unterbewusst ablaufende Argumentationskette ist eine ähnliche wie bei Fremdenfeindlichkeit: Was ich nicht kenne, ist mir nicht geheuer; was mir nicht geheuer ist, macht mir Angst; was mir Angst macht, lehne ich ab.
Ist verdammt schwer, da wieder rauszukommen. Ich empfehle: Durchatmen, Berührungsängste abbauen, Vorurteile neu kalibrieren. Und vor allem eins zur Kenntnis nehmen: Jemand, der einen Mac benutzt, will nicht aus der Masse hervorstechen, sondern seine Arbeit effizient erledigen. Nichts anderes also, was ein Windows- oder Linux-User auch will.
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Kommentare:
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Was nicht sein kann, das eben nicht sein darf.
„Dick und Doof“ machen fröhlich weiter, hatten aber durchaus schon einmal den einen oder anderen luciden Moment:
Ich erinnere mich sehr gern an eine (damals noch im WDR ausgestrahlte) TV-Folge des Computer Clubs. Es muss im Herbst 1998 gewesen sein, kurz nach Markteinführung des ersten iMac. Auf dem PC war die neue Schnittstelle USB der letzte Schrei und ein arg schwitzender Wolfgang Rudolph (der Dicke von den Beiden) wollte seinen Zuschauern mal zeigen wie sie funktioniert:
Demo Teil 1: PC mit USB-Erweiterungskarte (zu sehen im stolz offen gelassenen PC-Gehäuse), Einstöpseln eines USB-Hubs, Frage nach Treiber, Einlegen einer CD, Blue Screen of Death, Flüche von Wolfgang R., noch mehr Schweißperlen auf der Stirn und lautstarkes Wegschieben des ganzen PC-Geraffels…
Demo Teil 2: So sollte es funktionieren: Einstöpseln des selben Hubs in den iMac, kein Problem, Anschließen einer Maus, kein Problem, Anschließen einer Festplatte, kein Problem… Breites Grinsen auf dem Gesicht und ungewohnte Loblieder auf den Computerbauer aus Cupertino.
Lang ist’s her…
Aber woher kommt diese reflexhafte, gleichermaßen faktenresistente wie unreflektierte Anti-Einstellung gegenüber einer Firma, deren Innovationskraft im Soft- und Hardwarebereich die gesamte Computerindustrie seit Jahrzehnten nachhaltig beeinflusst und anführt?
Hihi, der is echt gut. Sogenannte Iphone-Clones, um mal das herangezogene Thema herzunehmen, gab es schon sehr lang vor dem Iphone. Die waren (und sind) technisch und software-seitig dem Gerät in vielen Bereichen weit überlegen.
Das ist dann aber wieder ein Thema, wo auf Apple-seite Faktenrestenz einsetzt. Man hat ein hybsches Spielzeug, und daneben gibt es nix.
„…. sondern seine Arbeit effizient erledigen. Nichts anderes also, was ein Windows- oder Linux-User auch will.“
Die einen wollen’s – die anderen machen’s! ;-)
… letzten Endes ist doch auch immer viel Geschmackssache dabei: arbeite ich gerne am Mac oder an einem Windows-PC? Der eine fühlt sich da wohler, der andre da. Nur: man sollte leben und leben lassen, oder?
@Mike: mir wollte vor knapp 1,5 Jahren ein Telefon-Shop-Mitarbeiter auch schon mal ein Nokia N97 andrehen, da dies ja dem iPhone überlegen sei. Aber konnte man es gut bedienen? Nein. Das Browsen im Web war echt grauslig… Ich finde, Apple hat einfach einen guten Job gemacht – mit einem Produkt, das solide Technik hat (und dort nicht ALLES reingepackt, was geht) und dabei Spaß macht zu bedienen. DAS ist der Schlüssel zum Erfolg, finde ich…
Dass auch andere Firmen gute Produkte machen, stimmt natürlich. Aber Apple ist schon sehr forsch in seiner Produktentwicklung – das müsstest auch du zugeben.
Ohne da jetzt eine Mac vs. PC-Diskussion anzetteln zu wollen, aber was mich immer wieder amüsiert ist, wie Apple-Verreisser gerne einen bemüht auf dumm machen und ganz bewusst Produkte mißverstehen. So wird am IPhone das angeblich Innovative bezweifelt, weil es schließlich bereits vor dem IPhone Handys gegeben hätte, die das, was das IPhone könne, auch leisten würden – und noch viel mehr. Das aber eben nicht der Funktionsumfang, sondern das Bedienkonzept das Innovative waren, taucht in der Argumentation derer nicht auf.
