Straßenbauherrenmodell
Ich finde Leute, die auf Behindertenparkplätzen parken, weil sie zu faul sind, drei Schritte mehr zu gehen, rücksichtslos und blöd. Und deshalb stelle ich mich nie, nie, nie auf einen Behindertenparkplatz. Nie!
Normalerweise.
Als vor zwei Jahren ein Altbau in meiner Nachbarschaft saniert wurde, zog dort anschließend auch eine Arztpraxis ein, für die vor der Eingangstür zwei Behindertenparkplätze reserviert wurden. Offensichtlich blieben die Patientenströme aber aus, denn schon einige Monate später verschwand die Praxis wieder, die Parkplatz-Markierungen blieben.
Abends nach 20 Uhr findet man in meiner Straße so gut wie nie einen Parkplatz – auch die beiden Behindertenparkplätze sind nahezu immer belegt, allerdings nie von Autos mit entsprechender Berechtigung. Nachdem ich gestern dreimal um den Block gefahren war, dachte ich: Egal, die Praxis gibt’s eh nicht mehr, stellste dich jetzt auf den freien Behindertenparkplatz, kannst ja morgen früh den Wagen schnell umparken.
Leider war ich nicht schnell genug – schon um 8 Uhr hatte ich einen Strafzettel unterm Scheibenwischer: 35 Euro! Und das fürs Parken auf einem von zwei Behindertenparkplätzen, für die seit eineinhalb Jahren keine Notwendigkeit mehr besteht und auf denen im gleichen Zeitraum kein einziger Behinderter mehr geparkt hat.
Aber vielleicht ist das ganze ja so eine Art geheimes Straßenbauherrenmodell, das die nächsten überflüssigen Straßenbau-Maßnahmen und/oder nicht funktionierenden Ampelanlagen Potsdams finanzieren soll.
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