Liebes Tagebuch (75)
Warum melden sich Leute, die einem erzählen, man habe die Geschäftsidee, die Finanzierung stehe und jetzt brauche man nur noch einen guten Webdesigner („Und das ist wirklich sehr eilig, Herr Preidel, spätestens Ende der Woche rufen wir wieder an und besprechen die Einzelheiten!“), eigentlich grundsätzlich nie wieder, obwohl man bereits nach Co-Programmierern für das Backend gesucht hat?
Warum lässt die Marketing-Leiterin („Schaffen Sie den Job bis Ende des Monats?“), nachdem man alles stehen und liegen ließ, um ihr ganz schnell das gewünschte Angebot zukommen zu lassen, einem in drei Telefonaten von ihrer Sekretärin ausrichten, sie riefe zurück – wenn sie es dann doch nie tut?
Und warum hat sich die Firma, die einen für ein 20-minütiges Briefing („Herr Preidel, wir stehen ein wenig unter Zeitdruck!“) 600 km weit fahren ließ, und die für ein zweites Treffen zwei Mitarbeiter 600 km weit zu mir geschickt hat, um die Leistungen im Angebot noch mal detailliert durchzugehen, eigentlich nie wieder gemeldet?
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Kommentare:
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Ha! Also bin ich nicht alleine. Deine Erfahrungen musste ich auch häufiger dieses Jahr schon machen. Komische Leut’.
Vielleicht weil für viele das Ganze ein Spiel ist, das noch mehr Spaß macht, wenn alles ganz busy und man selbst ganz besonders wichtig ist. Zum Beispiel wenn man einen Deal über 600 km Entfernung macht. Da wird der Grund des Deals ja geradezu nebensächlich …
Irgendwann kommt die- oder derjenige ins Spiel, dessen Geld dafür aufgewendet werden soll. Und dann wird der Nutzen hinterfragt und die Windbeutel, die vorher so gerudert haben, müssen passen, weil sie eigentlich gar keine Ahnung haben und das durch betriebsame Hektik kompensierten. Fragen kostet ja nichts … Am Ende bleiben diejenigen auf der Strecke, die ihre Arbeit ernst nehmen und so kühn sind, dafür auch einen angemessenen Lohn zu fordern.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Chef des Marketing-Leiters ab und zu mal nach dem Rechten hört. Und dann muss es schnell gehen, aber richtig schnell. Am nächsten Tag fragt der Chef nicht mehr danach und schon ist die Sache auch beim Marketing-Leiter unterm Tisch gefallen. Zugegeben ist die Situation subjektiv und ein wenig banal. Vielleicht fehlt es aber auch an Anstand, Leuten wie Ihnen rechtzeitig Bescheid zu geben, dass es doch nicht klappt oder man es sich anders überlegt hat. Wie auch immer! Sie haben mein vollstes Verständnis.
Lieber Herr Preidel,
was Sie da schildern, das ist normal, stinknormaler Alltag im Akquisegeschäft. Leider. Ich habe das immer so erlebt. Als Alltag.
Ganz einfach: Weil das mit der Finanzierung nur ein Spruch war und ihnen die Sparkasse Westfalen-Lippe nach flüchtiger Durchsicht des Businessplans doch kein Existenzgründungsdarlehen für besagte Geschäftsidee gewährt hat. Zum Glück für die Sparkasse Westfalen-Lippe.
Hat denn jemand von Euch Erfahrung, ein Vorschuß zu verlangen? Wie reagieren denn da die seriöseren Kunden?
Denn eigentlich geht es darum einen Ausgleich zu schaffen: Herr Preidel (und hoffentlich wir alle) nimmt den Kunden und seinen Auftrag ernst. Und der Kunden nehme Herrn Preidel ernst (oder zumindest die 500 Euro Anzahlung).
@Claus:
Meiner Erfahrung nach gibt es bei seriösen Kunden kein Problem mit einem Vorschuss – nach schriftlicher Auftragerteilung; natürlich ist dem ein Angebot mit der Bedingung eines Vorschusses vorausgegangen. Handhabe ich immer so. Manche Kunden reagieren zwar erstmal erstaunt, aber in der Regel herrscht Verständniss.
Hallo Michael
Ich muss da meinen Vorschreibern recht geben. Es scheint Alltag zu sein und auch der Anstand, einem Dienstleister abzusagen… oder einfach viel heisse Luft.
@Claus: Ich mach meistens Zwischen- oder Akontorechnungen. Ausser wenn es für irgendwelche Feste ist. Denn gerade können auch nicht rentieren.
Gruesse aus der Schweiz.
Patrick
@ Claus: Das Problem ist ja nicht der Vorschuss (wie Yoram richtig sagt, ist der bei seriösen Kunden i.d.R. kein Problem), sondern dass es ab und zu potenzielle Neukunden gibt, die die Pferde in einer Weise scheu machen, dass man z. B. schon über Änderungen in der Urlaubsplanung nachdenken muss, die sich aber, nachdem man ausgefeilte Angebote erstellt und/oder mehrere Meetings hinter sich gebracht hat, nie wieder melden. Noch nicht mal, um abzusagen.
Bin etwas spät auf den Artikel gestoßen, aber vielleicht bekomme ich ja trotzdem noch eine Antwort:
Ignorieren einen diese pot. Neukunden dann im Endeffekt oder melden sie sich einfach aus Eigeninitiative nicht? In letzterem Fall könnte man ja selbst anrufen um nachzuhaken.
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