Kasseläner Duckefett
Ich bin in Hann. Münden, der südlichsten Stadt Niedersachsens aufgewachsen. Dort nennt man die Menschen aus dem benachbarten Bundesland „blinde Hessen“. Und man macht sich selbstverständlich über ihren Dialekt lustig. Eine zeitlang haben wir, wenn wir mit dem Auto nach Kassel ins Kino fuhren, aus Spaß nach dem Weg gefragt; und wenn wir dann – wie erwartet – den Satz hörten: „Da müsst ihr als da ronner fahrn“, lag die gesamte Fahrgemeinschaft regelmäßig bäuchehaltend auf dem Boden (unser jugendlicher Humor war damals zugegebenermaßen noch relativ schlicht).
Hinterm Ratio
Die Einwohner Kassels (die übrigens Kasseläner, Kasselaner oder Kasseler heißen können) schimpfen ihrerseits nun aber merkwürdigerweise nicht etwa auf die Südniedersachsen (was ja geradezu nahe läge), sondern auf ihre eigenen Landsleute, nämlich diejenigen Autofahrer aus dem Landkreis, die sich mit einem HR-Kennzeichen (für: Hessischer Ring Schwalm-Eder-Kreis in Homberg/Efze) in die Innenstadt Kassels wagen. Hessen Ranger und Hinterm Ratio sind zwei harmlosere Beispiele für die Umdeutung der Kennzeichenbuchstaben.
Duckefett
Später wohnte ich selbst lange Zeit in Kassel, habe dort an einer der schönstgelegen Hochschulen Deutschlands, der HdK in der Menzelstraße, studiert, einige documentas miterlebt, die wunderbar erholsame Aue und den Bergpark Wilhemshöhe genossen, mich nur ab und zu über die humorlose nicht Nord nicht Süd-Mentalität mancher Einwohner geärgert und zuguterletzt ein beinahe schon ungesund leckeres Rezept kennengelernt: Duckefett mit Pellkartoffeln.
Leider habe ich im Netz nichts über die Herkunft oder Bedeutung des Wortes Duckefett gefunden – vielleicht weiß ja jemand mehr … (Update: kommt von tunken, siehe Kommentare)
Zutaten für vier Personen
- 1 kg festkochende Kartoffeln
- 350 g geräucherter Bauchspeck (am Stück)
- 4 mittelgroße Zwiebeln
- 2 Becher Schmand
- 100 ml Milch
- Salz, Pfeffer
Zubereitung
Die Kartoffeln mit einer Gemüsebürste schrubben und je nach Größe in 20-25 Minuten gar kochen.
Währenddessen den Speck von der Schwarte befreien. Anschließend erst in ca. 1 cm breite Scheiben, diese Scheiben dann quer in ca. 1-2 mm dünne Streifen schneiden. Die Zwiebeln schälen, halbieren und quer zum Äquator in dünne Streifen schneiden.
Den Speck und die Zwiebeln ohne zusätzliches Fett auf geringer bis mittlerer Hitze andünsten, sie sollen keine Farbe annehmen. Wenn beides glasig ist, den Schmand und die Milch unterrühren. Kurz erhitzen und mit Salz (Vorsicht: der Speck ist schon salzig) und Pfeffer abschmecken.
Hä hodd …
Dazu gibt es Bier. Ein bekannter (und nicht ganz unumstrittener) Großflächenplakat-Werbespruch der Kasseler Martini Hütt-Brauerei, die in den 80ern noch in Privatbesitz war, lautete damals: „D’r Mensch lebt nidd vom Brod allein, hä hodd ja au mo Dorscht!“
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Kommentare:
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soso. ;-)
aber HR steht in echt dann doch für Homberg/Efze.
mäh honns, mäh konns.
:-D
Stimmt. Bzw. steht es genau genommen für Schwalm-Eder-Kreis in Homberg (Efze) und ist abgeleitet von Homberg. Aber wieso ich jahrelang glauben konnte, es steht für Hessischer Ring, weiß ich auch nicht …
Henner, geh vom Droddo-ahr, ’s kimmet ne Daame. ;-)
Aber eigentlich sind wir ganz nette…
Es stimt eigentlich alles sogar, nur das Rezept sagt mir irgendwie gar nichts. Muss ich wohl mal meine Oma zu ausfragen.
