Stevie Wonder
Es gibt Musiker, die teilen ein sonderbares Schicksal: Nur durch einen völlig aus der Art geschlagenen Song, der aber gerade deshalb ein Hit wurde, sind sie einem größeren Publikum bekannt geworden. Bobby McFerrin mit „Don’t Worry, Be Happy“ ist so ein Beispiel. Mittelmäßiger Song, aber der Masse ins Ohr gehend. Dass McFerrin kein One-Hit-Wonder, sondern einer der größten und talentiertesten (Jazz-)Sänger unserer Zeit ist, blieb und bleibt den meisten verborgen. Und interessiert wahrscheinlich ohnehin kaum jemanden.
Neulich erzählte ich im erweiterten Bekanntenkreis, dass Stevie Wonder nach 10 Jahren – Juchhuh! – nun endlich mal wieder eine CD veröffentlicht habe. Worauf ich mir die Bemerkung gefallen lassen musste, dass das doch dieser „I Just Call To Say I Love You“-Schnulzensänger sei, was ich denn mit dem wolle.
Mit Verlaub: „I Just Call To Say I Love You“ ist mit Abstand das anspruchsloseste, was Stevie Wonder je gemacht hat; wahrscheinlich brauchte er da gerade dringend Geld oder so. Bedauerlicherweise kennen die meisten nur dieses eine Stück von ihm.
Warum aber ist z. B. sein geniales und absolut zeitloses Doppelalbum „Songs In The Key Of Life“, das in jede auch nur halbwegs ernstzunehmende Plattensammlung gehört, quasi nur Eingeweihten bekannt? Vielleicht, weil seit der Erfindung des unsäglichen Formatradios von nahezu allen Sendern die gleiche rundgeschliffene, weichgespülte, altbewährte, von Spitzen und Tälern bereinigte und durch Marktforschung abgesicherte kleinster gemeinsamer Nenner-Musik heruntergedudelt wird, die niemandem weh tut und bei der niemand wirklich hinhören muss.
Wenn Sie Stevie Wonder tatsächlich nur von seinem 80er Jahre-Hit „I Just Call …“ kennen, wenn Sie Soul und R&B mögen, wenn Ihnen das Wort Motown noch etwas sagt, dann tun Sie sich selbst einen Gefallen und hören sich „Songs In The Key Of Life“ an: fantastische musikalische Welten liegen vor Ihnen.
Alle anderen können sich ebenfalls freuen: Über Stevie Wonders letztes Album „A Time To Love“, das im letzten Oktober erschien und es auf Anhieb in meine persönliche 100 Alben für die Insel-Liste geschafft hat.
Eins der seltenen 5-Mützen-plus-Extraherz-Alben:
♥
Songs in the Key of Life bei Amazon
Songs in the Key of Life im iTunes Music Store
A Time to Love bei Amazon
„A Time to Love“ hat es leider noch nicht in den iTMS geschafft
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Kommentare:
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Geheimtipp: Das Album „For Once In My Life“ von Trijntje Oosterhuis. Alles Songs von Stevie Wonder, zumeist von „Songs in the key of life“. Klasse Sängerin, klasse Band. Nicht ganz perfekt, aber live eingespielt. Gibt’s beim iTMS.
Ansonsten ist Stevie Wonder einer der Künstler, von dem wohl alle mehrere Stücke kennen, ohne es zu wissen. „Gangsta’s Paradise“ ist im Original Wonder’s „Pastime Paradise“. „Don’t you worry ’bout a thing“ von Incognito ist eben nicht von Incognito, sondern von Stevie Wonder. „Superstition“ ist auch eher von anderen Interpreten bekannt geworden. Usw., usw.
Motown ist ein Begriff. Und was für einer. Für mich jedenfalls. Vor wenigen Tage brachte der schweizer TV-Sender „StarTV“ eine Doku über die „Funk Brothers“ – die eigentliche Band und Inspirationsquelle hinter Motown – die unter anderem auch mit Steve Wonder einige seiner besseren Lieder gemacht haben… Wirklich empfehlenswert und sehr interessant.
„A time to love“ kann man auch im deutschen ITMS kaufen, ist allerdings ziemlich gut versteckt: suchen nach „The Complete Stevie Wonder“ (579 Songs!), dann runterscrollen. Da könnte man dann die 15 Einzeltitel kaufen.
Grüße,
markus
PS: den Tipp mit den Nils Landgren Ballads fand ich aber noch besser.
;-)
»... und es auf Anhieb in meine persönliche 100 Alben für die Insel-Liste geschafft hat. ...«
Womit wir beim Thema wären – bin ja mal gespannt auf diese, deine Liste!
Wann kommt sie denn?
;) arne
@ Christian: Ja, Stevie Wonder ist ein typischer „Musicians’ Musician“. Danke für den Tipp – witzigerweise habe ich vor ein paar Tagen das erste Mal überhaupt etwas von Trijntje Oosterhuis gehört.
@ milos: Ja, ein wunderbarer Film, hier lief er vor kurzem auf 3Sat. Der Soundtrack lohnt sich alleine schon wegen Chaka Khans Version von „What’s going on“.
@ markus: Stimmt. Warum man die allerdings nicht als komplettes Einzelalbum kaufen (und vor allen Dingen: finden) kann, ist mir ein Rätsel.
@ arne: Mal sehen. Eine „Grundausstattung Musik“ habe ich ja schon mal aufgelistet.
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