Buchrückentexte und Leserichtung
Die gängigsten Methoden, einen Buchrücken zu beschriften, sind
- 1. horizontaler Text
- 2. vertikaler Text, Leserichtung von unten nach oben
- 3. vertikaler Text, Leserichtung von oben nach unten
Von oben nach unten oder umgekehrt?
Die zweite Methode, von unten nach oben, wird u. a. in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Russland etc. verwendet, die dritte hauptsächlich in englischsprachigen Ländern. Es gibt mittlerweile aber auch einige deutsche Verlage, die den Buchrückentext von oben nach unten setzen, wie z. B. Goldmann (allerdings nicht durchgängig, wie man links sieht), Taschen, Könemann, Schirmer/Mosel und Page.
Interessanterweise gibt es hierzulande auch die unentschlossenen Mischformen: der Page Verlag setzt den Text nach Methode 3, sein Logo allerdings grundsätzlich nach Methode 2, während Piper den Text zwar von unten nach oben laufen lässt, seine Wortmarke aber dazu immer um 180° dreht.
Argument?
Für die Leserichtung von oben nach unten gibt es eigentlich nur ein einziges Argument: Liegt das Buch mit dem Titel nach oben auf einem Tisch, kann man den Text auf dem Buchrücken lesen, bei umgekehrter Leserichtung steht er auf dem Kopf. Allerdings sei die Frage erlaubt, warum man eigentlich bei einem auf dem Tisch liegenden Buch den Buchrücken lesen will, wenn man doch den Titel lesen kann? Ist es nicht sinnvoller, den Buchrücken lesen zu können, wenn man den Buchtitel nicht sieht?
Vor dem Bücherregal
Nehmen wir an, Sie stehen vor einem Bücherregal, suchen ein Buch und wollen es anschließend mit der rechten Hand herausziehen – wie lässt sich das wohl am einfachsten bewerkstelligen? Ohne Zweifel mit nach links geneigtem Kopf. Im übrigen entspricht es auch mehr der in unserem Kulturkreis üblichen normalen Leserichtung von links nach rechts, wenn man mit nach links geneigtem Kopf mehrere Buchrücken nacheinander liest. Und nicht zuletzt ist ein horizontaler Buchrückentext, der in einer Reihe von Büchern zwischendurch immer mal wieder vorkommen kann, mit nach links geneigtem Kopf deutlich einfacher zu lesen.
Es besteht also für deutsche Verlage und/oder Gestalter – alleine schon aus Gründen der Konsistenz – überhaupt keine Notwendigkeit, die gängige Konvention zu verlassen und Buchrückentexte von oben nach unten laufen zu lassen. Das ist weder fortschrittlich noch internationaler, sondern erzeugt lediglich die mehr als lästige Notwendigkeit, vor einem Bücherregal ständig den Kopf drehen zu müssen.
Update
Die Erklärung, warum die Leserichtung auf Goldmann-Taschenbüchern unterschiedlich ist, können Sie hier lesen: Buchrückentexte und Leserichtung (2)
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Kommentare:
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tja, ein thema, über das ich mir auch schon gedanken gemacht habe. zu punkt 2: wenn MEHRERE bücher übereinander auf einem stapel liegen, dann kann diese variante durchaus sinnvoll sein.
magazin sind deshalb üblicherweise auch eben genauso beschriftet, denn sie liegen öfters als dass sie stehen. bücher jedoch werden meistens stehend aufgereiht, weswegen ich der meinung bin: die alte variante (von unten nach oben) ist die beste alternative!
BTW: wie bist du auf das thema gekommen? musst wohl gerade einen buchumschlag entwerfen, oder? ;)
Noch ein Vorteil von Variante 2 (von unten nach oben):
Bei allen Büchern in einem Regal ist der 1. Buchstabe des Buchtitels auf der gleichen Höhe – auch wenn die Bücher selbst unterschiedlich hoch sind.
Würde man von oben nach unten lesen (V. 3), müsste man ständig den Anfang des zu lesenden Titels suchen.
