Ästhetischer Bleisatz
Während meines Studiums habe ich an einem zweiwöchigen Bleisatz-Seminar teilnehmen dürfen. Bei Herrn Hecker haben wir alles übers Ausgleichen (beim Blocksatz immer von rechts nach links!), über Durchschuss, Konkordanzen und Akzidenzen gelernt, mit Hilfe von Winkelhaken, Satzschiff, Kolumnenschnur und Klopfholz selbstverfasste Texte im Block-, im zentrierten und im Flattersatz abgesetzt und hinterher auf einer Handpresse gedruckt, und nicht zuletzt die – bei mir bis heute anhaltende – Liebe zur Typographie entdeckt.
Praktischerweise durfte ich damals auch gleich den Titel für meine Designgeschichte-Semesterarbeit drucken:

Bleisatz, Helvetica 36 und 20 Punkt, gedruckt auf Chromolux-Karton
Dinosaurier
Natürlich spielte schon zum Zeitpunkt des Seminars Ende der 1980er der Buchdruck kaum noch eine nennenswerte Rolle, aber spätestens seit dem damals einsetzenden Siegeszug des Desktop Publishing ist klar, dass dieses Druckverfahren zum Aussterben verurteilt ist. Weil es nämlich irgendwann einfach niemanden mehr geben wird, der diese Technik beherrscht.
Für mich persönlich ist der Bleisatz die ästhetischste Ausdrucksform der Typographie – in diesem Film kann man sehen, warum:
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Kommentare:
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Wow, dieser Film hat mich tief berührt, ein wenig Trauer, aber auch viele schöne Erinnerungen hervorgeholt und vor allem eines zum Ausdruck gebracht: es geht um echtes Handwerk und um Leidenschaft.
Ich will ja ungern besserwisserisch sein. Aber: Das kleine e auf dem Foto sieht für mich eher nach Akzidenz Grotesk aus. Bei der Helvetica müsste der untere Bogen (heißt das so?) waagerecht enden. Auf dem Foto sieht das für mich jedoch leicht schräg aus.
Ich kann mich an die verfügbaren Schnitte in der Werkstatt leider nicht mehr erinnern – das ist 20 Jahre her ;-)
In der Tat könnte das e für eine Akzidenz Grotesk sprechen – deutlich dagegen spricht allerdings das untypische s, das an beiden Enden waagerecht ausläuft, der Auslauf des unteren Bogens fällt sogar leicht nach rechts ab. Die Bäuche des d (auf dem Foto nicht sichtbar) und des g sind für eine Akzidenz grotesk auch viel zu schmal – insgesamt scheint mir das doch eher ein auf der Helvetica als auf der Akzidenz-Grotesk basierender Schnitt zu sein.
Stimmt, das s spricht so gar nicht für die Akzidenz, hätte mir auch auffallen müssen. Wahrscheinlich handelt es sich daher um den seltenen LMvdR-Spezialschnitt der Helvetica ;-)
also, ich hab 1972 eine Schriftsetzerlehre gemacht, „Bleimaurer“ wie man das so nannte… :-) aber ganz so ramontisch, wie das hier geschildert wird, war das damals nicht. Das meiste war eben Akzidenzsatz, da war icht viel mit kreativer Freiheit. Und als ich nach 3 Jahren meine Ausbildung beendet hatte, gab es keinen Krümel Blei mehr in der ganzen Setzerei, statt dessen summten die Linotronics vor sich hin…
Dennoch, die Zeit war schön und ich habe viel gelernt zum Thema Schrift und tatsächlich kann ich dies und das davon auch heute noch gebrauchen. Und – mein Herz hängt immer noch am Bleisatz.
In Berlin gibts noch ne winzige Buchdruckerei, ich weiß nicht, ab die viel mehr als Visitenkarten machen..? Da werde ich die nächsten Wochen mal vorbei schauen.
Wen es interessiert, hier die Adresse:
Buchdruckwerkstatt Christian Schöppe
Langhansstraße 20 (HH li.)
13086 Berlin
Fon.: 030 4247684
und im Web: www.bleiletter-buchdruck.de
Es gibt noch eine weitere Buchdruckerei in Berlin, wie mir Kai Weber heute gemailt hat (danke Kai, kannte ich noch nicht) – die hat sogar ein Blog: http://www.blog.druckerey.de.
Ich glaube, da lasse ich meine nächsten Visitenkarten drucken …
In meiner Mediengesltalterausbildung hatte ich das Glück, dass in unserer Berufsschule ein Heidelberg Tiegel immer noch genutzt wurde. Da haben wir dann auch mal Hand angelegt, eigene Visitenkarten gedruckt – inklusive komplettem Ablauf, setzen, färben, drucken. Das ist schon beeindruckend (uh, Wortspiel …). Ein paar Monate später waren wir auf der DruPa – ist kein Wunder, wie „banal“ Drucken geworden ist. Links Papier hinlegen, in der Mitte ein bisschen Farbe reinkippen, rechts ein, zwei Knöppe drücken, Warten, fertig …
Das Video ist grandios. Müsste Pflichtmaterial sein – für Gestalter und Kunden …
Der Link zur „druckerey“ ist echt der Knaller – auch von mir herzlichen Dank an Kai. Schätze, auch ich lasse dort meine nächste Visitenkarte drucken :-)
Ich habe bei Frau Hemmleb ihren Dokumentarfilm Schrift ist ein Abenteuer bestellt und problemlos bekommen. Nichts bereut. Wir haben (noch) einige Kollegen, die ihn mit großem Interesse gesehen haben. Vier bis fünf Kochmützen.
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