(Gibts aber auch woanders. Beispiel: die neuen Micro-Four-Thirds-Kameras. Da wird auch in diversen Foren die Sinnhaftigkeit dieser Kameras angezweifelt. Eine DSLR leiste mehr zu geringerem Preis. Der unique selling point, die Größe, wird als Kaufargument einfach nicht akzeptiert)
Hut ab – ich finde deine Beobachtungen recht zutreffend, Michael. Es gibt natürlich auch Apple-Fans, die umgekehrt alles niedermachen, was nicht von Apple ist – und wenn daraufhin sich Leute über diese Kultur beschweren, ist das für mich okay.
Aber Apple Vorhaltungen zu machen, nur weil sie ein Produkt, das ich gerne hätte nicht zu meinen gewünschten Konditionen verkaufen – das ist nur kindisch und „ich will aber“-Verhalten. Wenn Apple ihr iPhone nur per T-Mobile verkauft, dann ist (war) das für mich zwar dumm – aber ich habe mich lange damit beholfen, einfach keins zu kaufen. (Habe jetzt eine Prepaid-Variante, aber das ändert nichts am Grundphänomen.)
Bei dem Thema geht es mir oft wie bei der Mondlandungs-Verschwörungtheorie: Man will eigentlich gar nichts dazu sagen, weil der Verschwörungstheorie-Anhänger sich ja gerade dadurch definiert, dass er Argumenten nicht nur nicht glaubt, sondern sich nur umso stärker in seinem Glauben bestärkt fühlt, dass sich alle gegen ihn verschworen haben, um ihn in einer Art Truman-Show gefangen zu halten. Diskutieren ist da schlicht und einfach sinnlos.
Diese Art der genussvollen Fakten- und Argumenten-Ignoranz gibt es meiner Erfahrung nach sowohl unter PC- als auch unter Mac-Nutzern. Ein Unterschied ist vielleicht der, dass die Gruppe der Mac-Nutzer unter den Faktenverweigerern sich eher weniger mit dem Thema Mac vs. PC beschäftigt und stattdessen mit irgendeinem Quatsch innerhalb des Bermuda-Dreiecks aus System-Optimierungs-Esoterik, Apple-Gerüchte-Nonsense und Steve-Jobs-Versteher-Poesie die Zeit totschlägt.
Eine große Schnittmenge mit den Faktenverweigerern bildet auch die Gruppe derer, nicht nicht verstehen (wollen), dass es einen Unterschied gibt zwischen dem „Schön-Aussehen“, wegen dem man sich als „Snob“ einen Mac kauft, und gutem Produkt-Design, welches einen echten Mehrwert gegenüber schlechter Gestaltung darstellt und die äußere Erscheinung zwar ein wichtiger Teil dessen ist, was gute Gestaltung ausmacht, aber eben nur ein Teil, auf den sich das Produkt-Design nicht reduzieren lässt.
Im konkreten Fall kommt die Abneigung der CC2-Wolfgänge wohl daher: Apple hat Anfangs die Rechner mit umfangreichen Handbüchern zur Hardware ausgeliefert und so es tausenden von enthusiastischen Bastlern ermöglicht, in das System einzutauchen und die Rechner um eigene Hard- und Software zu erweitern. Kam wohl Ende der 70er/Anfang der 80er ziemlich gut an, weil ja quasi keine weiteren PCs gab. Und irgendwann hat Apple nen Schnitt gemacht, hat keinerlei Informationen mehr zur Hardware rausgelassen und damit die ganzen Leuten vor den Kopf gestoßen. Apple wollte eigene Hardware verkaufen. Das war dann auch der Anfang vom Fastuntergang, der sich bis in die späten 90er hingezogen hat. Das pikante an der Geschichte ist, dass genau zu der Zeit, als Apple die Geschäftspolitik geändert hat, der erste IBM-PC rauskam, der wesentlich besser dokumentiert war. Also haben sich die Leute auf die PCs gestürzt und wohin das geführt hat, sehen wir heute. Die Computerclub-Wolfgangs kreiden Apple an, dass sie die User bevormuden, indem sie nur bestimmte Programme (früher auch Hardware) vorschreiben, die auf den Kisten laufen. Der User hat also nicht wirklich die freie Wahl. Das alles haben sie mal in einem der ersten CC2-Podcasts erzählt. Fand ich damals nachvollziehbar. Und sitzt bei Leuten, die solange im Computergeschäft sind, wohl auch nicht mehr raus.
@Micha: Stimmt schon, jedoch sollte man trotzdem nicht mit fadenscheinigen Argumenten begründen.
Die Zeiten haben sich in vielerlei Hinsicht geändert – und wie wir sehen war der Schritt von Apple, nur auf eigene Geräte zu setzen, keine so üble Idee, im Endeffekt.
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