@ typneun: Bei Magazinen gebe ich dir durchaus recht – wenn man einzelne Jahrgänge dann binden lässt, damit man sie ins Regal stellen kann, kann man den Rücken ja wieder von unten nach oben beschriften ;-)
Auf das Thema gekommen bin ich, weil ich ein zusätzliches Bücherregal gekauft habe und die Bücher, die in den anderen Regalen kreuz und quer und übereinander lagen, dort eingeräumt habe. Dabei sind mir genau die zwei Bücher aufgefallen, die oben auch abgebildet sind.
@ Holger: Stimmt, das könnte ein Vorteil sein, ist in der Realität aber eher zu vernachlässigen: Ein Blick in ein Regal zeigte gerade, dass es viele Verlage gibt, die den Rückentitel rechtsbündig setzen und sich dabei an der Buchoberkante orientieren, wie z. B. Rororo, DTV, Hanser, Heyne, Wagenbach.
Ich habe das gerade mal bei meinen DVD’s geprüft und stelle da eine Mehrheit für Variante 2 (unten nach oben) fest. Kann das jemand mal verifizieren?
@ Tom: Das kann ich leider nicht bestätigen – und da bringst du mich auf einen Punkt, der mich seit laaanger Zeit ärgert, und den ich im obigen Text völlig außer acht gelassen habe: Ich lagere meine CDs in diesen Haltern, wo sie mit dem Titel nach vorne und mit dem Rücken nach oben hintereinander stehen und man sie beim durchsuchen vor- und zurückklappen kann.
Wenn der Rückentitel nun von oben nach unten läuft, steht er, wenn der CD-Titel nach vorne zeigt, auf dem Kopf – absolut unpraktisch. Bei mir sind nach grober Schätzung ca. 70% der CD-Rücken von oben nach unten beschriftet …
Ähem, habe gerade gelesen, dass du ja eigentlich von DVDs sprachst, aber da sind bei mir sogar 80% nach Variante 3 beschriftet.
BTW: ich kann mir nicht vorstellen, dass das Design Team in München (das die ganzen goldmann-cover entwirft und reinzeichnet) sich gerade bei diesen beiden büchern nichts gedacht hat. wär mal interessant, nachzufragen… :)
@typneun: Meine erste Idee war der Urspung der Autoren, wenn es sich um ein im Original englisch-sprachigen Titel handelt, dann von oben nach unten, bei deutschen Autoren andersherum.
Dann habe ich aber mal nach oben gescrollt und mußte feststellen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Aber auch dabei handelt es sich keineswegs um eine Regel, wie ich in meinem Bücherregal verifizieren konnte.
Eine weitere Statistik: Eine kurze Schätzung meiner Mediensammlung ergibt folgendes Bild:
CDs: geschätzte 90% sind von oben nach unten beschriftet.
DVDs: Auch hier liegt von-oben-nach-unten vorn. Allerdings nur im Verhältnis von ca. 60:40.
Ob es da eine Korrelation zu den Genres gibt, denen die Datenträger entstammen?
(außerdem wollte ich mit dem Kommentar den gravatar ausprobieren, aber das Bild muss wohl erst noch auf Sittlichkeit geprüft werden.)
Spannend, spannend. Für mich als ein Sprössling einer Bücherfamilie bin kaum auf die Idee gekommen, daß die Texte sehr oft von oben nach unten laufen.
Hmm. Muss mal nachgucken. :)
Keinen blassen,. aber bei den CD’s ist’s auch so :-(
Der Grund für Nummer 3, oben-nach-unten, liegt in der schöneren Präsentationsform im Laden. Sieht halt schlecht aus, wenn man Bücher/CDs/DVDs etc. mit dem Gesicht nach unten legen muss, um den Rückentext aufrecht zu halten, wenn man einen Teil der Ware flach auf Tischen oder Regalen präsentieren will/muss („Symmetrical book stacking“, wie es bei Ghostbusters heißt).
Wie dem auch sei, wenn einmal eine Konvention besteht, sollte man auch dabei bleiben. Es ist furchtbar hässlich, wenn man eine Serie eines Autors aus demselben Verlag hat, und dann die Hälfte der Bücher im Regal falschrum ist.
Ja, steht genau so auch im Absatz „Argument?“. Bleibt – wie ebenda auch schon angemerkt – die Frage, ob es nicht sinnvoller ist, den Buchrücken lesen zu können, wenn das Buch mit der Rückseite nach oben liegt…
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