Liebes Tagebuch (193) – Fußballer-Zeichen
Ich gucke die Spiele dieser Fußball-WM nicht. Nicht nur wegen der zweifelhaften Vergabe, der Korruption in der FIFA und den vielen menschenrechtlichen Bedenken, sondern weil mich dieses Millionärsgekicke mittlerweile einfach langweilt.
Das war bei der Frauenfußball-EM im Sommer ganz anders: Erfrischend zu sehen, dass die Spielerinnen nicht – wie von den Männern gewohnt – nach jedem einzelnen Pfiff lamentieren und mit der Schiedsrichterin diskutieren mussten. Und dass sie nach einem Allerweltsfoul einfach aufstanden und weiterspielten, anstatt, wie ihre männlichen Kollegen, sich beim Fallen alligatorgleich 20 Mal um die eigene Achse zu drehen, um anschließend noch mit schmerzverzerrtem Gesicht mehrmals verzweifelt mit der flachen Hand auf den Rasen zu hauen. Aber ich schweife ab …
So, und nun sollen unsere Nationalspieler gestern ein Zeichen gesetzt haben, indem sie sich den Mund zuhielten.
Prima: „Wir setzen ein Zeichen dafür, dass wir uns den Mund haben verbieten lassen!“
Nun könnte man sagen: Immerhin haben sie was gemacht. Nun ja. Wäre Neuer tatsächlich mit der One-Love-Kapitänsbinde aufgelaufen (eh schon eine abgeschwächte Form der Regenbogenbinde) und hätte dafür die gelbe Karte kassiert – das wäre ein Zeichen gewesen. Alles andere ist in meinen Augen nur ein „Seht her, wir wissen, dass ihr kritischen Zuschauer irgendwas von uns sehen wollt – also haben wir irgendwas gemacht“-Alibi.
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