Mysterium Festplattenkapazitäten
Die Vorsilbe Kilo bedeutet 1000. Ein Kilogramm sind also 1000 Gramm, ein Kilobyte dementsprechend 1000 Byte. Dummerweise hatte es sich in der IT-Welt mangels verfügbarer Binärpräfixe allerdings eingebürgert, dass mit einem Kilobyte in der Regel 210=1024 Byte gemeint sind.
Dass man damit schön Verwirrung stiften kann, merkt man bei den (nicht ganz uneigennützig) standardkonformen Herstellerangaben zu Festplattenkapazitäten. Eine 1000 GB-Platte hat eine Speicherkapazität von 1000 × 1000 × 1000 × 1000 Byte. Da Betriebssysteme aber mit 1024 × 1024 × 1024 × 1024 Byte rechnen, werden statt der erwarteten 1000 GB nur etwa 931,3 GB verfügbarer Speicher angezeigt.
Um der Verwirrung ein Ende zu bereiten, wurden 1999 deshalb die Vorsilben kibi, mebi, gibi, tebi etc. als Norm für Binarpräfixe eingeführt. Sie setzen sich zusammen aus den ersten beiden Buchstaben der dezimalen Vorsilben (ki für Kilo, me für Mega …) und der Silbe bi für binär. Die Symbole bestehen aus den jeweiligen Dezimalsymbolen, gefolgt von einem kleinen i, geschrieben werden sie also z. B. Ki, Mi, Gi usw.
Richtigerweise müsste also ein Betriebssystem die Kapazität der oben erwähnten Festplatte entweder mit 1000 GB oder aber mit 931,3 GiB (gesprochen: Gibibyte) angeben.
Dass die Verwirrung in naher Zukunft mal endet, ist allerdings kaum abzusehen, zumal sich selbst Rohlinge-Hersteller nicht einig sind: Eine 700 MB-CD hat in Wahrheit 700 MiB Kapazität (700 × 1024 × 1024 Byte), was in etwa 734 MB entspricht – eine 4,7 GB-DVD dagegen tatsächlich 4,7 GB (4,7 × 1000 × 1000 × 1000 Byte), was in etwa 4,38 GiB entspricht.
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Kommentare:
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Gut zusammengefasst! Bin gespannt wie der Durchschnittsverkäufer im Saturn oder MediaMarkt reagiert wenn man ihn bei Festplatten fragt, wieviele Gibibyte dass denn jetzt nun wirklich sind ;)
Fassen wir zusammen: Die Angaben sind stets nur ein grober Richtwert dessen, was man zu erwarten hat.
Ich bezweifle das sich die Ki-, Mi-, und GibiBytes in naher Zukunft durchsetzen werden. Die Hasen der „alten Schule“ wissen um die Umrechnungsproblematik und die Hersteller werden sich auch nur sehr schwer dazu bewegen lassen korrekte Angaben zu machen. Die restlichen Käufer wundern sich und fragen beim örtlichen Megamarkt nach. ;-)
Unabhängig von der rechnerischen Richtigkeit der Binärpräfixe gibt es für mich zwei weitere wesentliche Gründe, warum sie sich „im richtigen Leben“ nicht durchsetzen werden: (a) Es ist vollkommen egal, ob an einer 1TB-Festplatte ein paar hundert MB fehlen, die ganze Diskussion darüber ist lächerlich. Wer plant, seine Platte derart vollzustopfen hat ohnehin eine zu wenig gekauft. (b) „Kibi“, „Mebi“ oder „Gibi“ klingt einfach albern. Mir jedenfalls gelingt es nicht, dabei einen ernsten Gesichtsausdruck zu behalten.
Der Endverbraucher braucht sicher keine Mebibytes, der rechnet wohl nur äußerst selten mit Zweierpotenzen. Es würde völlig reichen, wenn Apple, Microsoft und die diversen anderen Betriebssystemhersteller verfügbaren Festplattenspeicher einfach nur korrekt mit 1 KB = 1000 Bytes berechnen würden, dann gäbe es diese ganze Verwirrung erst gar nicht.
Dann geht die ganze Diskussion eine Abstraktionsebene höher weiter, weil selbst wenn rechnerisch alles stimmt: Das Dateisystem braucht auch Platz für die interne Organisation, und schon passen wieder keine 1000 GiB auf die Platte. Nur, daß dann nicht die Platten- sondern die Betriebssystemhersteller das Gezeter abbekommen.
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