Wenn die Bäume Trauer tragen
Ich habe mich eben mit einer jungen Frau unterhalten, die den Bäumen in der Siemensstraße, die wegen einer geplanten Straßensanierung morgen voraussichtlich gefällt werden, Trauerflor umgebunden hat. Wir hoffen beide darauf, dass dieser absolut unnötige und durch nichts zu rechtfertigende Kahlschlag noch irgendwie abgewendet werden kann.
Eine Möglichkeit wäre vielleicht, das morgige absolute Halteverbot einfach zu ignorieren. Allerdings müssten da natürlich alle Autobesitzer mitspielen …
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Kommentare:
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Zum Parken habe ich mich ja schon geäußert…
Mir fällt gerade ein, dass es ja eine Baumschutzsatzung zu geben scheint, wenn – wie beschrieben – das Roden einer einzelnen Kiefer unter Strafe gestellt ist. Vielleicht sollte man einmal einen Blick darauf werfen, wann die Stadt selbst sich über die Gültigkeit der Satzung hinwegsetzen darf. Darf sie das überhaupt?
Aus den online verfügbaren Zeitungsberichten zum Thema habe ich herausgelesen, dass zumindest schon ziemlich sicher zu sein scheint, dass die Straße wieder das alte Pflaster bekommt. Im wörtlichen Sinne. Das ist doch schon ein »Teilsieg«.
Gibt es sonst noch Neuigkeiten?
Bei uns wurden auch etliche schöne alte Parkbäume zugunsten der verbesserten Zufahrt zu einem Mega-City-Einkaufszentrum gefällt… der zuständige Landesrat war sogar so „geil“ auf den Baumtot, dass er selbst zur Säge griff und sich von seinem Chauffeur dabei filmen ließ
Manchmal kann man nur ungläubig den Kopf schütteln…
@ Heino: Dass Siemens- und Wattstraße das alte Pflaster wiederbekommen, stand schon vor der gestrigen Sitzung fest – gestern ging es darum, wie es verlegt wird, gebunden oder ungebunden. Die Verwaltung möchte die gebundene Bauweise, die viel teurer ist als die ungebundene, die die Anwohner wollen. Eine endgültige Entscheidung wurde vertagt.
Die Baumfällung ist beschlossene Sache. Es ist mir übrigens ein völliges Rätsel, wie man (besser gesagt frau: die Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz) so scharf auf diesen Kahlschlag sein kann, dass man sogar die Asphaltierung aufgibt, nur um die Bäume bis zum 15. abholzen zu können. Zitat aus der PNN vom 27.2.08:
Einmal ergänzte Von Kuick-Frenz ihr Bitten um das Baumfäll-Okay mit dem Zusatz, „von mir aus macht eben Watt- und Siemensstraße in Pflaster …“
Gestern habe ich wegen dieser drohenden Abholzungen eine E-Mail an die Stadtverordneten geschrieben, heute eine an die Untere Naturschutzbehörde – Antworten stehen noch aus.
Übrigens habe ich eben zufällig entdeckt, dass auf einigen Halteverbotsschildern auf wundersame Weise nun der 15.3. als Verbotsdatum steht …
Ich vermute, dass die Mitnahme von Fördermitteln die Triebfeder der Verwaltung ist. Straßensanierung ist nu’ ma’ richtig teuer – da helfen ein paar Hunderttausend Euro aus fremden Töpfen ganz erheblich. Da die Mittel oft daran gebunden sind, dass sie in einem bestimmten Zeitfenster eingesetzt werden, ist zu vermuten, dass sie in diesem Fall nur fließen, wenn die Arbeiten in diesem Jahr abgeschlossen werden…
Weiterhin viel Erfolg – und halten Sie uns bitte auf dem Laufenden.
Richtig, es geht hier unter anderem auch um Fördermittel. Die sind nachweislich allerdings zumindest nicht an eine bestimmte Bauweise gebunden, wie gewisse involvierte Interessenverbände mehrfach kolportiert haben. Inwieweit hier eine zeitliche Gebundenheit vorliegt, entzieht sich meiner Kenntnis.
Mittlerweile habe ich Antwort von der Unteren Naturschutzbehörde auf die Frage erhalten, warum entgegen der Potsdamer Baumschutzverordnung hier mirnichtsdirnichts knapp 100 Bäume gefällt werden durften / dürfen:
... für die Fällung der Bäume wurde durch die Stadtkontor GmbH eine Fällgenehmigung beantagt. Diese wurde durch die untere Naturschutzbehörde der Stadt Potsdam erteilt.
[...]
Der Geschäftsführer der Stadtkontor GmbH, Herr Dr. Baartz, versicherte die Beteiligung der Anwohne in einer Bürgerfragestunde, die nach seinen Angaben gut besucht war. Wiedersprüche zur vorgelegten Planung wurden nicht vorgebracht.
Das ist laut einigen Teilnehmern an dieser Bürgerfragestunde (von der ich persönlich erst durch diese E-Mail-Antwort erfahren habe) eine so dreiste Lüge, dass die Bäume vor Scham von alleine umfallen müssten. Nach meinen Informationen wurden die Baumfällungen gar nicht erwähnt, und die zwei Anwohner, die anfangs für die Planung waren, waren gegen Ende der Veranstaltung nur noch eingeschränkt dafür.
Nach Aussage aller Anwohner, mit denen ich in den letzten Tagen gesprochen habe, ist ihnen die geplante Fällung der Bäume erst frühestens seit dem 27.02.2008 bekannt. Und jeder einzelne ist gegen die Abholzung.
So macht man keine Politik, sondern so macht man – wenn überhaupt – Geschäfte.
Aber das muss sich ja, sieht man sich diverse Meldungen aus den letzten Jahren an, nicht ausschließen.
Hmm… Das schöne an Verwaltungen ist ja, dass dort Spielregeln gelten. Wie wäre es denn mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Leiter der unteren Naturschutzbehörde, verbunden mit der Aufforderung, die geplanten Arbeiten unverzüglich auszusetzen und die Genehmigung zurück zu ziehen.
Begründung: Die Genehmigung wurde aufgrund der ungeprüften Aussage des Antragstellers erteilt, dass die Anwohner dem Fällen der Bäume zustimmen würden. Diese Aussage entspricht nicht der Wahrheit. Dazu die Erklärung einiger Anwohner, die Besucher der Bürgerfragestunde waren, und bestätigen, dass die Rodung der Bäume dort nicht zur Sprache kam.
Eine Dienstaufsichtsbeschwerde muss zügig bearbeitet werden, aber binnen zwei Werktagen ist das »natürlich« nicht zu erwarten – da würde es vielleicht helfen, wenn die Lokalpresse über die Beschwerde berichtet…
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