Claudia Pechstein in den Medien
Ich fasse mal zusammen: Die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein wurde 2009 wegen Blutdopings für zwei Jahre gesperrt. Obwohl in keiner einzigen der zahlreichen Blutproben irgendwelche verbotenen Substanzen nachgewiesen werden konnten. Ein einziger erhöhter Blutwert (die Anzahl der Retikulozyten) bei einem einzigen Wettkampf (Hamar, Februar 2009) reichte dem Internationalen Eislauf-Verband als Indizienbeweis aus, um die Sperre zu verhängen. Claudia Pechstein hat immer vehement bestritten, gedopt zu haben, trotzdem galt sie fortan in allen Medien als Dopingsünderin. Man warf ihr und ihren Anwälten vor, zu lügen und Gerüchte zu verbreiten. Andere fühlten sich von ihren Bemühungen, ihren Sport weiterhin ausüben zu können, genervt und bezeichneten sie als Querulantin. Niemand kam auf die Idee, Pechstein könne vielleicht die Wahrheit sagen.
Am Montag gab es nun eine Pressekonferenz, auf der führende und unabhängige Hämatologen erklärten, dass die Ursache für den erhöhten Blutwert eine vererbte Krankheit (hereditäre Sphärozytose) sei, die auch Pechsteins Vater habe. Es stehe deshalb zu 99,99% fest, dass Claudia Pechstein nicht gedopt habe.
Und wie reagieren die Medien? Größtenteils so, wie es zu erwarten war. Die Zeit schreibt: „Trotzdem fällt es schwer, an die Unschuld der Athletin zu glauben.“ Die taz ist sich nicht zu schade, einen voreingenommenen Artikel zu schreiben, der mit dem peinsamen Satz endet: „Claudia Pechstein ist jetzt zwar krank, aber es ist ein höchst willkommenes Leiden.“
Den Vogel schießt aber der NDR ab. Schon im Juli 2009 hat ZAPP süffisant über eine „mediale Unschuldsbeteuerungs-Kampagne“ Pechsteins berichtet. Damals hieß es, sie könne ihre Unschuld nicht durch Interviews beweisen, sondern nur durch Arztbesuche. Jetzt, da Unschuldsbeweise von Ärzten vorliegen, wird der Anti-Pechstein-Feldzug aber nicht etwa beendet – ganz im Gegenteil: In einem äußerst tendenziösen ZAPP-Filmbericht von Sinje Stadtlich äußern sich u. a. der ARD-„Dopingexperte“ Hajo Seppelt und Prof. Fritz Sörgel. Aber mitnichten zum Thema, sondern lang und breit dazu, dass ihrer Meinung nach das Haus der Bundespressekonferenz der falsche Ort für die Pressekonferenz und selbige zu lang gewesen sei. Und für Laien unverständlich. Sörgel denkt allen Ernstes laut darüber nach, warum Pechstein der Pressekonferenz in Trainingskleidung zugeschaut hat. Seppelt erregt sich zunächst darüber, dass „wir seit einem dreiviertel Jahr mit Pressemitteilungen, Statements auf ihrer Homepage und Pressekonferenzen konfrontiert werden“, und schwadroniert später etwas von Nebelkerzen, die sich auch als solche erwiesen hätten.
Das ist noch unter Sat1-Niveau, meiner Meinung nach. Von einem öffentlich-rechtlichen Medienmagazin darf man durchaus ein wenig mehr erwarten. Mehr Sachlichkeit, bessere Recherche. Und vor dem Hintergrund, dass sich die ganzen Vorwürfe gegen Pechstein gerade als ziemlich haltlos erweisen, vielleicht auch einen leisen Anflug von Selbstkritik. Kann aber gut sein, dass man darauf lange warten muss.
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Kommentare:
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Man weiß zur Zeit wirklich nicht, wem man nun glauben kann. Hier gibt es zu diesem Thema auch noch Interviews mit Prof. Wolfgang Jelkmann (einer der Autoren des Pechstein-Gutachtens) und Prof. Fritz Sörgel: “Ein Schuss in den Ofen” – der Fall Pechstein | Beitrag auf detektor.fm/
Tja, schwer zu beurteilen, das Ganze. Ich glaub ihr nicht. Ich glaub auch nicht an die Zahnpastastory von Baumann.
Aber das ist reines Bauchgefühl.
Ich möchte ja auch gerne glauben, dass wenigstens mal ein Dopingsünder nach seinen ganzen Unschuldsbekundungen wirklich unschuldig ist, aber ich fürchte, das ist auch hier nicht der Fall. Ich halte mich da an den Doping-Forscher Werner Franke, der mich schnell wieder auf den Boden der Realität holte. Hier der Artikel in der F.A.Z
Man kann halt immer so viele Wahrheiten finden wie Experten.
Meiner bescheidenen Meinung nach ist die gesamte Doping-Diskussion für die Füße. Wer tatsächlich noch glaubt, die Rekorde im Leistungssport könnten im Schnitt ohne chemische Helferlein erbracht werden, der verschließt die Augen vor der Realität.
Sollen sie doch dopen. Nur zugeben müssen sie es, und zwar auf breiter Front. Das scheinheilige Getue um „Dopingsünder“ ist der falsche Faktor in der Geschichte.
10 Experten, 10 Meinungen. Diese hier läßt mich wieder an Pechsteins Unschuld glauben: Falsches Beuteschema
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