Schöne Grüße aus Kassel!
hihi Hessischer Ring ist aber auch schön, ähnliche Geschichten gibts aber auch über diejenigen mit KS die sich in’s HR-Gebiet wagen: „Oh, da vorn, eine Kurve, brems doch schon mal vorsorglich“ usw
Warum Duckefett Duckefett heißt, bekomme ich bestimmt raus – auf jeden Fall wirklich superlecker das ganze. Zum Glück hast du hier „Weckewerk“ noch nicht erwähnt :)
Ach ja, Weckewerk – lecker! Am leckersten natürlich vom Biometzger Armbröster in der Kasseler Markthalle. (Beides, Markthalle und diesen Biometzger vermisse ich hier ein wenig.)
Zum „Duckefett“ habe ich übrigens mittlerweile im Kassel-Lexikon der HNA etwas gefunden:
Dobie gibbeds Bellgarduffeln oder Kleeße! unn die ducked (tunkt) me dann ins duckefett!
anläßlich einer Sendung über den gerade zu Ende gegangen Hessentages habe ich ein bisschen im PC rumgesucht uns´d bin auf dieser Seite gelandet. Ich bin in Niedervellmar aufgewachsen und drfte, weil mein Vater aus Hamburg stammte, kein Dialekt sprechen. Tat es aber heimlich mit anderen Kindern.
Wenn ich heute so was lese wie auf dieser Seite geht mir das herz auf. Ich lebe seit 1964 nicht mehr dort.Komme aber ab und zu nch hin und muß mich dann unbedingt mit ahler Worscht und Weckewerk eindecken.
Mein Großvater hatte einen Bauernhof in Niedervellmar und war Hausschlachter.
Es gibt einen Film mit Luis Trenker „Der Berg ruft“
die Glosse dazu:
Henner, wo wedde dann hinne ?
nach Kassel in’s Kinoe
was gibbeds dann ?
dr Berch gaaged.
Das bekannte (und nicht ganz unumstrittene) Großflächenplakat entstammte meiner „Feder“. Als Kreativer vom „Haus der Werbung“ habe ich den Spruch „frei nach Axel Herwig“ und die Idee für die HÜTT-Brauerei entwickelt … leider damals nicht für „Martini Bier“!
Das Wahrzeichen meiner Heimatstadt, der Herkules stützt sich – anstatt auf die Keule – auf eine Flasche Hütt-Bier!
Schön, dass man sich noch immer daran erinnert. Seit über 23 Jahren lebe ich inzwischen (leider!) in Südhessen.
Gruß in meine Heimatstadt
Wolfgang Racek
Im Übrigen kommt in ein original „Duggefett“ noch ein bisschen Essig am Schluss und Butter und zwar nicht zu wenig! Wo kommt den sonst das Fett bei „Duggefett“ her?
Aber hier verhält es sich wie zum Beispiel beim Rheinischen Sauerbraten. Jeder hier kennt es, macht es aber doch ein wenig anders. Was auch echt gut dazu schmeckt: Anstatt Pellkartoffeln, die Kartoffeln gute waschen, der Länge nach in der Mitte durchschneiden und im Backofen je nach Größe 30-45 Minuten backen (bei 200° Grad)
Also, ich wünsche euch einen guten Hunger.
Und schöne Grüße aus dem Schwalm Eder Kreis!!
HR -bi uns sacht mer „Hansestadt Röhrenfurth“ oder „Gessen Rückwärts“. Awwer for de Eschwejer honn mäh au ne annere Bezeichnung: „Esel suhrt Weide“. Tja, und was soll man zum Duckefett schreiben? Nix. Lecker. Gift. Aber Nationalgericht für nen ahlen Kasseläner wie mich, auch, wenn ich heute in Nordrhein-Anatolien wohne…..
Duggefett is kinn Gericht Ihr Blasenköppe. Duggefett is das, was narem braadn (z.B. Bradeworscht) in dor Fanne bliebet. Middm stügge Brod schmegged das hunnerdprozentich.
Ich kenne es von meinen Großeltern aus Kassel als Schmandduckewerk.
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