Liebes Tagebuch (101)
Nicht, dass ich eine besondere Affinität zu Fordautos hätte (ein Granada hatte ja noch Charakter, aber ein Focus?). Dennoch frage ich mich seit Jahrzehnten, warum man für den deutschsprachigen Raum nicht auf den simplen Claim „Fahren Sie Ford“ gekommen ist. Stattdessen benutzt man „Feel the difference“. Heute müssen nämlich alle möglichen Produkte irgendwie gefühlt werden, und wenn man cool rüberkommen möchte, tunlichst auf englisch. Übrigens ein klassisches Beispiel von Paradigmawechsel, das mit dem Fühlen. Wurde vor noch nicht mal 20 Jahren ausschließlich die Vernunft angesprochen, wenn es um solche Dinge wie Autokauf ging, kapriziert man sich heute auf diffuse Gefühlsschwurbelei. Feel the dies und feel the das. Würde man nämlich den Verstand einschalten, könnte man ein Gähnen wahrscheinlich nur mühsam unterdrücken.
Design muss sich rechnen! Und zwar für beide Seiten.
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Kommentare:
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Also der „Ford“ Claim ist auf den Punkt! Kann man knapper und besser nicht sagen. Aber ich kann mir vorstellen daß da irgendein Firmenpsychologe Einspruch erhoben hätte und „fortfahren“ zu negativ behaftet wäre…
Mach doch mal ne Plakataktion zu dem Thema! ;-)
Es gibt den Spruch „Ford fahren. Heim laufen“. Ich fürchte, das ist leicht negativ besetzt.
Tja, wer will sich schon mit technischen Daten rumschlagen, wenn man ein gutes Feeling haben kann!?
Wobei mir Olivers Claim ja auch gut gefällt ;)
Zum Wettbewerb: Die Regeln sind der Hammer, geb ich dir absolut Recht. Aber ist doch klar, die Sponsoren sind für die Preise da. Klingt so ähnlich wie eine Tombola, nur mit höheren Einsätzen…
Allerdings finde ich, dass dein Beispiel etwas hinkt. Wenn paar Idioten rechts wählen, leide ich darunter. Wenn paar Dumme an dem Wettbewerb teilnehmen, nicht ;)
Der Wettbewerb ist doch super und die Teilnahme ja total günstig.
Im Onlineshop meiner Druckerei des Vertrauens kann man A1 Poster nur in einer Mindestauflage von 100 Stück bestellen, kostet dann auch nur 430 Euro inklusive Versand. Der Einsatz lohnt sich also bestimmt.
Also bitte…… einen (vllt blödsinnigen) Posterwettbewerb mit Rechtsradikalismus, Legalisierung harter Drogen & Waffen gleichzusetzen is aber schon leicht übertrieben, oder? ;)
Das wäre in der Tat übertrieben. Aber meine Beispiele sollten keine Vergleiche zum erwähnten Wettbewerb sein, sondern die Absurdität der Argumentation „muss ja keiner“ demonstrieren.
Bei meinen Beispielen wird jeder denkende Mensch zu recht sagen: „So etwas verantwortungsloses kann man nicht machen!“ Bei Design-Wettbewerben ist es dagegen fast schon Tradition geworden, dass die Veranstalter sagen: „wird ja keiner gezwungen, mitzumachen“. Oder auch gerne mal ein wenig launiger: „Wir haben nicht vor, jemanden mit vorgehaltener Waffe zum Mitmachen zu zwingen.“
Da platzt mir die Hutschnur, weil die Leute damit deutlich zeigen, dass sie an einer sachlichen Auseinandersetzung überhaupt kein Interesse haben. Und darüber hinaus natürlich, dass ihnen das Wohl der Teilnehmer herzlich egal ist. Hauptsache, die eigenen Vorteile stimmen.
hier auch noch was interessantes zu diesemThema:
Fontblog
Ich habe die Diskussion auf dem FontBlog (1 und 2) verfolgt ”” und war ehrlich gesagt etwas verwundert über die scheinbare Unfähigkeit Kritik anzunehmen; sowohl von Erik Spiekermann als auch von Jürgen Siebert . Denn sonst ist deren Kritik an solchen Wettbewerben vorhanden ”” wenn sie nicht zu den Auslobern/Veranstaltern oder der Jury gehören.
Und das der FontBlog/FontShop bzw. Jürgen Siebert mit den veränderten Auschreibungsbedingungen zufrieden ist und das ganze noch als Gewinn ansieht ”” trotzdessen das Fidius vom der Teilnahme am Wettbewerb abrät ”” gibt mir nicht nur zu denken sondern lässt mich Deinen (Michael) Aussagen hier und dort nur zustimmen.
Diese Diskrepanz (viele Wettbewerbsausschreibungen unlauter finden, wenn allerdings der eigene Arbeitgeber Sponsor ist bzw. man selbst in der Jury sitzt, ist von Kritik keine Rede mehr) ist mir auch aufgefallen. Und dann folgen diese unsäglichen „muss ja keiner mitmachen“-Kommentare sozusagen zwangsläufig. Weil es nämlich an echten Argumenten mangelt.
Aber man vergisst ja gern, dass es sich beim Fontblog um ein rein kommerzielles Produkt des dahinterstehenden Fontshops handelt. Da gelten – wie man sieht – wohl andere Gesetze. Und Glaubwürdigkeit spielt eine eher untergeordnete Rolle.
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