Wie man mit Kunden umgeht. Und wie nicht.
Vor Jahren biss sich meine Freundin einen Backenzahn an einem Stein aus, der in ein Vollkornbrot geraten war – was mehrere Zahnarztbesuche nach sich zog. Als sie das in der Bäckerei erwähnte, bekam sie zur Antwort: „Da können wir doch nichts zu!“ Ein „Entschuldigung, tut uns leid, aber das ein Stein im Vollkornmehl nicht ausgesiebt wird, kann leider schon mal vorkommen.“ hätte ihr durchaus gereicht, war aber offensichtlich zu viel verlangt.
Im Frühjahr habe ich ein Lachsfilet an der Frischfischtheke eines Supermarkts gekauft. Als ich es zuhause auspackte, roch es ziemlich stark nach Fisch. Ich briet das Filet versuchshalber trotzdem. Und verwandelte die Wohnung für mehrere Tage in eine stinkende Fischhöhle. Der Lachs war ungenießbar. Als ich das beim nächsten Einkauf erwähnte, bekam ich nicht nur das Geld zurück (ich hatte den Kassenzettel noch), sondern auch eine Flasche Sekt mit einer roten Schleife und dazu eine Entschuldigung – man werde den Frischfisch zukünftig noch sorgfältiger kontrollieren, damit so etwas nicht mehr vorkomme.
Vor vier Jahren bei Ikea für 40 Euro zwei Kochtöpfe aus der Serie „365+“ mit fünf 15 Jahren Garantie gekauft. Sie wurden hauptsächlich zum Pasta oder Kartoffeln kochen benutzt, seltener auch mal für eine Tomatensauce. Bereits nach zwei Jahren entstanden innen im Edelstahlboden kleine Löcher, darunter wurde dunkler gefärbtes Metall (Kupfer? Blei? Plutonium?) sichtbar. Eine E-Mail an Ikea, in der ich fragte, ob die Töpfe umgetauscht werden, obwohl ich leider keinen Kaufbeleg mehr hätte (wer hebt denn schon Kassenzettel für Kochtöpfe auf?), wurde sinngemäß so beantwortet: „Kein Problem. Fahren Sie mit den entsprechenden Kaufbelegen und den Töpfen zum nächstgelegenen Ikea, dort wird man die Töpfe umtauschen.“ Genau diese Antwort erhielt ich interessanterweise ein weiteres Mal, nachdem ich in einer zweiten
Vor 11 Jahren für 190,- DM einen gusseisernen Bräter der Firma Küchenprofi gekauft. Wegen seiner Größe wird er nur drei bis vier Mal pro Jahr benutzt. Letzten Herbst war nach der Zubereitung eines Gänserillettes innen ein Stück der oberen Gussschicht abgeplatzt, und es sah so aus, als ob sich mit der Zeit noch mehr lösen würde. Ich schrieb auf gut Glück eine E-Mail mit einem angehängtem Schadensfoto an Küchenprofi und fragte, ob man den Bräter ersetzen würde, obwohl er schon 10 Jahre alt sei und ich keinen Kaufbeleg mehr hätte. Ich bekam sinngemäß zur Antwort: „Selbstverständlich ersetzen wir Ihnen den Bräter. Allerdings haben wir ihn leider nicht mehr in Ihrer Farbe, teilen Sie uns doch bitte mit, in welcher Farbe wir Ihnen den neuen Bräter zuschicken sollen.“
Die Moral von der Geschicht’? Die Bäckerei hat uns (und einige Freunde und Bekannte) nie wieder gesehen, und Küchenzubehör wird nur noch als Markenware gekauft.
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Kommentare:
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Ich denke mal, diese Geschichten ließen sich in beide Ausprägungen 1000fach erzählen.
Und: Seitdem ich (Vor über 2 Jahren) auf „Paperless Office“ umgestellt habe und jeden Fetzen durch den Scanner und OCR jage (Jagen lasse) finde ich alle Rechnung in Kopie schnell wieder!
BTW: Fisch: Warst Du jetzt schon mal beim Südfisch? ;-)
Also der erste Fall ist wirklich ziemlich schockierend. Zumindest eine Entschuldigung währe definitiv nötig gewesen…
Bei den anderen Fällen ist es den Herstellern überlassen – teilweise kann man die Haltung nachvollziehen, teilweise nicht. Das Problem der Hersteller ist ja auch, das es Leute gibt, die Produkte wirklich mit Absicht (ich nenne es mal) mutwillig beschädigen. Solche Fälle werden versucht heraus zufiltern, oftmals leider auf kosten der ehrlichen Kunden.
Naja, das Preisgefüge springt einem ja schon ins Auge – Brot gegen Lachs und Billigtopf gegen 190-Mark Bräter.
Ich vermute eher, daß im Billigsegment ein höherer Ausschuss an Kunden in Kauf genommen wird. Die Produkte im Hochpreissegment sind auf Ihre (weniger zahlreichen) Käufer und deren Weiterempfehlung angewiesen und evtl. deshalb kulanter.
Wenn mich nicht alles täuscht gilt als Kaufbeleg auch ein Zeuge oder etwas rechtlich ähnliches.
Das sollte die Position des Geschädigten um einiges verbessern.
@Mario: Wir hatten das letzte Mal keine Zeit, aber demnächst bin ich wieder mal da unten – mal schauen, ob wir es dann schaffen. Das mit dem Rechnungen scannen ist übrigens eine super Idee!
Noch eine Ergänzung zu den Ikea-Töpfen – unten drunter steht ins Metall geprägt:
IKEA
365+
Made in Vietnam
Dass sie also von Ikea sind, steht zweifelsfrei fest – die Belege hätte man nur für das Kaufdatum der Töpfe gebraucht. Allerdings hätte auch ohne dieses Datum jeder mit Leichtigkeit erkennen können, dass sie noch keine 15 Jahre alt sein konnten. Aber ohne Kaufbeleg geht eben nichts, und Kulanz scheint bei Ikea ein nicht sehr geläufiger Begriff zu sein.
Für den täglichen Gebrauch (was das „365+“ wohl suggerieren soll) sind die Töpfe in meinen Augen jedenfalls völlig ungeeignet. Hier sind sie nämlich schon bei moderatem Gebrauch und ohne dass sie jemals mit spitzen oder scharfen Gegenständen in Berührung gekommen sind, nach zwei Jahren kaputt gegangen.
Naja, wie bereits erwähnt, gibt es sowas tausendfach überall.
Ich hab ähnliche negatives Verhalten bei teuren Herstellern schon erlebt, wo dann die billigeren Kollegen viel umgänglicher waren, kommt immer vor.
Es kommt immer auf die Firma, deren Philosophie und welchen Deppen man am Telefon hat, drauf an – leider.
Aber bei Kochgeschirr sollte man eh nicht zu viel sparen, finde ich.
Ich persönlich steh absolut nicht auf Lackbrocken im Kartoffelbrei, Teflonsplitter im Schnitzel oder Edelstahlstückchen im Rinderbraten.
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