Liebes Tagebuch (92)
Seit Jahrmillionen ebenso stetig wie unaufhaltsam auf dem Weg nach vorn, entwickelt sich die Menschheit nun zum ersten Mal wieder zurück. Beweis: Die Pro7-Sendung mit Uri Geller. Ich konnte – Faszination des Blöden! – längere Zeit nicht wegschalten. Irgendwie glaubte ich die ganze Zeit, gleich sagt jemand mit einem Augenzwinkern mal so etwas wie: „Klasse Trick, oder? Da kommen Sie nie hinter.“ Aber nein, in einer Art kollektivem (Selbst-)Verdummungsbestreben beharrten sämtliche Anwesenden auf Übersinnlichem und Außernatürlichem, das da die Hand im Spiel habe. Man ist sprachlos. Und zweifelt ein bisschen an unserem Bildungssystem.
Ich kann den Begriff Shareholder Value nicht mehr hören. Für jeden vernünftig denken- und handelnden Menschen besteht der Wert eines Unternehmens (neben den Sachwerten) aus Know-how, motivierten Mitarbeitern und zufriedenen Kunden. Für eine Unternehmensleitung besteht er hingegen zuallererst aus befriedigten Aktieninhabern – Mitarbeiter oder Kunden sind meist völlig egal. Solange sich aber diese Einstellung nicht ändert und nicht irgendwann mal wieder reale Werte im Mittelpunkt der Bemühungen eines Unternehmens stehen, wird sich an den ständig wiederkehrenden Wirtschaftskrisen nichts ändern. Und schon gar nichts an der fortschreitenden Service-Wüstifizierung. Das verstehe ja sogar ich als Wirtschaftsanalphabet.
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Kommentare:
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Ich konnte mich dieser Katastrophe entziehen. Mutierte nicht zum Gaffer, der die Gegenspur blockiert :-)
Im Ernst, ich stelle immer öfters fest, dass ich meine GEZ gerne bezahle. Im Radio läuft im ganzen Haus nichts anderes mehr als ÖR. Und im Fernsehn werden die wenigen Stunden der Woche auch immer öfters auf einem der ARD-Sender verbracht… Fürs ZDF allerdings fühle ich mich dann doch noch zu jung :-)
„Faszination des Blöden“ -nach diesem Begriff habe ich jahrelang gesucht. Danke!
Angesichts der meine Intelligenz beleidigenden Katastrophen, die bei den Privaten überwiegend gesendet werden, verstehe ich das letztjährige ÖR-Bashing in vielen Blogs bis heute nicht. Aber möglicherweise gibt es ja auch so etwas wie Unterschichtenblogging …
Das ÖR-Bashing ist oft quatsch. Differenzierte Kritik an dem Unfug, den die ÖR veranstalten, ist jedoch wichtig. Zum Beispiel aktuell dieses Essay von Niggemeier (PDF, ab Seite 3).
Vielleicht gibt's das noch nicht, ein »Unterschichtenblogging«, aber ein Unterschichtenfernsehen http://blog.hr-schmitz.de/?s=unterschichten schon. Zum Bloggen müsste man lesen und vor allem schreiben können ;-)
Ansonsten hat Weizenbaum http://www.handelsblatt.com/technologie/it-internet/internet-ist-ein-schrotthaufen;894875 zum Thema alles gesagt:
»Das Fernsehen ist die größte kulturelle Katastrophe, die die Erde in der Zeit, an die wir uns erinnern können, erlebt hat.«
Man muss jetzt nur noch die Konsequenzen ziehen und der »Faszination des Blöden« widerstehen. Ist nicht schwer, ersten den Stecker ziehen, dann der GEZ schreiben – und weiterhin gute Websites und ein gutes Weblog machen :-)
Ach ja, Fernsehen böse, irgendwann dann auch Internet böse, Spaß böse, Alkohol böse, Fleisch essen böse, etc.
Aber warum nicht, wenn es einem erspart, sich mit irgendwas differenziert auseinanderzusetzen? Es gibt immer wieder Leute, die mit so einem Widerspruch, wie diesem paradoxen Fernsehen, worin es einerseits unfassbar viel Schrott gibt, das andererseits aber eines der wichtigsten Medien unserer Kultur ist, einfach nicht leben können. Dummerweise gibt's so viel widersprüchliches in unserer Welt …
@hr-schmitz: Danke für das Zitat, denn es erspart mir, das alles zu lesen, wenn damit schon alles gesagt ist ;-)
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